> > > Mozart, Wolfgang Amadeus: Konzerte für Flöte und Orchester KV 313 & 314
Donnerstag, 24. September 2020

Mozart, Wolfgang Amadeus - Konzerte für Flöte und Orchester KV 313 & 314

Mozart auf plumpen Füssen


Label/Verlag: Bella Musica
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Interpretation stellt die Flötenkonzerte Mozarts in ein völlig falsches Licht, denn durch Ukigayas erstaunlich schlechte Flötentechnik fehlt die charakteristische Leichtfüßigkeit bei Mozart.

Mozart, Mozart und immer wieder Mozart. Auch wenn er sich dem Instrument Flöte weniger widmete, ob aus Abneigung gegenüber dem Flötenklang oder wegen fehlender guter Interpreten, so komponierte Mozart doch zwei wunderschöne und zugleich virtuose Flötenkonzerte. Während das G-Dur-Konzert alle Lagen der Flöte voll beansprucht, arbeitet Mozart schon im ersten Satz des Konzerts in D-Dur raffiniert mit der klassischen Sonatenhauptsatzform, wo die Flöte gewissermaßen schleichend mit einem Lauf und einem außergewöhnlich langen Halteton eingeführt wird. Der Komponist lotete vor bereits über 200 Jahren die spieltechnischen Möglichkeiten der Flöte enorm aus. Mozarts Themenvielfalt erfordert ständige Ausdruckswechsel, mal unbekümmert heiter und im nächsten Takt expressiv und kantabel. Mit etwas Einfühlungsvermögen sollte es keinem professionellen Flötisten schwer fallen, diese Aufgabe zu meistern, wie die Anzahl erfolgreicher CDs mit Mozart‘schen Flötenkonzerten bestätigt.

Spannend ist es, wenn sich eine Japanerin wie Junko Ukigaya an die beiden Konzerte sowie das Rondo in D-Dur und das Andante in C-Dur begibt. Die Asiatin hat das Flötenspiel in ihrem Heimatland begonnen und dort studiert, bis sie 1978 in Deutschland einen Platz in der Akademie der Berliner Philharmoniker erhielt. Den asiatischen Flötisten wird im Allgemeinen eine hohe Fingerfertigkeit und Flexibilität im Flötenansatz zugesprochen. Die vorliegende Aufnahme des Labels Bella Musica enttarnt dies jedoch als plakativen Stereotyp. Ukigaya interpretiert nicht die Leichtfüßigkeit der spielerisch-majestätischen Konzerte. Mozart muss es wohl bei seinen Kompositionen im Schuh gedrückt haben; diesen Schluss legt zumindest das Flötenspiel Ukigayas nahe. Jeder neue Phrasenbeginn ist ein Kraftakt, plump werden die Themen besonders der langsameren Sätze zu Ende geführt. Es fehlt an allen Ecken und Enden an Eleganz, um die sich das Brandenburgische Staatsorchester Frankfurt unter Leitung des Ehemannes der Solistin Takao Ukigaya so bemüht.

Auch wenn die erlernte japanische Flötentechnik sich ein wenig von der deutschen Flötenschule unterscheiden mag, so rechtfertigt diese keinesfalls weder Atmungen inmitten von Phrasen, noch das unruhige Kehlkopf- oder auch ‘Mecker’- Vibrato, welches Ukigaya selbst in den langsamen Mittelsätzen der Konzerte nicht einstellt. Die hohen Töne im zweiten Satz des G-Dur Konzertes erfordern eine hohe Bauchspannung und zugleich einen lockeren Blasansatz. Besonders in den hohen Regionen der Flöte scheint nicht Ukigayas Stärke zu liegen, denn sie bläst jedem Ton mit verbissener Anstrengung jeglichen Hauch an Zartheit aus. Verbissen wirken auch die schnellen Tonfolgen durch überdeutliche Artikulation bei gleichzeitig fehlender Kontrolle und Schnelligkeit der Zunge.

Einzig im Andante scheint sich die Flötistin wieder gefangen zu haben. Zumindest hier deutet sie Einfühlungsvermögen an. Dennoch mangelt es an einer stimmungsvollen Atmosphäre. Gefühlvoll wird ihre Spielweise in der Kadenz zum ersten Satz des G-Dur-Konzertes. Durch das langsame Spiel erscheint diese aber als viel zu lang und völlig unpassend für einen lebhaften Anfangssatz. Am Ende ist es wirklich schade für das souveräne Frankfurter Orchester, dass die erste gemeinsame Aufnahme des Ehepaars Ukigaya musikalisch so wenig gelungen ist.  

