> > > Peter Anders singt: Arien und Szenen von Donizetti, Gounod u.a
Samstag, 20. Juli 2019

Peter Anders singt - Arien und Szenen von Donizetti, Gounod u.a

Träumerische Verlorenheit


Label/Verlag: ARS Produktion
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die fünfte Folge der Serie ?Legenden des Gesanges? stellt Aufnahmen von Peter Anders zusammen, die der Tenor zwischen 1933 -1953 einspielte. Dank des makellosen Remasterings von Tonmeister Holger Siedler ist die CD auch für Kenner unentbehrlich.

Die fünfte Folge der Serie ‘Legenden des Gesanges’ lenkt den Blick auf einen der vielseitigsten Tenöre aus der Mitte des letzten Jahrhunderts. Peter Anders studierte im Berlin der Zwanzigerjahre bei Prof. Ernst Grenzebach, der unter anderem Max Lorenz, Lauritz Melchior und Elisabeth Schwarzkopf ausbildete. Über Heidelberg kam er nach Hamburg, Berlin und Wien. Anfang der 50er Jahre begann seine lyrische Tenorstimme härter und kraftvoller zu werden. Nun wandte er sich auch heldischen Partien zu. Doch Anders’ Karriere fand ein jähes Ende. 1954 starb er bei einem Autounfall.

Jens Uwe Völmecke hat Aufnahmen zusammengestellt, die Anders zwischen 1933 und 1953 einspielte. Eröffnet wird seine Sammlung durch ein wahres Glanzlicht: Die Arie ‘Im Mohrenland gefangen war’ aus ‘Die Entführung aus dem Serail (1935) ist ein sängerisches Juwel. Anders gestaltet mit edler Schlichtheit, endlosen Legatobögen, unprätentiösem Ausdruck sowie fundierter Technik und bleibt dabei so textverständlich, dass man das Libretto getrost zur Seite legen kann. Gleicher Befund in der ‘Konstanze’-Arie, die Anders schmeichelnd als träumerische Vision aufleuchten lässt.

Liedhafte Präzision

Wie auch die Arien aus ‘Don Giovanni’ (1935) auf deutsch, dafür aber mit viel Italianità in der Stimme geht Anders an die großen Tenorhits aus ‘Turandot’ (1933) und ‘Tosca’ (1937) heran. ‘Und es blitzten die Sterne’ (‘Tosca’) singt er mit liedhafter Präzision, verzichtet auf Schmalz und gewinnt dadurch an musikalischer Struktur und Ausdruck. Herrlich ist auch das Duett ‘Mit deinen Augen’ aus derselben Oper, das Anders 1938 mit der finnischen Sopranistin Aulikki Rautawaara aufnahm – ein Musterbeispiel für vollendet dramatischen Duettgesang. Auch das Verismo-Repertoire profitiert von diesen Qualitäten. In den beiden Arien aus Pagliacci (1939) setzt der Sänger nicht auf Überzeichnung, sondern auf Präzision und wird damit zum genauen Beobachter seiner Rolle.

Sängerischer Geschmack

Auf Italienisch nahm Anders 1942 Donizettis Arie ‘Una furtiva lagrima’ (‘Liebestrank’) auf. Für dieses berühmte Stück zieht der lyrische Tenor alle Asse aus dem Ärmel: Makellose Schwelltöne, geläufige Verzierungen, mozartisches Formgefühl und sängerischer Geschmack machen diese Arie zu einem Höhepunkt des Albums. ‘Gegrüßt sei mir, oh heil’ge Stätte’ aus Gounods Faust singt Anders zwar wieder auf deutsch, trifft den galanten französischen Ton aber dennoch genau. Im deutschen romantischen Repertoire ist Anders auf diesem Album als feinsinniger Stolzing (‘Meistersinger von Nürnberg’, 1953) und idealer Max zu hören. In ‘Nein, länger trag’ ich nicht die Qualen’ (‘Freischütz’, 1952) ist das Rezitativ genauestens durchdacht. Die Phrase ‘Hat denn der Himmel mich verlassen’ aus der folgenden Arie gestaltet er mit wenigen Mitteln zu einer geradezu existentiellen Wendung.

