> > > Strozzi, Barbara: Il Primo de Madrigali Venezia 1644
Donnerstag, 28. Januar 2021

Strozzi, Barbara - Il Primo de Madrigali Venezia 1644

Clever und klangsinnlich


Label/Verlag: Thorofon
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Es ist eine Freude, mit welch traumwandlerischer Sicherheit hier musiziert wird.

Wenn sich im 17. Jahrhundert eine Frau zum Komponieren berufen fühlte, so hatte sie gewiss keinen leichten Stand. Was jedoch die venezianische Sängerin und Komponistin Barbara Strozzi (1619-1677) mit ihrer ersten Madrigalsammlung 'IL PRIMO DE' MADRIGALI' im Jahre 1644 veröffentlichte, vermag sämtlichen Vorbehalte, die damals zweifellos bestanden haben, mit Leichtigkeit aus dem Weg zu räumen. Das umfangreiche Werk, das zugleich Strozzis 'Debut' als Komponistin überhaupt bedeutete, enthält in verschiedenen Besetzungen 10 Duette, 7 Terzette, 4 Quartette und 4 Quintette, und es ist zuletzt dieser wechselnden Besetzungs-Disposition zu verdanken, dass diese Madrigale einen solch positiven Eindruck hinterlassen. Höchst differenziert, geradezu clever und dabei stets klangsinnlich vertont Strozzi die facettenreichen Texte ihres Vaters, die die Liebe als zentrales Thema haben. Es ist bewundernswert, wie intelligent sie mit jedem einzelnen Wort umgeht. Dabei reichen die Texte von 'Priego ad Amore' (Bitte an Amor) über 'Consiglio Amoroso' (Rat in der Liebe) bis zu Behauptungen wie 'Dal pianto de gli Amanti scherniti s'imparò à far la carta' (Durch das Weinen verschmähter Liebender lernte man, Papier zu machen) oder Anreden 'Al battitor di bronzo della sua crudelissima Dama' (An den bronzenen Türklopfer seiner grausamen Dame). Strozzi bedient sich von Madrigal zu Madrigal verschiedenster Formen, und der Hörer wird in 'Vecchio amante che rende la piazza' etwa auch plötzlich mit dem Hinzutreten zweier Violinen überrascht.

Das ist höchst anspruchsvolle Musik. Da wünscht man sich natürlich auch ein Ensemble, das diesen Aufgaben gewachsen ist. Doch das Orlando di Lasso Ensemble ist weit mehr als das. Es ist eine Freude, mit welch traumwandlerischer Sicherheit und welchem Differenzierungsreichtum das Ensemble unter der Leitung von Detlef Bratschke hier musiziert. Die Intonation ist nahezu perfekt. Dabei ist vor allem der Ensembleklang zu rühmen, der so verhältnismäßig schlichte Werke wie 'Silentio nociuo' zu absoluten Höhepunkten macht.
Während das Orlando di Lasso Ensemble jedem Affekt nachgeht, wird immer mit viel Ruhe musiziert, was der Musik eine beeindruckende Größe verleiht, und was dieses Ensemble ganz besonders auszeichnet. Dem Bassisten des Ensembles gegenüber kann man nur in Bewunderung verbleiben. Die Balance zwischen den Sängern und der sehr inspiriert agierenden Continuogruppe ist ausgezeichnet, lediglich das Cembalo steht hier und da etwas zu sehr im Vordergrund. Kleine gesangstechnische Wünsche bleiben ansonsten nur in einzelnen solistisch geprägten Abschnitten offen. Doch vermag dies den fantastischen Gesamteindruck überhaupt nicht zu beeinträchtigen. Ein Nachteil der vorliegenden Produktion ist zweifellos die Tatsache, dass die Doppel-CD nur knappe 94 Minuten Musik enthält, wenn auch die Absicht nachvollziehbar ist, das Opus 1 der Barbara Strozzi ohne 'Beigaben' zu präsentieren. Ein erfreulich aufschlußreicher Artikel sowie der Abdruck aller Texte samt Übersetzung entschädigen dafür, dass der Hörer/Leser mit zwei Booklets zugleich hantieren muss. Leider wird jedoch versäumt, die originale Reihenfolge der Madrigalsammlung mitzuteilen, von der auf der vorliegenden Aufnahme abgewichen wird.

Im von Strozzi vertonten Vor- und Nachwort der Sammlung bekundet die Komponistin sehr selbstbewußt, wie überzeugt sie von ihrer eigenen Kunst ist, und der Zyklus schließt mit der Aufforderung zum kompositorischen Wettstreit an eventuelle Kritiker. Und tatsächlich lohnt sich eine Annäherung an Strozzis Kompositionen sehr!
So bleiben hier zwei Hoffnungen zurück: möge Barbara Strozzi weiterhin entdeckt und aufgeführt werden, und möge das Orlando di Lasso Ensemble (Mona Spägele und Nele Gramß, Sopran; Beat Duddeck und Detlef Bratschke, Altus; Hans Jörg Mammel und Tobias Hiller, Tenor; Adolph Seidel, Baß) weiterhin mit so fabelhaften Aufnahmen erfreuen, die überhaupt keinen Vergleich scheuen müssen!

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 




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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Strozzi, Barbara: Il Primo de Madrigali Venezia 1644

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
Thorofon
1
21.08.2000
1:33:15
1999
2000
Medium:
EAN:
BestellNr.:
CD
4003913124418
DCTH 2441/2

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In der nunmehr über 40jährigen Tradition von THOROFON wurde ein respektabler, vielfach preisgekrönter Katalog aufgebaut. Eine Schatztruhe für besondere musikalische Raritäten, die die Lücken in der Überlieferung der musikalischen Tradition ein bisschen verkleinern, und außerdem jungen, talentierten Interpreten eine Chance geben. Zu unseren Schätzen gehören ebenfalls Gesamteinspielungen von Ludwig van Beethovens Klaviersonaten, sämtliche Werke für Klavier solo von Johannes Brahms, Gesamtausgabe der Kammermusik von Josef Rheinberger, das Gesamtwerk von Louis Ferdinand Prinz von Preussen, das komplette Klavierwerk von Robert Schumann, eine Gesamteinspielung der Max Reger Kompositionen auf 13 CD, die das abwechslungsreiche Repertoire von THOROFON abrunden.

Auszeichnungen wie der ECHO KLASSIK (17 mal!) oder der Preis der Deutschen Schallplattenkritik versinnbildlichen den Anspruch des Labels und unterstreichen die Qualität der Produkte.

THOROFON ist ein Label der BELLA M USICA EDITION JÜRGEN RINSCHLER.


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