> > > Balletti. Sonaten und Serenaden am Hof von Kromeriz: Werke von Schmelzer, Vejvanovsky u.a
Freitag, 23. August 2019

Balletti. Sonaten und Serenaden am Hof von Kromeriz - Werke von Schmelzer, Vejvanovsky u.a

20 Jahre alt - und immer noch taufrisch


Label/Verlag: MDG
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Eine ältere Einspielung, die durch niveauvolles Musizieren und interessante Musik kaum an Glanz eingebüßt hat.

Ohne Zweifel ist Friedemann Immers Name eng mit der Wiederbelebung der Historischen Aufführungspraxis im Trompetenspiel verknüpft. Immer hat früh mit führenden Exponenten der Alte-Musik-Bewegung zusammengearbeitet und die Szene über Jahrzehnte wesentlich mitgestaltet. Die vorliegende Einspielung entstand bereits 1990. Das Trompeten-Consort Friedemann Immer und das Salzburger Barockensemble interpretierten damals – vor immerhin schon fast 20 Jahren – barocke Ensemblemusik mit Trompeten aus dem Umfeld der Höfe von Wien und Kremsier, Musik von Schmelzer, Vejvanovsky und Biber. Alle Werke stammen aus dem bedeutenden Kremsierer Notenarchiv, das reich ist an Raritäten und bedeutenden Werken führender Komponisten des 17. Jahrhunderts in vielfach singulärer Überlieferung.

Gediegene Gebrauchsmusik

Es handelt sich um gediegene, aber auch sehr gefällige Gebrauchsmusik für Ballettaufführungen, zur Tafelmusik und für alle Arten höfischer Festivitäten. Naturgemäß sorgt die Beteiligung von Trompeten für eine gewisse Beschränkung auf harmonischem Gebiet, die aber auf vielfältige Art und Weise ausgeglichen wird: Durch ‚trompetenfreie’ Passagen, durch bunte Besetzungen mit flexibleren Instrumenten (Streicher, Posaunen) und durch reiche rhythmische und melodische Differenzierung. Das Resultat ist eine Musik von faszinierender Leuchtkraft und repräsentativem Charakter.

Souveräne Leistungen auf dem instrumentalen Sektor

Die Interpretation repräsentiert gewissermaßen den Status quo der Historischen Aufführungspraxis im Jahr 1990 – und der war bereits sehr hoch. Die Barocktrompeten setzen Glanzpunkte, klingen aber nie so durchdringend und dominant wie ihre modernen Pendants. Das wiederum bewirkt, dass es zu einem echten kammermusikalischen Dialog mit den Streichern und Posaunen kommt. Das Salzburger Barockensemble, angeführt von der erfahrenen Barockgeigerin Anita Mitterer, der Primgeigerin des Quatuor Mosaiques, ist Immers Consort ein ebenbürtiger, souveräner Partner. Nach 20 Jahren klingt diese Einspielung immer noch frisch und lebendig. Freunde des strahlenden Trompetenklangs kommen ebenso auf ihre Rechnung wie Biber-Fans und aufgeschlossene Freunde unbekannter Repertoireperlen. Erfreulich wie die musikalischen Leistungen ist auch das natürliche Klangbild. Insgesamt liegt hier eine rundum erfreuliche Wiederveröffentlichung vor.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Dr. Franz Gratl Kritik von Dr. Franz Gratl,


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Balletti. Sonaten und Serenaden am Hof von Kromeriz: Werke von Schmelzer, Vejvanovsky u.a

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
MDG
1
25.07.2008
Medium:
EAN:

CD
760623036922


Cover vergössern

MDG

Die klangrealistische Tonaufnahme

»Den beim Sprechen oder Musizieren entstehenden Schall festzuhalten, um ihn zu konservieren und beliebig reproduzieren zu können, ist eine Idee, die seit langem die Menschen beschäftigte. Waren zunächst eher magische Aspekte im Spiel, die die Phantasie beflügelten wie etwa bei Giovanni deila Porta, der 1598 den Schall in Bleiröhren auffangen wollte, so führte mit fortschreitender Entwicklung naturwissenschaftlichen Denkens ein verhältnismäßig gerader Weg zur Lösung...« (Riemann Musiklexikon)

Seit Beginn der elektrischen Schallaufzeichnung ist der Tonmeister als »Klangregisseur« bei der Aufnahme natürlich dem Komponisten und dem Interpreten, aber auch dem Hörer verpflichtet. Die Mittel zur Tonaufzeichnung sind hinlänglich bekannt. Die Kriterien für ihren Einsatz bestimmt das Ohr. Deshalb für den Hörer hier eine Beschreibung unserer Hörvorstellung.

