> > > Alexandersson, Helmer: Sinfonie Nr. 2 in g-Moll
Samstag, 23. Januar 2021

Alexandersson, Helmer - Sinfonie Nr. 2 in g-Moll

Sinfonik eines schwedischen Kinokomponisten


Label/Verlag: Sterling
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Diese Einspielung stellt eine lobenswerte Pionierleistung auf dem Gebiet der schwedischen Sinfonik dar, doch ist die musikalische Substanz nicht immer so gehaltvoll, als dass die CD für eine breite Hörerschaft von Interesse sein dürfte.

Über den schwedischen Komponisten Helmer Alexandersson ist so gut wie nichts bekannt. Seine genauen Lebensumstände lassen sich kaum rekonstruieren, was umso mysteriöser ist, als dass er nicht vor 300 sondern vor gerade einmal knapp hundert Jahren gelebt hat. Geboren 1886, zählte Alexandersson zu einer besonders produktiven Generation junger schwedischer Tonsetzer. Er verdiente sein Geld als Geiger und Komponist im Stummfilm Orchester Röda Kvarn, für das er viele seiner Gelegenheitswerke schuf. Sein größter Erfolg dürfte seine Marsch-Ouvertüre von 1912 sein, die zur offiziellen Musik der Olympischen Spiele in Stockholm gewählt wurde. So war das Werk eines der wenigen Stücke, die zu Alexanderssons Lebzeiten im Konzertsaal aufgeführt und später gedruckt wurden. Sein anderer großer Erfolgt war die Sinfonie Nr.2 in g-Moll, welche 1923 erstmals erklang.

Das Uppsala Chamber Orchestra hat unter der Leitung des estnischem Dirigenten Paul Mägi diese g-Moll Sinfonie sowie eine Ouvertüre in c-Moll im Jahr 2006 bei einem Konzert neu eingespielt. Sie machen sich mit diesem Live-Mitschnitt um einen schwedischen Spätromantiker verdient, dessen Werke neben deutlichen skandinavischen Einflüssen auch von der zeitgenössischen deutschen Sinfonik sehr geprägt sind. So folgen Orchesterbehandlung und Themenentwicklung Vorbildern wie Bruckner und Stenhammar, wobei Alexandersson einen individuellen Schreibstil kultiviert, der sich durch eine eingetrübte Harmonik, dominante Streicher, schroffe Themen und einen Zug ins Pathetische auszeichnet.

Charakteristisch ist hierfür der Beginn der Ouvertüre, die sich nach einem fragenden Basssolo zu aggressiver Größe aufschaukelt. Mägi geht über diese Entwicklung recht schnell hinweg und mischt dadurch die vielen merkwürdig anmutenden Richtungswechsel der Partitur zu einem bunten Potpourri zusammen. Den burlesken Mittelteil führt er mit leichten Akzenten in eine majestätisch auftrumpfende Parade über, die von brillant klingenden Trompeten und reichlich Schlagwerk getragen wird.

Die Sinfonie Nr. 2 ist musikalisch etwas sperriger als die eingängige Ouvertüre. Sie ist von einem starken Dualismus zwischen den Blas- sowie den massiv auftretenden Schlaginstrumenten und den mit folkloristischen Motiven agierenden Streichern geprägt. Mägi setzt auf eine klare Trennung zwischen den einzelnen Gruppen und wählt einen hochdramatischen Duktus für das Werk. Im ersten Satz dominieren Trompeten und Querflöten den Gesamtklang, im leisen zweiten Satz treten dafür Englisch Horn und die Streicher in den Vordergrund. Zu den schwelgenden Kantilenen der Geigen fügt Mägi die Akkordblöcke der Bläser sehr schön zart und durchsichtig hinzu, auch wenn Alexanderssons Partitur auf Grund ihrer strukturellen Dichte kaum Freiräume lässt. Die reine Streicherbesetzung des dritten Satzes leitet Mägi mit tänzerischem Schwung. Da Alexandersson hier fast nur Pizzicato spielen lässt, wirkt der Satz äußerst raffiniert und kompositorisch einfallsreich. Das Finale vereinigt dann wieder das ganze große Sinfonieorchester. Mägis Interpretation betont das lebhafte Durcheinander der unterschiedlichen musikalischen Ideen, die sich von Minute zu Minute ändern. Den Abschluss bildet eine lange, etwas pompös aufgeblähte Orchestercoda, bei der die Pauken im Dauerwirbeleinsatz sind.

Die Einspielung der Kompositionen von Alexandersson stellt eine lobenswerte Pionierleistung auf dem Gebiet der schwedischen Sinfonik des 20. Jahrhunderts dar, doch ist die musikalische Substanz nicht immer so großartig, als dass die CD für eine breite Hörerschaft von Interesse sein dürfte.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Alexandersson, Helmer: Sinfonie Nr. 2 in g-Moll

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Sterling
1
29.09.2008
Medium:
EAN:

CD
7393338107620


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Sterling

Sterling is a record label specialising in orchestral music from the Romantic era, founded by Bo Hyttner. Most of the CDs released by Sterling contain previously unrecorded works. After setting out with Swedish romantics, Sterling is now spreading out towards the musical heritage of other European countries. In Sweden, the label is represented through CDA.



Additional to our series of Romantic orchestral classics, we release two more series:
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