> > > Sammartini, Giovanni Battista: Sämtliche frühe Sinfonien für Streichorchester
Donnerstag, 8. Dezember 2022

Sammartini, Giovanni Battista - Sämtliche frühe Sinfonien für Streichorchester

Frühwerke eines bedeutenden Sinfonikers


Label/Verlag: NEI - Nuova Era Internazionale
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Bei Nuova Era erscheint eine 3-CD-Edition mit insgesamt 20 frühen Sinfonien Giovanni Battista Sammartinis, deren Interpretation durch ‚I Giovani di Nuova Cameristica’ jedoch nicht so recht überzeugt.

Es ist wirklich einmal höchste Zeit geworden: Das Label Nuova Era legt eine aus drei CDs bestehende Edition mit den frühen Sinfonien Giovanni Battista Sammartinis für Streicher vor und füllt damit eine empfindliche Lücke im Bereich des 18. Jahrhunderts. Ein Blick auf das Produktionsjahr zeigt allerdings, dass die Aufnahme bereits 1994 entstanden ist, mittlerweile also 14 Jahre auf dem Buckel hat. Und das lässt sich leider auch nicht überhören: Die Qualität des Streichorchesters ‚I Giovani di Nuova Cameristica’ (zu deutsch: ‚Die jungen Kammermusiker’) – laut Booklet von ‚professioneller Reife auf hohem Niveau’ geprägt – leidet erstens unter einer nachlässigen Koordination der Einzelstimmen untereinander. Dass das Ensemble von einem Dirigenten (Daniele Ferrari) geleitet wird, scheint angesichts der Wahrnehmung vieler Details kaum glaubhaft, da es gelegentlich so klingt, als würden die Musiker einem Konzertmeister nachziehen, der den Takt vorgibt.

Zweitens ist es auch mit der Klangkultur der ‚Jungen Kammermusiker’ nicht allzu perfekt bestellt, denn die einzelnen Mitglieder innerhalb der Stimmen spielen (und dies wird vor allem in den langsamen Sätzen mit ihren ausgedehnten Melodiebögen deutlich) bisweilen eher uneinheitlich, hörbar etwa im kurzen Largo der Sinfonia D-Dur J-C 14. Bei raschen Sätzen wie etwa im Kopfsatz aus der Sinfonie A-Dur J-C 88 nutzen die Musiker kaum den gegebenen gestalterischen Spielraum aus, gerade sequenzierende Passagen oder die Wiederholung von Phrasen sind hier wenig abwechslungsreich dargestellt. Die Schlusssätze wirken darüber hinaus trotz häufig eingesetzter tänzerischer Elemente meist steif und ungelenk, da es hier am überzeugenden Einsatz von Taktschwerpunkten und Artikulation fehlt (etwa im Presto aus C-Dur-Sinfonia J-C 7) oder federnde Tonrepetitionen zu breit angegangen werden.

In den langsamen Sätzen lassen sich hingegen einige weiter reichende Bemühungen erkennen, so die Wiederholung von Formteilen ohne Cembalo und mit gezupftem Bass im ‚Andante sempre piano’ der Sinfonia A-Dur J-C 88 oder die kantablen Zeichnung des ‚Affettuoso’-Satzes aus der Sinfonia B-Dur J-C 66B. Doch bleiben die vielen Möglichkeiten, die Affektsprache der Musik stärker auszukosten, so gut wie unberücksichtigt. Bedauerlich ist dies insofern, als diese Sätze häufig das Kernstück der jeweiligen Sinfonien darstellen, an dem sich die Stimmung der rascheren Eckteile bricht. Passagen wie die Verzahnung einander korrespondierender Motive im langsamen Satz der Sinfonie F-Dur J-C 38 oder die imitatorischen Elemente in der Sinfonie C-Dur J-C 7 wirken zudem – auch bedingt durch einen räumlich kaum gestaffelten Klang – in der Darstellung wenig profiliert.

Insgesamt werden die Eigenarten der einzelnen Kompositionen zu wenig beachtet. Die eingespielten Werke vermitteln daher vielfach den Anschein von Austauschbarkeit, was ihnen jedoch nicht gerecht wird. Von der differenzierten Gestaltung, die heutige Ensembles in aktuellen Aufnahmen der Musik Sammartinis angedeihen lassen – für mich vorbildhaft ist die gerade begonnene Einspielung der späten Sinfonien durch die Accademia d’Arcadia unter Alessandra Rossi Lürig (Brilliant Classics, 2008) –, ist dies alles doch ein ganzes Stück entfernt. Ein großes Lob verdient allerdings der 13 Seiten umfassende Booklettext, der auf vorbildliche Weise und mit Blick auf viele Details deutlich macht, worin die kompositorischen Leistungen Sammartinis bestehen. Warum nach dieser Sorgfalt die Spieldauern der Tracks im CD Booklet zum Teil völlig falsch angegeben sind, bleibt wiederum unverständlich.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Sammartini, Giovanni Battista: Sämtliche frühe Sinfonien für Streichorchester

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
NEI - Nuova Era Internazionale
3
13.08.2008
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
4011222319968
231996


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"Als „Vater der Sinfonie“ wird der Mailänder Komponist Giovanni Battista Sammartini bezeichnet. Seine Sinfonien stehen zwischen Barock und reiner Klassik, mit den verschiedensten Zwischennuancen und gekonnten Mixes - das macht diese Stücke zu besonderen Kostbarkeiten. Insgesamt 69 Sinfonien komponierte er bis zu seinem Tod 1775. Ein Drittel davon ist auf dem ansprechend gestalteten 3-CD-Set zu hören, das nun im Juni 2008 erscheint. Es handelt sich um die erste weltweite Gesamteinspielung der frühen Sinfonien Sammartinis für Streichorchester aus dem Jahr 1994. Aufgenommen wurden die Stücke von dem jungen Ensemble „I Giovani di Nuova Cameristica“, das sich aus dem renommierten Ensemble „Nuova Cameristica“ entwickelte, unter der Leitung von Daniele Ferrari. Am Cembalo spielt der Mailänder Organist Riccardo Villani."


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20 Jahre Aufnahmeerfahrung: Opern, Vokalwerke, Sinfonische Werke, Frühe- und Barockmusik, NUOVA ERA ist zu einem der Eckpfeiler in der Welt der Tonträgerindustrie geworden, beständig auf der Suche nach den Werken mit hohem Repertoirewert und der besten Preis/Leistungsrelation.
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