> > > Godowsky, Leopold: Sinfonische Metamorphosen über Walzer von Johann Strauss II
Montag, 27. Mai 2019

Godowsky, Leopold - Sinfonische Metamorphosen über Walzer von Johann Strauss II

Walzer-Virtuosität


Label/Verlag: Hyperion
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Kleinere und größere Arrangements und Transkriptionen nach Johann Strauß junior, angefertigt von Leopold Godowsky und brillant eingespielt von Marc-André Hamelin.

Der kanadische Pianist Marc-André Hamelin nimmt unter den Klaviervirtuosen unserer Zeit eine Ausnahmestellung ein. Seine Neugierde auf selten gespielte oder ganz vergessene Werke (unter anderem von Medtner, Scharwenka oder Kapustin) lässt ihn immer wieder als 'Schatzgräber' hervortreten, der unbekannte Komponisten ins Licht der Öffentlichkeit rückt. Neben vielen Originalwerken sind es auch Bearbeitungen und Transkriptionen, die Hamelins Interesse erwecken. Dabei spielt Leopold Godowsky (1870 – 1938) eine wichtige Rolle. Der US-amerikanische Pianist mit litauischen Wurzeln fertigte zahlreiche Arrangements an, wobei die Grenze zur selbständigen Komposition fließend verläuft. Godowskys wohl berühmteste – von Hamelin bereits eingespielte – Bearbeitungen galten Chopins Etüden op. 10 und 25, wobei er die ohnehin schon hohen Schwierigkeiten der Originale noch einmal beträchtlich verschärfte. Dabei war Godowsky keineswegs auf das Klavier fixiert, auch die sechs Suiten für Cello solo von Johann Sebastian Bach erfuhren eine teils wortgetreue, teils freiere Transkription.

Auf dieser CD hat Hamelin einige Arrangements nach Johann Strauß (Sohn) zusammengestellt, wobei Godowsky eher als Komponist denn als Imitator zu sehen ist. Der dreimal anzutreffende Titel 'Symphonische Metamorphose' verdeutlicht, worum es ihm ging: Die populären Melodien des 'Walzerkönigs' in ein musikalisch und (vor allem) pianistisch anspruchsvolles Gerüst einzufügen, um damit in der Doppelfunktion zu glänzen. Neben den Metamorphosen über 'Künstlerleben', 'Die Fledermaus' und 'Wein, Weib und Gesang' spielt Hamelin jeweils vier Stücke aus den Zyklen 'Walzermasken' und 'Triakontameron' sowie eine Bearbeitung des 'letzten Walzers' nach Oscar Straus.

Die hohen manuellen Anforderungen vor allem der längeren Stücke stellen für Hamelin erwartungsgemäß kein Problem dar. Eher schon hätte man vermutet, dass in dem Gewimmel von Läufen und Akkorden die ursprünglichen (Walzer-)Melodien etwas untergehen. Doch genau das passiert nicht: Mit fein dosiertem Pedaleinsatz und Verzicht auf dynamische Überzeichnungen gelingen dem Kanadier schlüssige Interpretationen, die Strauß junior ebenso gerecht werden wie Godowsky. Weder stellt Hamelin das Passagen- und Figurenwerk zu sehr in den Vordergrund, noch die beliebten Strauß-Weisen. Diese Balance dürfte es gewesen sein, die Godowsky bei seinen 'Metamorphosen' vorschwebte. A propos Balance: Der Klang des Steinway-Flügels wurde mustergültig eingefangen, auch die rasantesten Läufe bleiben sehr gut nachvollziehbar.

Bleibt eigentlich nur zu beklagen, dass es zwischen den ausgewählten Stücken gewisse Qualitäts-Schwankungen gibt. Wenn man eine zweiminütige Miniatur auch nur bedingt mit einer viertelstündigen Metamorphose vergleichen kann, so fällt beispielsweise das 'Pastell' aus den 'Walzermasken' doch ab gegenüber der brillanten 'Fledermaus'-Metamorphose, dem wohl besten Werk auf dieser CD. Hamelin bewältigt kleine wie große Form mit dem gleichen Ernst, und wenn man ihm überhaupt einen Vorwurf machen kann, dann ist es vielleicht die fehlende Prise Humor. Natürlich hat Godowsky keinen musikalischen Slapstick komponiert, aber das gewisse alt-österreichische Augenzwinkern blitzt doch hier und da hervor. Andererseits: Technisch und musikalisch ist dieses Klavierspiel so überzeugend, dass man nicht nach der Nadel im Heuhaufen suchen muss. Alle Hamelin-Fans werden hier ohnehin zugreifen, und wer sich entweder für Godowsky oder Strauß junior begeistern kann, sollte ebenfalls nicht zögern.

Vor allem die drei 'Symphonischen Metamorphosen' bieten zudem reichlich pianistische Virtuosität, die jedoch nie im Verdacht steht, die anderen Facetten der Werke zuzudecken – dies ist ohne Zweifel eine der herausragenden Qualitäten von Hamelins Spiel. Nur sehr wenige Kollegen können ihm diesbezüglich das Wasser reichen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Godowsky, Leopold: Sinfonische Metamorphosen über Walzer von Johann Strauss II

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Hyperion
1
22.08.2008
EAN:

034571176260


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Interpret(en):Hamelin, Marc-André


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Hyperion

Founded in 1980, Hyperion is an independent British classical label devoted to presenting high-quality recordings of music of all styles and from all periods from the twelfth century to the twenty-first. We have been described as 'Britain’s brightest record label'. In January 1996 we were presented with the Best Label Award by MIDEM's Cannes Classiques Awards. The jury was made up of the editors of most of the leading classical CD magazines in the world - Classic CD (England), Soundscapes (Australia), Répertoire (France), FonoForum (Germany), Luister (Holland), Musica (Italy), Scherzo (Spain), and In Tune (USA & Japan).

We named our label after an altogether splendid figure from Greek mythology. Hyperion was one of the Titans, and the father of the sun and the moon - and also of the Muses, so we feel we are fulfilling his modern role by giving the art of music to the world.

The repertoire available on Hyperion, and its subsidiary label Helios (Helios, the sun, was the son of Hyperion), ranges over the entire spectrum of music - sacred and secular, choral and solo vocal, orchestral, chamber and instrumental - and much of it is unique to Hyperion. The catalogue currently comprises nearly 1400 CDs and approximately 80 new titles are issued each year. We have won many awards.

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