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Dienstag, 18. Juni 2019

Mantovani, Bruno - Le Sette Chiese

Klangtopographien


Label/Verlag: Kairos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Bruno Mantovanis Musik ist reich an Beziehungen zu anderen Künsten und leugnet nicht ihren Ursprung in der Welt. Die authentischen Interpretationen des EIC sorgen dabei für perfekt abgerundete Klangbilder.

Dass Architektur ihre Spuren in der Musik hinterlässt, kennen wir nicht erst seit der Renaissance, als Guillaume Dufay dem Dom in Florenz mit seiner Motette Nuper rosarum flores ein klingendes Denkmal gesetzt hat und seine baulichen Strukturen und Proportionen in Harmonien umgesetzt hat. Auch die Gesänge der Gregorianik waren auf ihre Art und Weise Raummusik, die den Nachhall einkalkulierten, die in ihrer sich empor schraubenden Einstimmigkeit den Bögen der Sakralbauten folgten. Auch heute noch lassen sich Komponisten von architektonischen Innovationen beeinflussen, man denke an die Voids aus Daniel Libeskinds Jüdischem Museum, die nicht nur in einem Werk der jüngeren Musikgeschichte ihre Spuren hinterlassen haben.

Der französische Komponist Bruno Mantovani hat sich hingegen wieder auf alte Bauwerke besonnen, ohne jedoch in monumentalen musikalischen Traditionalismus zu verfallen. Sein vierzigminütiges Ensemblewerk Le Sette Chiese’ ist dem architektonischen Gesamtkomplex der Sieben Kirchen in Bologna gewidmet, ein über Jahrhunderte entstandenes Gebäude, das aus verschiedenen, in sich verschachtelten Einzelteilen zu einem komplexen Raum zusammengewachsen ist. Zusammen mit zwei anderen Ensemblestücken Mantovanis ist ‘Le Sette Chiese’ in einer Aufnahme des Ensemble Intercontemporain bei Kairos erschienen.

Bruno Mantovani gehört zu den Komponisten, die rastlos mit offenen Augen die Eindrücke der Außenwelt in ihr Innerstes integrieren. Sein musikalischer Gang durch die Sieben Kirchen kündet denn auch von den unterschiedlichsten Einflüssen. Architektonische Strukturen werden in Klänge übertragen, optische Einflüsse wie Licht und Schatten finden ihre akustische Entsprechung in klanglichen Phänomenen. Auch Symbolisches und Geschichtliches finden ihren Eingang in die musikalische Sprache Mantovanis, und zugleich mischen sich Alltagsgeräusche in die Ortsbeschreibung – es zeigt sich, dass diese Musik fest im Hier und Jetzt verwurzelt ist, und die Zeitlosigkeit der Architektur betont, anstatt den Hörer auf eine Reise in die Vergangenheit zu zerren.

Ähnliche Klanggeographie ereignet sich in Mantovanis Ensemblestück ‘Streets’, das seine Inspiration von den Bewegungen der Massen nimmt, die sich täglich durch die Straßen einer Metropole schieben, in diesem Falle durch die Straßen New Yorks. Die unzähligen differenzierten Bewegungsabläufe mit ihren unterschiedlichen Tempi verschmelzen zu einer gemeinsamen, aufgrund ihrer Vielfalt fast als statisch wahrgenommenen Bewegung; von weitem erkennt man nichts als eine in sich wabernde Masse.

Kleinste Teilchenbewegungen machen auch in ‘Eclair de Lune’ für Ensemble das Klangkontinuum aus. Mantovani kehrt in diesem Werk zum Gebiet der Elektroakustik zurück und integriert Verfahren der Granularsynthese ins instrumentale Klangbild. Klanglich inhomogene Ereignisse werden so moduliert, dass eine große Fläche entsteht, ein linearer Zusammenhang imaginiert wird.

