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Sonntag, 29. Mai 2022

Dvorak, Antonin - Kammermusikwerke

Gelungen!


Label/Verlag: Supraphon
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ein empfehlenswertes 4 CD-Set von Supraphon fasst eine Reihe wundervoller Aufnahmen der größer besetzten Kammermusik Antonín Dovráks zusammen.

Gelungen, ja wirklich – das war der erste Eindruck diese wunderbaren Box mit vier CDs (es handelt sich um wieder veröffentlichte Produktionen aus den Jahren 1982 bis 1996) aus dem Hause Supraphon, der sich nach mehrmaligem Hören noch vertieft hat. Gegenstand ist die größer besetzte Kammermusik Antonín Dvoráks mit den Streichquintetten, dem Streichsextett, den Klavierquartetten und -quintetten, also jenen Werke, die – wie vor allem die Klavierquartette und das Streichsextett – aufgrund ihrer instrumentalen Kombinationen für die Interpreten bisweilen unangenehme Probleme in Bezug auf Intonation oder Klangbalance mit sich bringen. Dank der hervorragenden Musiker – im Mittelpunkt stehen das Panocha-Quartett (Jirí Panocha und Pavel Zejfart, Violine; Miroslav Sehnoutka, Viola; Jaroslav Kulhan, Violoncello) mit entsprechender Verstärkung (Jan Panenka, Klavier; Josef Kluson, Viola; Pavel Nejtek, Kontrabass) für die reinen Streicherwerke und Klavierquintette sowie das erweiterte Suk Trio (Josef Hála, Klavier; Josef Suk, Violine; Josef Chuchro, Violoncello; Josef Kodousek, Viola) für die Klavierquartette – scheint dies alles wie vom Tisch gewischt.

An musikalischen Höhepunkten mangelt es daher nicht: Wie die sorgfältige, fast tastende Formung der Kopfsatzes-Einleitung und die durch subtile Auslegung der Dynamik gezeichnete Dramatik im Finalsatzes aus dem Streichquintett a-Moll op. 1 zeigen, handhaben die Musiker den Quintettsatz mit einem Maxiumum an Abwechslungsreichtum. Dies gilt auch für das Streichquintett Nr. 2 G-Dur op. 77, in dem sich durch Mitwirkung des Kontrabasses (statt Viola) die Balance zugunsten der tiefen Register verschiebt. Die Differenzierungsfähigkeit des Ensembles wird vor allem in der leichtfüßigen Wiedergabe des späten Streichquintetts Nr. 3 Es-Dur op. 97 deutlich. Der Beginn des Kopfsatzes mit dem Aufbau solistischer Strukturen bis hin zum Tutti ist meisterhaft umgesetzt und zeigt, dass Dvoráks Musik hier nicht – wie in anderen Aufnahmen – verharmlost wird; sie wird vielmehr zum vielschichtigen klingenden Diskurs gestaltet, der eine große Spannbreite von emotionalen Situationen miteinander verbindet. Besonders schön ist auch das von der instrumentalen Balance her so heikle Streichsextett A-Dur op. 48 gelungen. Die Musiker differenzieren den aufgrund der Verdopplung von Bratschen und Violoncelli stark mittelstimmenbetonten Satz in Richtung der orchestralen und kammermusikalischen Qualitäten und schaffen daraus den Spannungsverlauf für die einzelnen Sätze, dabei den Klang in verschiedenen Dichtegraden modellierend und sinnlich formend.

Von besonderer Intensität sind darüber hinaus die beiden exzellent dargebotenen Klavierquintette. Hier nimmt etwa der langsame Satz aus dem Klavierquintett Nr. 1 A-Dur op. 5 mit ausgewogener instrumentaler Balance beim ständigen Wechsel der Instrumentenkombinationen für sich ein. Großartig ist daneben die Umsetzung des wundervollen Klavierquintetts Nr. 2 A-Dur op. 81, dessen abwechslungsreicher musikalischer Verlauf sich einer klaren und sensiblen Umsetzung der Partiturvorgaben verdankt. Und schließlich erfahren auch die bezüglich der Intonationsverhältnisse so unangenehmen Klavierquartette Nr. 1 D-Dur op. 23 und Nr. 2 Es-Dur op. 87 eine wunderbar plastische Umsetzung. Hier ist es vor allem die Wiedergabe des Lento-Satz aus op. 87 mit seinem enormen Stimmungsreichtum, die sich schon nach dem ersten Hören in der Erinnerung festsetzt. Um mit dem Lob endlich zum Ende zu kommen: Dieses Set bietet in meinen Augen einige der besten und schlüssigsten Aufnahmen der eingespielten Werke und ist für Freunde der Kammermusik rundherum empfehlenswert.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Dvorak, Antonin: Kammermusikwerke

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Supraphon
4
25.07.2008
Medium:
EAN:

CD
099925392123


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Supraphon

Supraphon Music ist das bedeutendste tschechische Musiklabel und besitzt bereits eine lange Geschichte. Der Name "Supraphon" (der ursprünglich ein elektrisches Grammophon bezeichnete, das zu seiner Zeit als Wunderwerk der Technik galt) wurde erstmals 1932 als Warenzeichen registriert. In den Nachkriegsjahren erschien bei diesem Label ein Großteil der für den Export bestimmten Aufnahmen, und Supraphon machte sich in den dreißiger und vierziger Jahren besonders um die Verbreitung von Schallplatten mit tschechischer klassischer Musik verdient. Die künstlerische Leitung des Labels baute allmählich einen umfangreichen Titelkatalog auf, der das Werk von BedYich Smetana, Antonín Dvorák und Leos Janácek in breiter Dimension erfasst, aber auch andere große Meister der tschechischen und der internationalen Musikszene nicht vernachlässigt. An der Entstehung dieses bemerkenswerten Katalogs, auf den Supraphon heute stolz zurückblickt, waren bedeutende in- und ausländische Solisten, Kammermusikensembles, Orchester und Dirigenten beteiligt.


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