> > > Wilhelm Furtwängler dirigiert: Werke von Beethoven, Händel und Schubert
Mittwoch, 20. Oktober 2021

Wilhelm Furtwängler dirigiert - Werke von Beethoven, Händel und Schubert

In Ewigkeit Furtwängler


Label/Verlag: Guild
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Wilhelm Furtwängler im Konzert und bei Proben: Immer lehrreich, beglückend.

Michael Gielens Autobiographie: 'Unbedingt Musik' berichtet unter anderem von Begegnungen mit den Großen und Alten des Musikbetriebs, darunter Klemperer, E. Kleiber und Wilhelm Furtwängler. Dieser habe bei Proben eines Sinfoniekonzertes mit dem Orchester des Teatro Colón durch abschätzige Bemerkungen übers künstlerische Unvermögen argentinischer Musiker eine unvorteilhafte Hoffart und Hybris an den Tag gelegt. (Dies nach der Nazizeit.) Guild Historical hat nun eine Doppel-CD auf den Markt gebracht, die Furtwänglers lateinamerikanisches Wirken akustisch dokumentiert. Sie bietet Händels Concerto Grosso, op. 6 Nr. 11, und (ausschnittsweise) Schuberts Schauspielmusik zu 'Rosamunde'. Beide Mitschnitte sind 1950 unter 'Live'-Bedingungen am Teatro Colón entstanden und lassen, abgesehen vielleicht von Klanglichem, keine Auffassungsunterschiede zu Furtwänglers europäischen Aufnahmen erkennen. Weiters finden sich Beethovens 'Egmont'- und 'Coriolan'-Ouvertüre (Berlin, 1933 bzw. 1943) sowie die dritte 'Leonoren-Ouvertüre' mit dem Concertgebouw-Orchester (1950). Haupt- und Prunkstück der Doppel-CD ist jene (altvertraute) Berliner Beethoven-Neunte vom März 1942 (Peter Anders, Elisabeth Hoengen), die, u. a. durch Joachim Kaisers publizistische Interventionen, als Muster sinfonischer Darstellungskunst aus romantischem Geist gilt: Furtwängler gelingt es, dem eigenen Anspruch gemäß, 70 Minuten Musik aus 'einem' Impuls, 'einer' Bewegung heraus zum Erklingen zu bringen. Noch die krudesten Tempoverschiebungen scheinen die Notwendigkeit sinfonischer Entwicklung auszudrücken. Die dramatischsten, gestisch spannungsvollsten Phrasierungen kommen, wo es geboten scheint, unübertroffen lässig daher, und selbst die weitesten Legatobögen werden sorgfältig durchgeformt.

Nachdem die 'Neunte' des Jahres 1942 (allzu) häufig digital überarbeitet und wiederveröffentlicht wurde, gerät ein unscheinbarer, zehn-minütiger Probenmitschnitt zur eigentlichen Sensation dieser CDs: Furtwängler hat im Herbst 1948 mit den Stockholmer Philharmonikern die unvermeidliche 'Leonore Drei' aufgeführt. Die Proben wurden, ohne Wissen des Meisters, auf Tonband mitgeschnitten. Sie rechtfertigen jederzeit den Erwerb dieser CDs – umso mehr, als das Booklet die exakte Transkription der Äußerungen Furtwänglers enthält, welche mithin im Detail nachzuvollziehen sind. Überhaupt lässt sich sagen, dass diese Guild-Produktion mit Sorgfalt und Liebe erstellt worden ist. Das gilt für den Booklet-Text nicht weniger als für Peter Reynolds Leistung als Toningenieur: Die Mitschnitte kommen in staunenswerter Transparenz zu Gehör und widerlegen wie nebenbei das Gerücht, Furtwänglers Klangstil sei dicklich und aufgedunsen.

Herrscht auch kein Mangel an Neuveröffentlichungen der immer selben Furtwängler-Aufnahmen: Diese Produktion ist des Hörens wie Lesens allemal wert.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Wilhelm Furtwängler dirigiert: Werke von Beethoven, Händel und Schubert

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Guild
2
11.09.2008
Medium:
EAN:

CD
795754234626


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Guild

Guild entstand in den frühen Achtzigerjahren auf Initiative des berühmten englischen Chorleiters Barry Rose, der den St Paul's Cathedral Choir in London leitete. Der Name hat nichts mit der nahe gelegenen Londoner Guild Hall zu tun, sondern kommt von Barry Roses erstem Chor, dem Guildford Cathedral Choir. Das frühere Logo (ein grosses G) entstand indem Barry Rose kurzerhand eine Teetasse umstülpte und mit einem Bleistift ihrem Rand bis zum Henkel entlang fuhr. Seit 2002 hat die Firma als Guild GmbH ihren Sitz in der Schweiz, in Ramsen bei Stein am Rhein.
Bei den Aufnahmen arbeiten wir mit Fachleuten zusammen, die für grosse internationale Firmen und unabhängige kleinere und grössere Labels tätig sind. Unsere Programmschwerpunkte sind Welt-Erstaufnahmen, vergessene Werke bekannter Meister, noch nicht entdeckte Komponisten und Schweizer Musiker sowie historische Aufnahmen, etwa die Toscanini Legacy und Mitschnitte der Metropolitan Opera New York.
Wir arbeiten intensiv mit der Zentralbibliothek in Zürich und mit der Allgemeinen Musikgesellschaft Zürich zusammen, produzieren CDs mit Chören wie dem Salisbury Cathedral Choir und den Chören der Cambridge und Oxford University - und als Steckenpferd pflegen wir die grossen englischen und amerikanischen Unterhaltungsorchester mit ihren Light-Music-Hits der Dreissiger- bis Fünfzigerjahre.


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