Bruno Mantovani hat seine drei Ensemblewerke dem Ensemble Intercontemporain auf den Leib geschrieben, das mit seiner Dirigentin Susanna Mälkki für neue, sorgfältig ausgehörte und klanglich bestens abgemischte Aufnahmen gesorgt hat. Man spürt in den Interpretationen die gegenseitige Inspiration, die Musiker garantieren mit klanglich differenzierten Einzelleistungen für hervorragende Zutaten in dem texturreichen Menü Mantovanis. Es ist sicher kein Zufall, dass Bruno Mantovanis Interesse gleichermaßen der Kochkunst wie allen anderen Künsten gilt. Wir erleben hier einen Komponisten, der im wahrsten Wortsinne über den Tellerrand hinausschaut und Musik von reicher, überfließender Kulinarik schafft. Auf gewisse Weise versöhnt Mantovani manch spröde französische Nachkriegsmusik mit der überbordenden Reichhaltigkeit früherer Zeiten – ohne dass man sich dabei den Magen verdirbt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Paul Hübner Kritik von Paul Hübner,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Mantovani, Bruno: Le Sette Chiese

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Kairos
1
13.06.2008
EAN:

9120010281297


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Kairos

KAIROS, das 1999 von Barbara Fränzen und Peter Oswald gegründete Label mit Sitz in Wien, widmet sich ausschließlich der Veröffentlichung von Werken Neuer Musik. Neben Werk- und Künstlerauswahl sind höchste Ansprüche in der Tontechnik und eine moderne Verpackung, unterstützt durch die Covergestaltung des österreichischen Malers Jakob Gasteiger, wesentlicher Bestandteil des Gesamtkonzepts.
KAIROS ist der erfüllte, der gelingende Augenblick. Mit diesem Wort benannte die griechische Antike die glückliche Übereinstimmung des Hier mit dem Jetzt, den günstigen Moment, der schicksalhaft entgegentritt und entschieden genutzt werden will.
KAIROS will jene erfüllte Zeit, die wir ?Musik? nennen, aufbewahren. Was musikalisch an der Zeit ist, heutigem Hören neue Räume und Erfahrungen öffnet, soll in Interpretationen, die den günstigen Moment ergriffen haben, für unsere Hörer gebannt werden.
Der Augenblick, und wäre er noch so schön, verweilt nicht. Aber er kann wiederkehren, und obwohl wir dann nicht mehr die selben sind, kann er uns erneut ergreifen und verwandeln. In diesem Sinn will KAIROS die Musik der Gegenwart, die unendlichen Abenteuer des Hörens, die sie bietet, der Zeitgenossenschaft zurückschenken. Damit die Gunst des Moments nicht ungenutzt vorüberzieht.
KAIROS will die Musik der Gegenwart wieder zu Musik für die Gegenwart machen. Dabei gehen wir in der Auswahl der Komponisten und ihrer Stücke keine Kompromisse ein: nur Musik, an deren Kraft und Fortbestehen wir glauben, die herausfordernde ästhetische Positionen einnimmt und neue Wege des Klangempfindens erschließt, soll in einer auf das individuelle Werk abgestimmten Aufnahmequalität präsentiert werden. Ausführliche, informative Booklets mit lesbaren Werkkommentaren und Beiträgen von Schriftstellern, die den Komponisten wahlverwandt sind, sollen nicht nur Musikkenner ansprechen sondern auch all jene neugierig machen, die neue künstlerische Entwicklungen unserer Zeit erleben wollen.
Die einzelne CD wird so zu einer Art Gesamtkunstwerk, ausgestattet mit einem Booklet, dessen Texte sich dem Nicht-Sagbaren der Musik auf essayistische, analytische und literarische Weise annähern, und in einer gleichermaßen kunstvollen wie praktikablen Box, deren Cover von dem österreichischen Künstler Jakob Gasteiger gestaltet sind. KAIROS: Musik als Wegbegleitung für den Aufbruch in neue Zeitalter.


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