> > > Mercadante, Saverio: Caritea, regina di Spagna
Freitag, 7. Oktober 2022

Mercadante, Saverio - Caritea, regina di Spagna

Ein Höhepunkt des italienischen Belcanto


Label/Verlag: NEI - Nuova Era Internazionale
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Mercadantes vergessene ‘Caritea’ ist ein Höhepunkt des italienischen Belcanto und liegt nun erneut in einem durch seine Leidenschaft und Frische mitreißendem Mitschnitt aus Martina Franca vor.

Gemeinsam mit Vincenzo Bellini und Gaetano Donizetti galt Saverio Mercadante (1795-1870) den Zeitgenossen als bedeutendster Opernkomponist seiner Zeit. Es sind die Jahre der Blüte des italienischen Belcanto, die Jahre zwischen den großen Erfolgen Rossinis und Verdis, die er mit weit über 50 Opern vor allem auf den italienischen Bühnen mitprägt.

Mercadantes melodramma in 2 atti ‘Caritea, regina di Spagna, ossia La morte di Don Alfonso re di Portogallo‘, 1826 am traditionsreichen Teatro la Fenice in Venedig erfolgreich uraufgeführt, fällt obwohl bereits zwei Dutzend Opern vorausgegangen sind, in die Frühphase seines Schaffens. Mercadante steht am Anfang seines dritten Lebensjahrzehnts, sein Ruhm wird ihn bald für mehrere Jahre nach Spanien führen, bevor er nach Italien zurückkehren wird und wichtige Posten in Novara und schließlich ab 1840 als Direktor des königlichen Konservatoriums in Neapel bekleiden wird.

Formal und dramaturgisch markiert Mercadantes ‘Caritea’ die letzen Ausläufer der Barockoper, musikalisch die Glanzzeit des Belcanto. Hierin und mit der daraus resultierenden Spieldauer von knapp drei Stunden ist sie mit Rossinis nur drei Jahre zuvor uraufgeführten ‘Semiramide’ verwandt. Der Erfolg scheint groß gewesen zu sein, alle wichtigen Theater spielen das Werk erfolgreich nach.

Erst Mitte der 1990er Jahre hat man sich des einstigen Erfolgsstückes wieder erinnert und anlässlich des 200. Geburtstages Mercadantes im Juli 1995 beim Festival della Valle d’Itria in Martina Franca wieder auf die Bühne gebracht. Der Mitschnitt von damals ist nun wieder aufgelegt und mit einem ausführlichen Booklet versehen worden. (dem leider eine deutsche Übersetzung des Librettos fehlt).

Mercadantes große Oper um die Königin von Spanien, die laut Testament ihres verstorbenen Vaters einen Ehemann suchen und einen Thronfolger gebären muss und sich im Laufe einiger Verwicklungen und Krieghandlungen für just denjenigen als Gatten entscheidet, der einst in einem Duell ihren Geliebten tötete, ist eine lohnende Ausgrabung. Und die Aufführung in Martina Franca ein Belcanto-Fest, auch wenn den jungen Solisten nicht alles hundertprozentig gelingt. Doch der dramatische Sog, den sie zu entwickeln wissen, der Melodiefluss und der Spannungsreichtum der Partitur, die farbigen Ensembleszenen und die effektvolle Instrumentation Mercadantes, all dies nimmt für das Werk ein. Die Partitur steht tatsächlich auf einer Höhe mit vergleichbaren Opern Donizettis oder Rossinis.

Ein Plädoyer aus Martina Franca

 

Die jungen Sänger überzeugen mit Frische, Einsatz und Professionalität, ohne dass sich jemand in den Vordergrund drängen würde. Für den polnischen Sänger Jacek Laszczkowski, hier noch in Tenorlage (später sollte er ins Countertenorfach wechseln) markiert die Aufführung, bei der er kurzfristig für einen erkrankten Kollegen einsprang, einen wichtigen Schritt seiner internationalen Karriere (2003 wählte ihn die Zeitschrift ‘Opernwelt’ zum Sänger des Jahres). Mit klar geführtem, nur gelegentlich von zarter Brüchigkeit geprägtem Tenor bewältigt er die anspruchsvollen Koloraturen der Partie ebenso, wie die lyrischen Passagen und dramatischen Ausbrüche.

Die leider kaum bekannte Nana Goradze überzeugt in der Titelrolle mit Hingabe und ausgeglichenem Sopran, weiß voller Intensität und Beweglichkeit die tragische Entwicklung des Charakters nachzuzeichnen. Auch Sonia Lee, ebenfalls eine Einspringerin in dieser Aufführung, kann mit jugendlicher Leidenschaft punkten und mit ihrem Mezzosopran der Hosenrolle des Don Diego Profil verleihen. Nicolas Rivenq schließlich bewältigt die weitgreifende Tessitura des Don Fernando bravourös und beweist auch stilistische Kompetenz. Giuliano Carella sorgt vom Pult aus akzentreich für mitreißende, klug gesteigerte Ensembles und prachtvolle Melodieentfaltung, ist den jungen Sängern ein zuverlässiger Begleiter und der Partitur Mercadantes ein überzeugender Anwalt.

Mercadantes ‘Caritea’, das vermag diese Aufnahme überzeugend zu vermitteln, hätte es verdient neben den inzwischen zahlreich die europäischen Bühnen bevölkernden Opernausgrabungen von Werken Donizettis, Rossinis und Bellinis zu stehen. Mercadantes ‘Caritea’ ist in jeder Beziehung große italienische Oper.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Uwe  Schneider Kritik von Uwe Schneider,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Mercadante, Saverio: Caritea, regina di Spagna

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
NEI - Nuova Era Internazionale
3
13.08.2008
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
4011222319975
231997


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"Caritea, die Königin von Spanien ist die Protagonistin der gleichnamigen Oper von Saverio Mercadante, die 1826 uraufgeführt wurde. 1995 wurde das Werk erstmals für CD aufgenommen - weltweit. Diese Einspielung erscheint jetzt in einer attraktiv gestalteten 3-CD-Edition! Es singen und spielen der Kammerchor Bratislava und das Orchestra Internazionale d‘Italia Opera unter der Leitung von Giuliano Carella. „Donna Caritea“, wie die Oper liebevoll genannt wurde, war von Anfang an ein großer Publikumserfolg, der in einem Atemzug mit den damaligen zeitgenössischen Opern „Otello“ (1816) und „Semiramide“ (1823) von Rossini genannt wurde. Die Handlung ist klar, linear, dramatisch und herzergreifend - am Ende siegt die Liebe."


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NEI - Nuova Era Internazionale

20 Jahre Aufnahmeerfahrung: Opern, Vokalwerke, Sinfonische Werke, Frühe- und Barockmusik, NUOVA ERA ist zu einem der Eckpfeiler in der Welt der Tonträgerindustrie geworden, beständig auf der Suche nach den Werken mit hohem Repertoirewert und der besten Preis/Leistungsrelation.
Die große Familie NUOVA ERAs diskografischer Serien umfaßt Labels wie "Ancient Music", der Frühen- und Barockmusik gewidmet, "Icarus", gewidmet Moderner und Zeitgenössischer Musik, sowie eine Riesenauswahl primär Italienischer Opernproduktionen, die nun ergänzt wird durch die, in Kooperation mit Radio della Svizzera Italiana produzierten Alben "Italian Vocal Art - Edwin Loehrer Edition" mit den faszinierendsten Aufnahmen eines der außergewöhnlichsten Rundfunkarchive.
NUOVA ERA ist Italiens Antwort auf die großen musikalischen Fragen des beginnenden Jahrtausends.


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