> > > Timmy entdeckt die Oper: Ein Blick vor und hinter die Kulissen des Musiktheaters von und mit Andreas Haas
Samstag, 25. September 2021

Timmy entdeckt die Oper - Ein Blick vor und hinter die Kulissen des Musiktheaters von und mit Andreas Haas

Die Kinder bleiben hinter’m Ofen


Label/Verlag: ARS Produktion
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ob die CD es vermag, Kinder hinter’m Ofen vorzulocken und für Musiktheater zu begeistern, bleibt aber zu bezweifeln.

Wie kritisiert man etwas, das von seiner Intention her so gut, so wichtig ist? Das Gegenteil von gut ist bekanntlich gut gemeint. Das trifft leider auch auf das Hörspiel für Kinder ‘Timmy entdeckt die Oper’ von Andreas Haas zu. Die Absicht, die der Flötist und Musikpädagoge mit seiner neuen CD verfolgt - nämlich, Kinder für klassische Musik und in diesem Fall die Oper zu begeistern - ist mehr als lobenswert, wird diese Art von Frühförderung doch viel zu selten angeboten. Und doch kommt es auch immer darauf an, wie man so etwas verpackt...

Ohne in das in der Öffentlichkeit immerzu klingende Klagelied einfallen zu wollen, muss doch an dieser Stelle festgehalten werden, dass Kinder in der heutigen Zeit in der Art wie sie unterhalten werden wollen sehr anspruchsvoll (gemacht worden) sind. Kunstvoll animierte Filme und Fernsehserien und mit Soundeffekten aufgepeppte Hörspiele haben sie so wählerisch werden lassen. Somit muss sich ein Hörspiel, dessen Gegenstand etwas für die meisten Kinder (leider Gottes!) Uninteressantes wie klassische Musik und Oper ist, mit diesen Standards messen lassen. Und hierbei hat es ‘Timmy entdeckt die Oper’ doch hörbar schwer.

Schon die Gestaltung des Covers und Booklets lässt in diesem Fall Rückschlüsse auf das folgende Hörerlebnis zu – zu altbacken und angestaubt wirken die Zeichnungen. Mit freundlicher Stimme führt Andreas Haas seine Zuhörer in die folgende Geschichte ein. Timmy, der in zwei vorangegangenen CD-Produktionen bereits auf eine Zeitreise durch die Epochen der Musikgeschichte (‘Wie Timmy Lust auf Musik bekam’) und eine Tour durch das musikalische Europa (‘Timmy und die Musik in Europa’) geschickt worden war, ist diesmal von seinem Freund Philipp in die Oper eingeladen worden. Dort trifft er verschiedene Gestalten, unter anderem die Sänger mit den illustren Namen Wolfgang Wirsing und Enzo Carotto, welche ihm kleine musikalische Einführungen zu den Opern ‘Die Zauberflöte’, ‘Der Freischütz’ und ‘Hänsel und Gretel’ geben. Bei den darin enthaltenen Arien glänzt Andreas Haas wohl eher mit seinem außerordentlichen Flötenspiel als mit seinem Gesang. Problematisch ist hierbei außerdem, dass alle Musikbeispiele in der Besetzung Flöte mit Klavierbegleitung eingespielt wurden und somit der reale Eindruck einer Opernaufführung, bei der ja das Orchester eine nicht unwichtige Rolle spielt, nicht transportiert werden kann. Die Vorstellung der einzelnen Instrumentengruppen eines Orchesters würde hierbei schon genügen, um Kindern einen Einblick zu geben.

Insgesamt mehr Abwechslung und eine höhere Qualität durch den Einsatz professioneller Sänger und weiterer Sprecher würde diese Produktion ebenso um einiges aufwerten und für Kinderohren geeigneter machen. Darüber hinaus erhält der Zuhörer ebenso spärliche Informationen über die Abläufe in einem Musiktheaterbetrieb und die darin beschäftigten Menschen, wie über die verschiedenen Stimmfächer und ihre Besonderheiten. Nach rund einer Stunde Spielzeit hätte man gerne noch mehr gewusst über die Rolle des Orchesters, des Regisseurs, der Kostümbildner, des Dirigenten...

Eine kindgerechte Einführung in bekannte Opern zu geben, ist die eine, ein abwechslungsreiches Hörspiel mit spielerisch-pädagogischem Wert zu verfassen die andere Sache. Man möge sich an die CD-Produktionen des Österreichers Marko Simsa erinnern, die eine auf Kinder wie auch Erwachsene gleichsam mitreißende Wirkung zeigen und es gleichzeitig verstehen, musiktheoretisches und -historisches Wissen auf eine unverstaubte und somit begeisternde Art und Weise zu vermitteln. Geschickter wäre es bei vorliegender Produktion gewesen, sich auf die Einführung zu einer einzigen Oper zu beschränken und dafür Timmy einen noch genaueren und längeren Blick hinter die Kulissen des Musiktheaters werfen zu lassen.

Diese Geschichte wird von Andreas Haas, ebenso wie weitere Programme, auch als Ein-Mann-Show für Schulen und andere Gelegenheiten angeboten. In dieser unmittelbaren Form scheinen die Kinder – den Fotos auf der Homepage (www.klassik-für-kinder.de) nach zu urteilen – von Haas’ Geschichten begeistert. Ob die CD es vermag, Kinder hinter’m Ofen vorzulocken und für Musiktheater zu begeistern, bleibt aber zu bezweifeln.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Esther  Kraß Kritik von Esther Kraß,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Timmy entdeckt die Oper: Ein Blick vor und hinter die Kulissen des Musiktheaters von und mit Andreas Haas

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
ARS Produktion
1
01.10.2008
Medium:
EAN:

CD
4260052389089


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ARS Produktion

Das exquisite Klassiklabel ARS Produktion wurde 1987 von Annette Schumacher mit dem Ziel gegründet, jungen, aufstrebenden Künstlern und interessanten Programmen gleichermaßen eine individuelle musikalische Heimat und entsprechende Marktchancen, u.a. durch internationalen Vertrieb und Vermarktung zu geben. Die bei Paul Meisen ausgebildete Konzertflötistin hat sich damit nach langer aktiver Musikerlaufbahn einen geschäftlichen Traum erfüllt.
Für die hervorragende Aufnahmequalität der zahlreichen ARS Produktionen ist Manfred Schumacher, Tonmeister und Aufnahmeleiter, verantwortlich.
Spezifisch für das Label und die Haltung seiner Macher/in: stets wird u.a. den klanglichen Erfordernissen der jeweiligen Werke, Musikepochen und Instrumente in größtmöglicher Weise Rechnung getragen sowie im Übrigen die neueste, beste Technik eingesetzt.
Annette und Manfred Schumacher sind ?Überzeugungstäter?. Zwei Individualisten, die Kunst, Kommerz und Können geschickt vereinbaren.
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