Jenseits der Internationalisierung

Völmecke zeigt Peter Anders als einen Sänger, der sich von Mozart ausgehend, ein breites Repertoire eroberte, ohne sich jemals zu überfordern oder seine tenorale Stimmfarbe aufzugeben. Er zeigt ihn auch als Interpreten, der jenseits der Internationalisierung der Nachkriegsjahre geographisch mühelos zu verorten und damit immer authentisch und unverwechselbar war: Über allem, was Anders sang, liegt träumerische Verlorenheit, tragische Melancholie. Damit reichen seine Portraits immer tiefer als jede Frage nach Technik oder Interpretation. Dieses Album ist eine wunderbare Gelegenheit, den Sänger in seiner ganzen Bandbreite kennenzulernen. Dank des makellosen Remasterings von Tonmeister Holger Siedler ist diese CD auch für Kenner unentbehrlich.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Peter Anders singt: Arien und Szenen von Donizetti, Gounod u.a

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
ARS Produktion
1
01.09.2008
Medium:
EAN:

CD
4260052387054


Cover vergössern

Donizetti, Gaetano
 - Aus ´Der Liebestrank´ - ´Una furtiva lagrima´
Gounod, Charles
 - Aus ´Margarethe´ - ´Gegrüßt sei mir, oh heil´ge Stätte´
Leoncavallo, Ruggero
 - Aus ´Der Bajazzo´ - ´Jetzt spielen´
 - Aus ´Der Bajazzo´ - ´Nein, bin Bajazzo nicht mehr´
Mozart, Wolfgang Amadeus
 - Aus ´Die Entführung aus dem Serail´ - ´Im Mohrenland gefangen war´
 - Aus ´Die Entführung aus dem Serail´ - ´Hier soll ich dich denn sehen´
 - Aus ´Die Entführung aus dem Serail´ - ´Konstanze, dich wiedersehn´
 - Aus ´Die Zauberflöte´ - ´Dies Bildnis ist bezaubernd schön´
 - Aus ´Don Giovanni´ - ´Nur ihrem Frieden´
 - Aus ´Don Giovanni´ - ´Folget der Heißgeliebten´
Puccini, Giacomo
 - Aus ´Turandot´ - ´O weine nicht, Liu´
 - Aus ´Turandot´ - ´Keiner schlafe´
 - Aus ´Tosca´ - ´Wie sich die Bilder gleichen´
 - Aus ´Tosca´ - Mit deinen Augen den wundersamen´
 - Aus ´Tosca´ - Und es blitzten die Sterne´
 - Aus ´Das Mädchen aus dem goldenen Westen´ - ´Lasset sie glauben, dass ich in die Welt zog´
Wagner, Richard
 - Aus ´Die Meistersinger von Nürnberg´ - ´Am stillen Herd´
 - Aus ´Die Meistersinger von Nürnberg´ - ´Preislied´ (Morgendlich leuchtend´)
Weber, Carl Maria von
 - Aus ´Der Freischütz´ - ´Nein, länger trag´ ich nicht die Qualen´


Cover vergössern

Orchester/Ensemble:Orchester des Deutschen Opernhauses Berl
Berliner Rundfunk-Sinfonie-Orchester
Württembergisches Staatsorchester
Interpret(en):Anders, Peter


