> > > Beethoven, Ludwig van: Klavierkonzert Nr. 3 c - Moll op. 37
Mittwoch, 20. Oktober 2021

Beethoven, Ludwig van - Klavierkonzert Nr. 3 c - Moll op. 37

Fingerspitzengefühle


Label/Verlag: Ondine
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Olli Mustonens Beethoven-Aufnahmen halten einige Überraschungen bereit. Dessen ungeachtet können sie Referenz-Status beanspruchen.

Rezensent erinnert sich mancher Sinfoniekonzerte im Münchner Nationaltheater, das, wie man weiß, eine solide Opernakustik sein eigen nennt, nicht aber zum Konzertsaal taugt. Eine ‚Schallmuschel’, in den Bühnenraum eingebaut, soll dem Klang Façon verleihen. Eben dies will nicht gelingen: Der Tuttiklang ist glanzlos und stumpf, im großsinfonischen Format scheint der Raum nicht selten zu bersten, Klaviere klingen zuverlässig spitz und klirrend – dies selbst, wenn kultivierte Pianisten am Werk sind.

Einmal war es ganz anders. Olli Mustonen war avisiert und – man verzeihe den Überschwang – das Nationaltheater wie verzaubert. Es klang, als kennte es für dieses Mal keine akustischen Limitationen: Der Flügel duftig und weich, von äußerster Delikatesse; leuchtend, voll Strahlkraft, aber nicht grell; biegsam und plastisch, schillernd in feinsten Nuancen. Mit einem Wort: Mustonens Anschlagskunst grenzt an Magie.

Selbst Beethoven, gewiss das Gegenteil eines Impressionisten, kann von Mustonens Fingerspitzengefühl profitieren. Vom erdenschweren Klangideal der Backhaus- oder Arrau-Schule ist Mustonen weit entfernt. (Allenfalls wäre an Wilhelm Kempff zu denken, den ‚undeutschesten’ deutschen Beethoven-Spieler.) Was Beethoven aber an kantiger ‚Männlichkeit’ einbüßt, gewinnt er an Farbigkeit und beredter Leichtigkeit der Artikulation. Dies umso mehr, als Ondine, das erlesene finnische Label mit Sinn fürs Un- und Außergewöhnliche, für Mustonens Zyklus der Beethoven-Konzerte um ein hell-transparentes Klangbild Sorge trägt, und Tapiola Sinfonietta, das mozart-versierte, historisch informierte finnische Kammer-Ensemble, unter Mustonens animierender Leitung dem Pianisten nicht nachsteht, was Kalkül und improvisatorische Frische betrifft.

Hier liegt nun das dritte Beethoven-Konzert vor, ergänzt um die selten gespielte Klavier-Fassung des Violinkonzerts. Mustonen schlägt geschmeidige, anpassungsfähige Tempi. Phrasierungen werden, mit generösem Rubato, voll-plastisch, locker-gelöst, mit kraftvoll-dramatischer, doch dezenter Gebärde aufgespannt. Mustonen artikuliert durchwegs mit äußerstem Differenzierungsvermögen: Es tun sich unerhörte Non-Legato-Welten auf. Auch das Pedal weiß er effektsicher, malerisch einzusetzen. Diese Musiker gehen mit solcher Frische des Geistes und Herzens zu Werke, dass allfällige ‚stil-kritische’ Bedenken philiströs, ja albern erscheinen. Mag sein, dass Olli Mustonen nicht zu den ‚objektivsten’, notentexttreuesten Exegeten gehört und einige Phrasierungs-Pirouetten schlägt. Aber solche Idiosynkrasien sind allemal hörenswert.

Zum Schluss: Dass Hans-Werner Küthen vom Beethoven-Archiv Bonn als Autor des (ungemein aufschlussreichen) Beiheft-Texts gewonnen werden konnte, spricht für die hochseriöse Machart dieser Produktion. Sie ist des künstlerischen Rangs der Interpreten würdig.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Beethoven, Ludwig van: Klavierkonzert Nr. 3 c - Moll op. 37

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Ondine
1
29.03.2010
Medium:
EAN:

SACD
761195112359


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Ondine

The roots of Ondine date back to 1985 when founder Reijo Kiilunen released the very first Ondine album under the auspices of the renowned Finnish Kuhmo Chamber Music Festival. The label's initial mission was to produce one live album at the Festival each season. The fourth album, however, featured Einojuhani Rautavaara's opera Thomas (ODE 704-2), raising major international attention and opening the ground for overseas distribution. Kiilunen, who was running the Festival's concert agency and had begun the recording activity part-time, soon decided to devote himself fully to the development of this new business, producing and editing the first 50 releases himself. Since 2009 the company has been a part of the Naxos Group.

Today Ondine's extensive catalogue includes nearly 600 recordings of artists and ensembles such as conductor and pianist Christoph Eschenbach, conductors Vladimir Ashkenazy, Vasily Petrenko, Mikhail Pletnev, Esa-Pekka Salonen, Hannu Lintu, Jukka-Pekka Saraste, Sakari Oramo, Leif Segerstam and John Storgårds, orchestras such as The Philadelphia Orchestra, Orchestre de Paris, London Sinfonietta, Bavarian Radio Symphony Orchestra, BBC Symphony Orchestra, Los Angeles Philharmonic, Russian National Orchestra, Czech Philharmonic, Finnish Radio Symphony Orchestra, Helsinki Philharmonic and Tampere Philharmonic, sopranos Soile Isokoski and Karita Mattila, baritone Dmitri Hvorostovsky and Gerald Finley, violinist Christian Tetzlaff, violist David Aaron Carpenter, cellist Truls Mørk and pianist Olli Mustonen.

The label has also had a long and fruitful association with Finnish composers Einojuhani Rautavaara, Magnus Lindberg and Kaija Saariaho, having recorded the premieres of many of their works and garnering many awards along the way.


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