> > > Wiener Melange. Lieder und Texte rund um das Wiener Kaffeehaus: Werke von Weigel, Weinheber u.a
Sonntag, 29. Mai 2022

Wiener Melange. Lieder und Texte rund um das Wiener Kaffeehaus - Werke von Weigel, Weinheber u.a

Das Kaffeehaus als Wille und Vorstellung


Label/Verlag: Musicaphon
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Sie ist ein angenehm schrulliges Original unter den Neuerscheinungen dieser Saison, weitab vom Neujahrskonzert-Mainstream. Jedem 'Wiener' von Geburt oder im Geiste sei „Wiener Melange“ wärmstens empfohlen.

Musicaphon hat Franziska Vondru, der österreichischen Diseuse und Vortragskünstlerin, Absolventin der Musikuniversität Wien im Fach Gesang, mehrere Alben gewidmet. Nach Joaquin Rodrigo und Vagantenliedern ist Vondrus Heimatstadt Wien an der Reihe. Unter dem Titel 'Wiener Melange' wird eine eben solche, aus Feuilletons und Liedern zwischen Hans Weigel und Gerhard Bronner gemischt, zum Besten gegeben. Wer glaubte, über die Vielfalt der Ausdrucksformen des Wiener Schmähs und Kabaretts im Bilde zu sein, wird eines Besseren belehrt: Franziska Vondru hat eine aparte Nummernrevue zusammengestellt, die manche Rarität enthält. Nicht viele werden mit Trude Marziks „Kaffee“, Manfred Chobots „Waunst in Wean“, Hans Eidherrs „Kaffee-Spezial“, Erich Meders „Wiener Bonbonniere“ oder Joseph Weinhebers „Kaffeehauspositur“ vertraut sein. Hans Weigels Essai übers „Kaffeehaus als Wille und Vorstellung“ gehört gewiss zu bekannteren Titeln.

Bei allem gebührenden Respekt vor dem aparten, süffigen Vortrag der Vondru – der 'Star' dieser Aufnahmen ist ihr Begleiter: Otto Honeck ist „Solorepetitor mit Dirigierverpflichtung“ an der Frankfurter Oper, gewiss kein global player des Musikbetriebs, und sein Klavier ist durchaus nicht von edlem Geblüt. Es klingt eher häuslich-intim als konzertreif, etwas scheppernd und stumpf – man könnte, mit einigem Wohlwollen, sagen: nach Vorstadt-Café oder „Wiener Melange“, passenderweise. (Ein Gleiches gilt für den suboptimalen Registerausgleich und etwas chargierenden Vortragstil der Vondru.) Aber Honecks beseligend-unsentimentales Rubato macht solcherlei 'Mängel' mühelos wett: Selten sind Pausen so klangvoll gewesen, selten wurde so kunstvoll – gezögert. Otto Honeck erweist sich als Meister der höheren Schlamperei, artististisch-durchgeistigter Nachlässigkeit.

Franziska Vondru selbst hat den Begleittext verfasst, der manche kuriose Episoden zur Kenntnis bringt. Er ist bestens geeignet, das geistvoll-verquere Erscheinungsbild dieser CD abzurunden: „Friedrich Torberg [...] erzählt von einem Kellner des ehemaligen Kaffee Herrenhof, dass dieser sogar eine Lackierer-Farbskala mit 20 nummerierten Schattierungen von Braun bei sich trug, und angeblich Bestellungen oder Beschwerden unter Angabe dieser Nummern vornahm.“

Mit einem Wort: Diese Platte ist mit Kenntnis und Liebe gemacht. (Wenngleich sie nur vierzig Minuten „Lieder und Texte rund um das Wiener Kaffeehaus“ enthält.) Sie ist ein angenehm schrulliges Original unter den Neuerscheinungen dieser Saison, weitab vom Neujahrskonzert-Mainstream. Jedem 'Wiener' von Geburt oder im Geiste sei „Wiener Melange“ wärmstens anempfohlen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Wiener Melange. Lieder und Texte rund um das Wiener Kaffeehaus: Werke von Weigel, Weinheber u.a

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Musicaphon
1
24.06.2008
38:57
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
4012476569079
M 56907


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"Hans Weigel stellt in seinem Aufsatz „Das Kaffeehaus als Wille und Vorstellung“ fest, dass es zwar viele Lieder über den Wein, aber wenige über den Kaffee gäbe. Das mag wohl stimmen, aber es gibt zumindest etliche Lieder über Institution des Wiener Kaffeehauses, und einige davon sind auf dieser CD zu hören. Verbunden mit Texten von Weinheber, Altenberg, Chobot, Torberg, Kraus, Weigel und Marzik entwirft Franziska Vondru ein faszinierendes Bild einer Ur-Wiener Institution. Da kann man wirklich ein wenig Appetit bekommen und wie Trude Marzik in ihrem Gedicht über den Kaffee feststellen: „Jetzt hab I direkt an Gusto drauf kriagt...“"


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Musicaphon

Ende der 50er Jahre gründete Karl Merseburger, Inhaber des Tonkunstverlages in Darmstadt, das Label CANTATE. Etwa zur gleichen Zeit rief Karl Vötterle (Bärenreiter-Verlag) in Kassel MUSICAPHON ins Leben. In beiden Fällen sollte vorrangig das jeweilige Verlagsprogramm auf Tonträgern dokumentiert werden. Nachdem Merseburger den Tonkunstverlag 1963 aufgeben mußte, übernahm Bärenreiter das Label CANTATE und führte beide gemeinsam unter dem Dach der 1965 gegründeten Vertriebsfirma "Vereinigte Schallplattenvertriebsgesellschaft Disco-Center" fort. Auf beiden Labels erschienen in den 60er und 70er Jahren bedeutende Aufnahmen. Besondere Schwerpunkte setzte Wilhelm Ehmann, Leiter der Westfälischen Kantorei in Herford, mit seinen historischer Aufführungspraxis verpflichteten Interpretationen der Werke von Heinrich Schütz. Bach-Kantaten wurden von Helmuth Rilling mit der Gächinger Kantorei und dem Figuralchor der Gedächtniskirche Stuttgart eingespielt. MUSICAPHON gewann daneben Profil mit der Veröffentlichung musikethnologischer Aufnahmen, herausgegeben von der UNESCO (Musik des Orients und Musik Afrikas) bzw. vom musikwissenschaftlichen Institut der Universität Basel (Musik Ozeaniens und Musik Südostasiens). 1994 erwarb der Musikwissenschaftler Dr. Rainer Kahleyss (Kassel) die Label, 1996 auch die Vertriebsfirma von Bärenreiter, die jetzt als "Klassik Center Kassel" firmiert. Seitdem werden auf CANTATE geistliche Musik, auf MUSICAPHON weltliche Musik vom Frühbarock bis zur Gegenwart veröffentlicht. Auch für die Rezeptionsgeschichte bedeutsame Aufnahmen der Altkataloge werden sukzessive auf CD umgestellt.


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