> > > Norddeutsche Orgelmusik aus drei Jahrhunderten: Ulfert Schmidt an der Orgel der Stadtkirche zu Bückeburg
Samstag, 29. Januar 2022

Norddeutsche Orgelmusik aus drei Jahrhunderten - Ulfert Schmidt an der Orgel der Stadtkirche zu Bückeburg

Guter Literaturüberblick-gediegene Interpretation


Label/Verlag: Thorofon
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Mit einem innovativen Orgelmusik-Programm von Melchior Schildt (1592/93 – 1667) bis Johannes Brahms profiliert sich Ulfert Smidt mit seiner neuen CD, die beim niedersächsischen Label Thorofon erschienen ist. Aufgenommen ist die CD in der Stadtkirche zu Bückeburg an der niedersächsischen Grenze zu Westfalen. Dabei gibt der Organist der Marktkirche Hannover einen ganz persönlichen hannoversch eingefärbten Überblick über die norddeutsche Orgelmusik dreier Jahrhunderte. Hannoversch deswegen, weil gleich zwei der Komponisten eng mit dieser Stadt verbunden waren: Schildt – sozusagen als Vorgänger Smidts – schlug nach Studien bei Jan Pieterszoon Sweelinck in Amsterdam die Orgel der Marktkirche Hannover und Heinrich Friedrich Enckhausen (1799-1885) war seines Zeichens Organist, -pianist und Komponist am Hof an der Leine. Dessen ‘zwei Choralvorspiele’ spiegeln kaum die große lokale Bedeutung des Mannes wieder, wie Ruth M. Seiler im gepflegten Artikel des Beiheftes richtig herausstellt, vermitteln aber einen appetitanregenden Vorgeschmack auf mehr, woran Smidt einen nicht unerheblichen Anteil hat. Sein Spiel ist nie vordergründig, sondern konzentriert sich immer auf die musikalische Aussage. Mit der Aufnahme der beiden Choralvorspiele Nr.9 und Nr. 30 aus den 73 Choralvorspielen für Orgel von Heinrich Friederich Enckhausen gelingt Smidt gleichzeitig noch nebenbei eine editorische Pioniertat.

Unverkennbar herrschaftlich und mit individueller Repräsentationsgeste kommt Track 7, Johann Sebastian Bachs Orgelchoral ‘Allein Gott in der Höh sei Ehr’’ BWV 715 daher. Ebenso erfolgreich beherrscht Bach das demutsergebene Genre im Choral ‘Erbarm dich mein, o Herre Gott’ BWV 721. Sinnbildlich kann man sich die gezogenen Zweierbindungen als devote Geste vorstellen, die diesen Arnstädter Choral charakterisieren. Smidt begegnet dem Werk mit Güte und Selbstzurücknahme, weil er weiß, dass Gehabe hier fehl am Platz ist. Seine Technikbeherrschung kann er nämlich in Bachs G-Dur- Präludium BWV 568 demonstrieren. 3 Minuten 26’, die es in sich haben.
Besonders gelungen ist die Interpretation von Carl Philipp Emanuel Bachs Orgelsonate g-Moll. Bachs Sohn komponierte ungleich weniger Musik für die Orgel, als sein Vater. Trotzdem ist seine Herangehensweise interessant und individuell. Smidts Wahl der Register ist schlüssig. In puncto Variabilität holt Smidt das Maximum an Farbe aus dem großen Bückeburger Werk und unterstreicht so den von Heiterkeit geprägten Personalstil Carl Philipp Emanuels. Sein Halb-Bruder Johann Christoph Friedrich Bach stand übrigens von 1750-1795 in den Diensten des Bückeburger Fürsten zu Schaumburg-Lippe und hat wohl oft auch die Originalorgel dieser Aufnahme gespielt.

Des weiteren sind das dankbare Praeludium und Fuge g-Moll WoO 10 sowie Die Nr. 10 aus Elf Choralvorspiele Opus posth. 122 von Johannes Brahms zu hören, wobei Brahms stets ‘Heiliges’ mit dem Einsatz der Orgel umschreiben wollte. Das Eintauchen in diese Atmosphäre gelingt dem Interpreten beneidenswert.
Fazit: Hier spielt ein Kenner der Literatur und Könner der Orgel ein vielschichtiges, lohnendes Programm an einem bedeutenden Instrument, dessen Prospekt (1612-1615) übrigens von Esaias Compenius stammt. Das ‘Große Werk zu Bückeburg’, so Michael Praetorius in seinem Buch ‘Syntagma Musicum von 1619 über die Orgel der ev. Stadtkirche zu Bückeburg, die gleichzeitig die Bischofskirche der Schaumburger evangelischen Landeskirche ist, wurde von Rudolf Janke unter Verwendung von Pfeifen der historischen Vorlage 1965 wieder-erbaut. Ein weiterer Umbau mit Neukonzeption erfolgte 1994-97.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Norddeutsche Orgelmusik aus drei Jahrhunderten: Ulfert Schmidt an der Orgel der Stadtkirche zu Bückeburg

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
Thorofon
1
28.04.2000
1:02:19
1999
2000
Medium:
EAN:
BestellNr.:
CD
4003913124111
CTH 2411

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Bach, Carl Philipp Emanuel
Bach, Johann Sebastian


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Thorofon

In der nunmehr über 40jährigen Tradition von THOROFON wurde ein respektabler, vielfach preisgekrönter Katalog aufgebaut. Eine Schatztruhe für besondere musikalische Raritäten, die die Lücken in der Überlieferung der musikalischen Tradition ein bisschen verkleinern, und außerdem jungen, talentierten Interpreten eine Chance geben. Zu unseren Schätzen gehören ebenfalls Gesamteinspielungen von Ludwig van Beethovens Klaviersonaten, sämtliche Werke für Klavier solo von Johannes Brahms, Gesamtausgabe der Kammermusik von Josef Rheinberger, das Gesamtwerk von Louis Ferdinand Prinz von Preussen, das komplette Klavierwerk von Robert Schumann, eine Gesamteinspielung der Max Reger Kompositionen auf 13 CD, die das abwechslungsreiche Repertoire von THOROFON abrunden.

Auszeichnungen wie der ECHO KLASSIK (17 mal!) oder der Preis der Deutschen Schallplattenkritik versinnbildlichen den Anspruch des Labels und unterstreichen die Qualität der Produkte.

THOROFON ist ein Label der BELLA M USICA EDITION JÜRGEN RINSCHLER.


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