> > > Bach, Johann Sebastian: Musikalisches Opfer BWV 1079
Samstag, 28. Mai 2022

Bach, Johann Sebastian - Musikalisches Opfer BWV 1079

Souveräner Blick fürs Wesentliche


Label/Verlag: ORFEO
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Konstantin Lifschitz’ Einspielung des 'Musikalischen Opfers' erschließt eine neue, unbedingt hörenswerte Perspektive auf dieses Monumentalwerk Bachs.

Bachs ‘Musikalisches Opfer’ BWV 1079 darf man getrost zu den Juwelen nicht nur der Krone seines eigenen Schaffens, sondern auch der gesamten Musikgeschichte zählen. Die Geschichte rund um die aus der spontan unlösbaren königlichen Aufgabe Friedrichs II. entstandene ‘Hausarbeit’ ist hinlänglich bekannt und obendrein zuverlässig verbrieft. Erstmals vollständig auf dem modernen Konzertflügel hat der 33-jährige, an der renommierten Moskauer Gnessin-Akademie ausgebildete Konstantin Lifschitz den hoch komplexen Mikrokosmos beim Label Orfeo eingespielt.

Vom einleitenden ‘Ricercar à 3’ an legt der junge Russe ein beeindruckendes Verständnis für die stimmlichen Strukturen an den Tag und versteht es, das architektonische Gesamtgefüge des polyphonen Gebäudes detailliert darzustellen. Auf überzeugende Art und Weise meistert er den Spagat zwischen einer rational-sachlichen Diktion einerseits und lebendigem, inspiriertem Musizieren andererseits. Ein hohes Maß an Anschlagskultur sowie eine scharf konturierte Artikulation und Ornamentik tragen zusätzlich dazu bei, dass es Lifschitz durchgehend gelingt, stringente und gehaltvolle musikalische Aussagen zu formulieren. Auch die Wahl der Tempi überzeugt und verzichtet auf jegliche nicht sachdienlichen Experimente (die man sonst gelegentlich durchaus antreffen kann). Welche Wirkung das Werk nach seiner schlussendlichen Übermittlung auf seinen Adressaten hatte, ist leider nicht überliefert. In jedem Fall hinterlässt die vorliegende Interpretation aber einen bleibenden Eindruck.

Nach diesem zentralen Kraftakt ist anschließend noch Bachs Präludium und Fuge BWV 552 mit der Besonderheit zu hören, dass Lifschitz hier nicht auf die transkribierte Version Busonis zurückgreift, sondern eine eigene Bearbeitung präsentiert. Darin beweist er nicht nur seine eigene satztechnische Kompetenz, sondern zeichnet auch weiterhin stets klare und stimmlich transparente Linien mit souveränem Blick für das Wesentliche.

Quasi als Zugabe gibt es dann abschließend noch drei Toccaten von Girolamo Frescobaldi (1583–1643), in denen man ebenso seltene wie spannende Impressionen aus dem Oeuvre dieses frühbarocken klavieristischen Pioniers erhält.

Ein kompetentes, dreisprachiges Booklet optimiert die Veröffentlichung schließlich noch durch viele wissenswerte Hintergrundinformationen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Thomas  Gehrig Kritik von Thomas Gehrig,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bach, Johann Sebastian: Musikalisches Opfer BWV 1079

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
ORFEO
1
29.10.2007
Medium:
EAN:

CD
4011790676128


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ORFEO

Erschienen die ersten Aufnahmen des 1979 in München gegründeten Labels noch in Lizenz bei RCA und EMI, produziert und vertreibt ORFEO seit 1982 unter eigenem Namen. Durch konsequente Repertoire- und Künstlerpolitik konnte sich das Label seit seinem aufsehenerregenden Auftritt am Anfang der Digital-Ära dauerhafte Präsenz auf dem Markt verschaffen. Nicht nur bekannte Werke, sondern auch weniger gängige Musikliteratur und interessante Raritäten - davon viele in Ersteinspielungen - wurden dem Publikum in herausragenden Interpretationen zugänglich gemacht. Dabei ist es unser Bestreben, auch mit Überraschungen Treue zu klassischer Qualität zu beweisen.
Der Musik der Moderne wird mit den gleichen Qualitätsstandards Beachtung geschenkt - in exemplarischen Neuaufnahmen wie in Mitschnitten bedeutender Uraufführungen. Wichtige Akzente setzen dabei die Serien Edition zeitgenössisches Lied, die bis in die unmittelbare Gegenwart vorstößt, und Musica Rediviva mit Werken verbotener oder zu Unrecht vergessener Komponisten.
Zu den Künstlern zählen die besten Sängerinnen und Sänger, Instrumentalisten, Orchester und Dirigenten der letzten drei Jahrzehnte. Die Förderung aufstrebender Künstler der jüngeren Generation war und ist ORFEO stets ein Anliegen. Viele, die heute zu den Großen der Musikszene zählen, errangen bei uns ihre ersten Schallplattenerfolge.
Mit der Serie ORFEO D'OR wird auf die große interpretatorische Vergangenheit zurückgegriffen; legendäre Aufführungen u.a. aus Bayreuth, München, Wien und Salzburg werden dokumentiert. Hierbei wurde von Anfang an besonderer Wert auf sorgfältige Edition gelegt; durch - das dürfte auf dem Markt für historische Aufnahmen heute sehr selten sein - offizielle Zusammenarbeit mit den Künstlern, Erben und Institutionen hat ORFEO D'OR jeweils exklusiven Zugriff auf die besten erhaltenen Originalquellen.
Unser Ziel: Die Faszination, die klassische Musik ausüben kann, über die Generationen lebendig nahe zubringen.


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