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Marion  Beyer Kritik von Marion Beyer,


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Mozart, Wolfgang Amadeus: Konzerte für Flöte und Orchester KV 313 & 314

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Bella Musica
1
13.06.2008
Medium:
EAN:

CD
4014513023650


Cover vergössern

Bella Musica

BELLA MUSICA EDITION JÜRGEN RINSCHLER ist eine der ältesten unabhängigen Musik- und Hörspiel-Produktionsfirmen in Deutschland sowie Record-Company und Verlag. Wir bieten Tausende von Titeln aus allen Bereichen der Musik: Klassik ? Jazz ? Oldies ? Schlager - Deutsche Volksmusik ? Internationale Volksmusik - Country- und World-Musik sowie Märchen ? Kinderhörspiele und ?lieder.

Zu BELLA MUSICA gehören auch die Label ANTES EDITION und THOROFON. Diese drei Label gewährleisten die große Vielfalt mit unterschiedlichen Ausrichtungen und Schwerpunkten.

Auf dieser Website finden Sie eine Auswahl aus dem Klassik-Katalog. Blättern Sie mit Freude darin.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...

Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Bella Musica:

  • Zur Kritik... Sensuell und kraftvoll: Die Violinkonzerte von Fritz Leitermeyer und Dieter Acker sind zentrale Beiträge zur Ferenc-Kiss-Diskografie. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Busoni im Zentrum: Manfred Reuthes Klavierrecital bietet Kompositionen unterschiedlicher Epochen mit unterschiedlicher interpretatorischer Sicherheit. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Aus der Talentschmiede: Neben zwei Klassikern des Repertoires für Violine und Orchester bietet die Präsentations-CD der beiden Baden-Badener Lions Club-Preisträger des Jahres 2009 das äußerst reizvolle Divertimento Concertante von Nino Rota. Weiter...
    (Simon Haasis, )
blättern

Alle Kritiken von Bella Musica...

Weitere CD-Besprechungen von Marion Beyer:

  • Zur Kritik... Inspiration und Prävention: Dieses Grundlagenwerk richtet sich an alle, die praktisch mit Musik zu tun haben. Trotz des breit adressierten Zielpublikums geht es in angemessener Weise in die Tiefe. Der Abschnitt mit praktischen Übungen könnte allerdings umfangreicher sein. Weiter...
    (Marion Beyer, )
  • Zur Kritik... Wiederbelebte Gattung der Opernfantasie: Die vorliegende Aufnahme ist ein schöner Beitrag zur immer mehr vergessen Gattung der Opernfantasie, deren Zweck als Erinnerung an Opern und ihre Melodien in Zeiten der ständigen Abrufbarkeit von Medien hinfällig ist. Weiter...
    (Marion Beyer, )
  • Zur Kritik... Mädchenhaftes Sein und Fühlen: Packende, mitreißende Interpretationen von Liedern Hugo Wolfs und Richard Strauss' und seltenes Repertoire mit Kompositionen von Ludwig Thuille sorgen für ein genussvolles, spannendes Hörerlebnis. Weiter...
    (Marion Beyer, )
blättern

Alle Kritiken von Marion Beyer...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Zunehmende Kompaktheit: Diese zweite cpo-Veröffentlichung mit Musik des Holländers Leopold van der Pals zeigt vor allem anhand dreier konzertanter Werke die erstaunliche Entwicklung seiner Tonsprache. Weiter...
    (Dr. Michael Loos, )
  • Zur Kritik... Faszinierende Klangfarben: Christian Thielemann und die Staatskapelle Dresden überzeugen mit Werken von Richard Strauss. Weiter...
    (Michael Pitz-Grewenig, )
  • Zur Kritik... Glanzvoll: Cinquecento mit Renaissancerepertoire der Habsburgerhöfe: Es ist auch auf dieser Platte mit Musik von Johannes de Cleve das pure Vergnügen, den fünf Vokalisten zuzuhören. Repertoireabeit kann glanzvoll sein. Cinquecento beweist es. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Jupiter

Anzeige

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (9/2020) herunterladen (3402 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Carl Heinrich Graun: Polydorus

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich