> > > Sköld, Yngve: Cellosonate op. 27
Samstag, 25. September 2021

Sköld, Yngve - Cellosonate op. 27

Unbekanntes aus Norden


Label/Verlag: Sterling
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Werke des wenig bekannten Komponisten Yngve Sköld können mit dem Cellisten John Ehde zwar eine neue Facette der Musik des 20. Jahrhunderts erschließen, aber nur bedingt begeistern.

Skandinavien scheint immer noch in einem Windschatten zu liegen, wenn es um die Perspektive Kontinentaleuropas und die Nabelschau der Hochkulturen geht. So ist der schwedische Komponist Yngve Sköld kaum bekannt, und auch auf dieser Homepage noch nicht rezensiert worden. Dabei wurde Sköld, der bereits mit 17 als Komponist debütierte, nichts weniger als der Spitzname ‘schwedischer Mozart’ zugelegt; man mag von solchen Spitznamen mehr oder weniger halten, aber für begeisterte Zeitgenossen spricht es allemal. Sköld wurde unweit Stockholms im Jahre 1899 geboren, und starb im hohen Alter, nachdem er ein seltsames Jahrhundert fast zur Gänze hatte beobachten können, ebenda 1992. In dieser langen Zeit komponierte er ein beträchtliches Oeuvre, das von Symphonien bis zu Filmmusiken reicht, das aber unmöglich alle die raschen Stilumbrüche und –pluralitäten des Jahrhunderts mitspielen konnte. Skölds Musik bleibt der Spätromantik verpflichtet, und korrespondiert dadurch mit seinem stillen, zurückgezogenen Landleben, dass man den vielleicht vorschnell gefassten Zusammenhang nur gar zu gerne ergreift.

Kammermusik von Yngve Sköld ist nun mit einer CD des stockholmer Cellisten John Ehde zugänglich geworden. Zwei Duos für Cello und Klavier, sowie eine Suite für Horn und Klavier mit Ib Lanzky-Otto als Solist. John Ehde ist mit dem Werk Skölds gewissermaßen familiär verbunden, genauer gesagt: mütterlicherseits. Ehdes Mutter, die als Konzertpianistin eine Künstlerfreundschaft mit Sköld verband, bildete die ‘Gelenkstelle’, die dazu führte, dass der Komponist dem noch jungen Cellosproß ein Bündel Noten schickte. Diese frühe und nahe Begegnung mit den Cellowerken Skölds hat offensichtlich einen tiefen Eindruck in Ehde hinterlassen. Er nimmt sich der Werke intensiv, ja intim an, und betont ihre starke, spätbrahmsische Emotionalität.

Dass diese späte, ländlich-nordische Romantik nichts wirklich Fröhliches ist, liegt auf der Hand. Allerdings fehlt ihr, bei aller Düsternis und Melancholie, jener Anflug von Demoralisierung, der zuweilen ‘zeitgenössischer’ Musik folgt. Das ‘Poem für Cello und Klavier’ etwa ist aus dem Jahr 1973, aber in der nostalgischen Tristesse gibt es gleichsam noch einen tonalen Hoffnungsschimmer. Nicht dass diese Musik eindeutig (im Sinne von: platt) wäre, aber sie erscheint deutlich unzweideutiger als die Avantgardekunst seiner Zeit. Das gilt für das ‘Poem’ ebenso wie für die Sonate in ebender Besetzung aus dem Jahr 1927. Es passt hier ins Bild, dass sich ganz ohne Wertung feststellen lässt, wie wenig sich die beiden Werke unterscheiden, obwohl ein halbes Leben zwischen ihnen liegt. Nicht zuletzt in dieser Gleichmäßigkeit spricht sich die spätromantische ‘Ruhe’ aus, und wird der Kontrast zur Kontinentalavantgarde deutlich, die sich kurz nach Skölds Tod schon anschickte, Streichquartette in Helikopter zu setzen.

Das Zusammenspiel von John Ehde und dem Pianisten Carl-Axel Dominique ist eng und fein zusammengestimmt. Die Tempi sind gemäßigt gewählt, wie es zur in der Cellosonate bedeutsam häufig verwendeten Satzbezeichnung ‘non troppo’ passt. Zuweilen aber scheint Ehde sein Instrument, und vielleicht auch sich selbst, bei dem Versuch zu überfordern, alles einzuholen und auszudrücken, was in der Sonate und dem Poem (für ihn) an Emotion steckt. Gewiss ist die Affektsteigerung und –anordnung in Musik hier auf einem hohen künstlerischen Niveau vollzogen, und das Duo versteht es auch, Spannungen über weite Strecken aufzubauen und zu erhalten. Aber oft an den Scheitelpunkten der Spannungskurve geschieht es, dass Ehde zu viel drückt, zu viel will. Das gilt v.a. für die hohen Lagen, die teils so gepresst klingen, dass man sich einer leichten Erinnerung an jenen Vers ‘Und bist du nicht willig, so brauch ich etc.’ nicht erwehren kann.

Die Suite für Horn und Klavier steht ein wenig quer zu den anderen Werken, erscheint ein wenig als Anhängsel, wie sie auch hier nur im Anhängsel der Rezension zur Sprache kommen kann. Die beginnt das Werk Skölds im Ohr des Hörers weiter zu erschließen und abzurunden, hat aber nicht die Kraft, einen zweiten Kreis um den Hornisten Lanzky-Otto zu eröffnen. Die Suite überrascht, aber erstaunt nicht, es fügt der CD nichts Entscheidendes hinzu.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Tobias Roth Kritik von Tobias Roth,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Sköld, Yngve: Cellosonate op. 27

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Sterling
1
22.12.2008
Medium:
EAN:

CD
7393338166528


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Sterling

Sterling is a record label specialising in orchestral music from the Romantic era, founded by Bo Hyttner. Most of the CDs released by Sterling contain previously unrecorded works. After setting out with Swedish romantics, Sterling is now spreading out towards the musical heritage of other European countries. In Sweden, the label is represented through CDA.



Additional to our series of Romantic orchestral classics, we release two more series:
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