Cover vergössern

ARS Produktion

Das exquisite Klassiklabel ARS Produktion wurde 1987 von Annette Schumacher mit dem Ziel gegründet, jungen, aufstrebenden Künstlern und interessanten Programmen gleichermaßen eine individuelle musikalische Heimat und entsprechende Marktchancen, u.a. durch internationalen Vertrieb und Vermarktung zu geben. Die bei Paul Meisen ausgebildete Konzertflötistin hat sich damit nach langer aktiver Musikerlaufbahn einen geschäftlichen Traum erfüllt.
Für die hervorragende Aufnahmequalität der zahlreichen ARS Produktionen ist Manfred Schumacher, Tonmeister und Aufnahmeleiter, verantwortlich.
Spezifisch für das Label und die Haltung seiner Macher/in: stets wird u.a. den klanglichen Erfordernissen der jeweiligen Werke, Musikepochen und Instrumente in größtmöglicher Weise Rechnung getragen sowie im Übrigen die neueste, beste Technik eingesetzt.
Annette und Manfred Schumacher sind ?Überzeugungstäter?. Zwei Individualisten, die Kunst, Kommerz und Können geschickt vereinbaren.
?Die SACD - Super Audio CD kombiniert die Präzision der digitalen Reproduktion mit der Wärme des analogen Klanges. Das hat uns überzeugt.?


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...

Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag ARS Produktion:

  • Zur Kritik... Akzentfrei Französisch: Aleksey Semenenko und Inna Firsova landen mit ihrem Debüt-Album einen Volltreffer. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
  • Zur Kritik... Feintönig: In der Musik Arthur Louriés erkundet Christian Erny vor allem die schattierten Zwischentöne. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Blick in die Zukunft: Die junge Pianistin Julia Rinderle zeigt auf ihrer zweiten CD-Einspielung den Willen, einfallsreich zu interpretieren, und offenbart zugleich, dass es noch Entwicklungspotenzial nach oben gibt. Weiter...
    (Daniel Eberhard, )
blättern

Alle Kritiken von ARS Produktion...

Weitere CD-Besprechungen von Miquel Cabruja:

  • Zur Kritik... Schönheit und symbolische Tiefe: Krzysztof Warlikowski verband in Paris Bartóks 'Herzog Blaubarts Burg' mit Poulencs Telefon-Oper 'La voix humaine'. Weiter...
    (Miquel Cabruja, )
  • Zur Kritik... Bis heute modern: Dieser 'Tribut in fünf Balletten' zeigt die russische Tänzerin Maya Plisetskaya in bedeutenden Rollen. Weiter...
    (Miquel Cabruja, )
  • Zur Kritik... Entschieden zu wenig: 2003 ließ sich die Opéra Garnier durch Edgar Degas' Plastik 'La petite danseuse de quatorze ans' zu einem Ballett inspirieren, das 2010 auf Film festgehalten wurde. Weiter...
    (Miquel Cabruja, )
blättern

Alle Kritiken von Miquel Cabruja...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Appetitanreger: Ivan Repusic und das Münchner Rundfunkorchester gratulieren Franz von Suppé mit einem Ouvertüren-Bouquet zum 200. Geburtstag. Weiter...
    (Karin Coper, )
  • Zur Kritik... Inspiriert: Das United Continuo Ensemble befreit Johann Erasmus Kindermann gemeinsam mit Ina Siedlaczek und Jan Kobow aus seinem Schicksal einer bloß historischen oder papierenen Größe: inspirierte Musik, köstlich gesungen und gespielt. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Musik aus Andalusien: Das Orquestra Baroca Sevilla bringt eine CD mit Trauermusik aus dem Andalusien des 18. Jahrhunderts heraus. Weiter...
    (Anneke Link, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (7/2019) herunterladen (2731 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Johann Wilhelm Wilms: Piano Quartet op. 30 in F major - Allegro

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Christian Euler im Portrait "Melancholie ist die höchste Form des Cantabile"
Bratschist Christian Euler im Gespräch mit klassik.com über seine Lehrer, seine neueste SACD und seine künstlerische Partnerschaft zum Pianisten Paul Rivinius.

weiter...
Alle Interviews...


Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich