> > > Beethoven, Ludwig van: Klaviertrios op. 1 Nr. 3, op. 70 Nr. 1 & op. 97
Sonntag, 29. Mai 2022

Beethoven, Ludwig van - Klaviertrios op. 1 Nr. 3, op. 70 Nr. 1 & op. 97

Zeitlos schöne Kammermusik


Label/Verlag: Supraphon
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Suk-Trio gehört zu den bedeutendsten Kammermusik-Ensembles des 20. Jahrhunderts. Die Einspielungen der Klaviertrios von Beethoven und Schubert aus den 60er Jahren wurden nun vom tschechischen Label Supraphon in brillanter Klangqualität neu aufgelegt.

Es war ein Konzert in Paris - das legendäre Trio um Jacques Thibaud, Alfred Cortot und Pablo Casals spielte und der tschechische Geiger Josef Suk saß im Publikum. Suk war so begeistert, dass er beschloss nun auch sein eigenes Trio zu gründen. Das war die Geburtsstunde eines legendären Trios...

Josef Suk – Starviolinist und Enkel Antonin Dvorák

Der Urenkel von Antonín Dvorák und Sohn des Komponisten Josef Suk galt bereits seit den 1940er Jahren als Wunderkind, studierte am Prager Konservatorium und konzertierte alsbald in Paris und Brüssel. Josef Suk (*1929) war und ist noch heute ein Weltbürger, seine musikalischen Zeitreisen führten ihn von Bach bis Berg, von solistischen Einspielungen bis zum Dirigieren und sogar zu gelegentlichen, bewundernswerten Gastauftritten als erstklassiger Bratscher (in Berlioz’ Harold in Italien unter Dietrich Fischer-Dieskau).

Stets hatte die Kammermusik jedoch einen ganz besonderen Stellenwert in seinem Leben und in erster Linie als großer Kammermusiker wird Josef Suk wohl auch der Musikgeschichte in Erinnerung bleiben.

Suk-Trio

Im Laufe der 40 Jahre währenden Geschichte des Suk-Trio kam es immer wieder zu verschiedenen personalen Veränderungen. Spricht man vom ‘legendären’ Suk-Trio, so meint man die Besetzung Suk – Panenka – Chuchro, die in den 60er Jahren auf der ganzen Welt für Furore sorgte. Eine spektakuläre Afrika-Tour 1957 und zahlreiche Auftritte in Brüssel, Paris, Deutschland, der Schweiz und Amerika sorgten alsbald dafür, dass das Trio auch außerhalb Prags international weltbekannt wurde.

Das tschechische Label Supraphon hat nun vier wahre Schätze aus dem Katalog des Trios neu veröffentlicht. Die originalen Mastertapes wurden aufwendig aufgearbeitet und so ist die Klangqualität für eine tschechische Aufnahme aus den frühen 60er Jahren erstaunlich gut. Neben den Beethoven Trios Nr. 3, 5 und 7 bietet vor allem die meisterhafte Interpretation des ersten Klaviertrios in B-Dur von Franz Schubert eine wunderbare Alternative zu den bekannteren Referenzaufnahmen.

Das Suk-Trio harmoniert durchweg sehr gut, was zunächst verwundern könnte, denn der individuelle Ansatz der drei Musiker ist jeweils äußerst unterschiedlich und durch scharfe Gegensätze in Klangfarbe, Agogik und Dynamik geprägt. Dennoch erklingen die Werke Beethovens und Schuberts am Ende als das, was sie sind: in sich geschlossene Kunstwerke. Gerade diese Fähigkeit eine je individuelle musikalische Sprache in einem kammermusikalischen Ensemble zusammen zu führen und gemeinsam zur Sprache zu bringen, gehört zu den großen Stärken des Trios und sorgt für spannende Interpretationen, die auch nach mehr als 40 Jahren nichts von ihrer Frische und Spielfreude verloren haben.

Josef Suk fühlt tief dem lyrisch-melodischen Anspruch der Werke nach, der von dem leidenschaftlichen Cellisten Josef Chuchro kongenial akzentuiert wird und im glasklaren Spiel des Pianisten Jan Panenka seine innere Balance findet. Panenka (1922-1999) überzeugt besonders mit seinem subtilen, stets exakt artikulierten Anschlag und einer feinen, jedoch eher zurückhaltenden Tonfarbgebung. Wenn Suk wie in Beethovens Largo assai ed espressivo zu einem ausdrucksstarken Cantabile ansetzt oder den bezaubernden Melodien in Schuberts Trio nachfühlt, kann man sich kaum eine bessere Interpretation vorstellen. Die lyrische Evidenz zu dem, was die Kammermusik Schuberts ausmacht, ist hier brillant verwirklicht und nach mehrmaligem Hören zutiefst berührend. Suk, der in den 60er Jahren auf der Stradivari ‘Composelice’ von Váša Príhoda spielen durfte, gibt dem zweiten Satz Andante, un poco mosso dann auch eine unvergessliche eigene Note, die man nicht mehr missen möchte. Besonders bei Schubert, aber auch bei Beethoven, gelingen immer wieder herrliche Momente schönster, zeitloser Kammermusik.

Sicher sind an manchen Stellen die Einspielungen stark dem Zeitgeist der ‘Prager Schule’ verhaftet und das Leidenschaftliche schlägt bisweilen ins übermäßig Pathetische über. Besonders Chuchros energische und intensiv akzentuierende Tongebung ist zwar nicht störend, aber doch Geschmackssache. Hier hat Leonard Rose im Trio mit Isaac Stern und Eugenin Istomin oder auch Bernard Greenhouse vom Beaux Arts Trio vielleicht ein adäquateres Maß gefunden, die Werke Beethovens und Schuberts zu interpretieren. Ein Urteil darüber sei auf diesem Niveau jedoch jedem Hörer selbst überlassen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Beethoven, Ludwig van: Klaviertrios op. 1 Nr. 3, op. 70 Nr. 1 & op. 97

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Supraphon
2
22.08.2008
Medium:
EAN:

CD
099925395926


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Supraphon

Supraphon Music ist das bedeutendste tschechische Musiklabel und besitzt bereits eine lange Geschichte. Der Name "Supraphon" (der ursprünglich ein elektrisches Grammophon bezeichnete, das zu seiner Zeit als Wunderwerk der Technik galt) wurde erstmals 1932 als Warenzeichen registriert. In den Nachkriegsjahren erschien bei diesem Label ein Großteil der für den Export bestimmten Aufnahmen, und Supraphon machte sich in den dreißiger und vierziger Jahren besonders um die Verbreitung von Schallplatten mit tschechischer klassischer Musik verdient. Die künstlerische Leitung des Labels baute allmählich einen umfangreichen Titelkatalog auf, der das Werk von BedYich Smetana, Antonín Dvorák und Leos Janácek in breiter Dimension erfasst, aber auch andere große Meister der tschechischen und der internationalen Musikszene nicht vernachlässigt. An der Entstehung dieses bemerkenswerten Katalogs, auf den Supraphon heute stolz zurückblickt, waren bedeutende in- und ausländische Solisten, Kammermusikensembles, Orchester und Dirigenten beteiligt.


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