Lifehaftigkeit

In der Gewißheit, daß der Konzertsaal im Wohnzimmer (leider) nicht realisierbar ist, konzentriert sich unser Bemühen darauf, die Illusion einer Wirklichkeit zu vermitteln. Die Musik soll im Hörraum so wiedererstehen, daß spontan der Eindruck der Unmittelbarkeit entsteht, das lebendige Klanggeschehen mit der ganzen Atmosphäre der »Lifehaftigkeit« erlebt wird. Da wir praktisch ausschließlich menschliche Stimmen und »klassische« Instrumente - auch sie haben ihren Ursprung im Nachahmen der Stimme - aufnehmen, konzentriert sich unsere Klangvorstellung auf natürliche Klangbalance und tonale Ausgeglichenheit im Ganzen, und instrumentenhafte Klangtreue im Einzelnen. Darüber hinaus natürliche, ungebremste Dynamik und genaueste Auflösung auch der feinsten Spannungsbögen. Weitestgehend bestimmend für die Illusion der Lifehaftigkeit ist auch die Ortbarkeit der Klangquellen im Raum: freistehend, dreidimensional, realistisch.

Musik entsteht im Raum

Um diesen »Klangrealismus« einzufangen, ist bei den Aufnahmen von MDG eine natürliche Akustik unbedingte Voraussetzung. Mehr noch, für jede Produktion wird speziell in Hinblick auf die Besetzung und den Kompositionsstil der passende Aufnahmeraum ausgesucht. Anschließend wird »vor Ort« die optimale Plazierung der Musiker und Instrumente im Raum erarbeitet. Dieser ideale »Spielplatz« ermöglicht nun nicht nur die akustisch beste Aufnahme, sondern inspiriert durch seine Rückwirkung die Musiker zu einer lebendigen, anregenden Musizierlust und spannender Interpretation. Können Sie sich die Antwort des Musikers vorstellen auf die Frage, ob er lieber in einem trockenen Studio oder in einem Konzertsaal spielt?

Die Aufnahme

Ist der ideale Raum vorhanden, entscheidet sich der gute Ton an den Mikrofonen - verschiedene Typen mit speziellen klanglichen Eigenheiten stehen zur Auswahl und wollen mit dem Klang der Instrumente im Raum in Harmonie gebracht werden. Ebenso wichtig für eine natürliche Abbildung ist die Anordnung der Mikrofone, damit etwa die richtigen Nuancen in der solistischen Darstellung oder die Kompensation von Verdeckungseffekten realisierbar werden. Das puristische Ideal »nur zwei Mikrofone« kann selten den komplexen Anforderungen einer Aufnahme mit mehreren Instrumenten gerecht werden. Aber egal wie viele Mikrofone verwendet werden: Stellt sich ein natürlicher Klangeindruck ein, ist die Frage nach dem Zustandekommen des »Lifehaftigen« zweitrangig. Entscheidend ist, es klingt so, als wären nur zwei Mikrofone im Spiel.

Ohne irgendwelche »Verschlimmbesserer« wie Filter, Limiter, Equalizer, künstlichen Hall etc. zu benutzen, sammeln wir die Mikro-Wellen übertragerlos in einem puristischen Mischpult und geben das mit elektrostatischem Kopfhörer kontrollierte Stereosignal linear und unbegrenzt an den AD-Wandler und zum digitalen Speicher weiter. Dadurch bleiben auch die feinsten Einschwingvorgänge erhalten. Auf der digitalen Ebene wird dann ohne klangmanipulierende Eingriffe mit dem eigenen Editor in unserem Hause das Band zur Herstellung der Compact Disc für den Hörer erstellt, für Ihr hoffentlich großes Hörvergnügen.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...

Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag MDG:

  • Zur Kritik... Dienerin der Meister: Jozef De Beenhouwer ergänzt seine Diskografie der Klaviermusik Clara Schumanns um Klaviertranskriptionen von Kompositionen anderer. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Für eigene Zwecke: Christian Euler und sein Begleiter Paul Rivinius präsentieren Hindemiths frühe Violasonaten in einer hochkarätigen Darbietung. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Italienische Avantgarde: Der Pianist Steffen Schleiermacher widmet sich der italienischen Moderne der 1910er Jahre. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von MDG...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Franz Gratl:

blättern

Alle Kritiken von Dr. Franz Gratl...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Nordischer Impressionismus: Oramo kann Lemminkäinen: Sibelius-Fans dürfen aufhorchen. Weiter...
    (Dr. Aron Sayed, )
  • Zur Kritik... Erkundenswertes Süditalien: Nicola Logoscino bereichert die Musikgeschichte Neapels und Sizilens. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Strahlende Vielfalt: So muss man Telemann spielen: gewitzt und wendig, intensiv in den Affekten, flexibel in der Deutung des formalen Rahmens, kundig in der stilistischen Vielfalt. Michael Schneider und La Stagione Frankfurt mit einem beeindruckenden Finale der Reihe. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (7/2019) herunterladen (2731 KByte) Class aktuell (2/2019) herunterladen (4851 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Antonín Dvorák: String Quartet B 57 in E major op.80 - Finale. Allegro con brio

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Christian Euler im Portrait "Melancholie ist die höchste Form des Cantabile"
Bratschist Christian Euler im Gespräch mit klassik.com über seine Lehrer, seine neueste SACD und seine künstlerische Partnerschaft zum Pianisten Paul Rivinius.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich