> > > Laudate Pueri Dominum: Geistliche Vokalwerke von Fischer, Maschat u.a
Sonntag, 29. Mai 2022

Laudate Pueri Dominum - Geistliche Vokalwerke von Fischer, Maschat u.a

Klangprächtig präsentierte Piaristen aus Prag mit Starsopran


Label/Verlag: Supraphon
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Schönste an dieser Aufnahme jedoch ist zweifelsohne Sopranistin Hana Blaziková mit ihrer wunderbar klaren, geraden und dabei doch außergewöhnlich glanzvollen Stimme.

‘Musik der Piaristen im barocken Böhmen’, so lautet der Untertitel dieser CD. Der Piaristenorden, 1621 in Rom gegründet, hatte es sich zur Aufgabe gesetzt, in seinen Schulen Knaben aus den unteren sozialen Schichten aufzunehmen und ihnen eine umfassende Bildung zu ermöglichen – zu der seinerzeit erfreulicherweise auch noch als selbstverständlicher Bestandteil die musische Bildung in theoretischer und praktischer Form gehörte. So unterhielt man auch an den diversen Schulen in Böhmen eigene Chöre und Orchester, und zahlreiche bekannte Musiker und Komponisten (wie F. X. Brixi, G. A. Benda...) begannen an einem der Piaristenkollegien ihre musikalische Ausbildung; zahlreiche Piaristen waren auch selbst als Komponisten tätig und bekannt.

Fünf davon werden auf dieser Platte mit einem oder mehreren Werken vorgestellt, nämlich Johann Caspar Ferdinand Fischer, Antonin Maschat, Vojtech Pelikán, Jan Offner und Johann Ferdinand Richter (um dem geneigten Leser hier die Ordensnamen zu ersparen). Ihre hier aufgenommenen Kompositionen wurden entweder für das Kolleg in Slany geschrieben, oder doch zumindest dort mehr oder weniger regelmäßig aufgeführt und deshalb auch auf dieser CD vereint, die zum 350jährigen Jubiläum der dortigen Ordensniederlassung erschien. Und unter ihnen ist kein einziges Stück, das uninteressant, unschön, oder langweilig wäre – im Gegenteil fragt man sich schon beim ersten Hören, warum diese oft so wunderbar glanzvoll-prächtige, teils aber auch nachdenklich-zurückhaltende Musik bisher nicht bekannt war, oder zumindest nicht häufiger gespielt wird, kann man sich darin doch wirklicher barocker Lebendigkeit, Leichtigkeit und Melodienfreudigkeit, aber durchaus auch harmonisch interessanter und spannender Ideen erfreuen!

Die Ausführung durch die Capella Regia Praha, den Knabenchor Pueri Gaudentes und die sechs Solisten unter der Leitung von Robert Hugo wird gerade dem Aspekt der Prachtentfaltung hervorragend gerecht. Sicher, der Chor leidet unter den typischen Knabenchorproblemen mit häufig etwas ungestützten Sopranen und Altisten, artikulatorisch manchmal zu offen singenden Männerstimmen, und eher Fettflecken auf den Höhepunkten der Phrasen, als einer gleichmäßigen dynamischen und spannungstechnischen Entwicklung dahin und davon weg. Aber dafür entschädigt - vom Authentizitätsgedanken einmal ganz abgesehen - der helle, gerade Klang der Knaben, der schlanke Sound der Tenöre und Bässe, die, bis auf die Intonationsschwankungen, sicher und souverän über ihrem (quantitativ nicht unbedeutenden) Notentext stehen, dynamisch durchaus zu differenzieren wissen.

Das Barockensemble Capella Regia Praha agiert lebendig und mit Verve, dabei tendenziell eher kräftig und nicht allzu durchsichtig, zieht aber schöne Spannungsbögen, phrasiert überzeugend und textnah, und spielt gut zusammen.

Das Schönste an dieser Aufnahme jedoch ist zweifelsohne Sopranistin Hana Blaziková mit ihrer wunderbar klaren, geraden und dabei doch außergewöhnlich glanzvollen Stimme, mit der sie noch dazu absolut mühelos durch Koloraturen und Verzierungen (wenn die auch vereinzelt etwas französisieren) flitzt, herrlich aufgebaute Linien singt und dabei auch noch optimal phrasiert und artikuliert. Eine echte Ausnahmestimme, die in der europäischen Barockszene noch von sich hören lassen dürfte! Die fünf weiteren Solisten erfreuen ebenfalls mit guten Leistungen, wenn auch bei den Tenören ab und an mal einige Töne zu tief rutschen.

Auch Robert Hugos Gesamtinterpretation trägt dem Pracht-Gedanken hörbar Rechnung, lässt er seine Musiker doch immer wieder genüsslich im Klang baden, doch wird er auch intimeren Passagen ausgezeichnet gerecht, weiß insgesamt doch ein großes dynamisches Spektrum abzudecken. Auch in der Wahl seiner Tempi neigt er ein wenig zum Breiten, Prächtigen, was manchen eigentlich barock schwingenden Satz ein wenig statisch geraten lässt, die Sänger auch in der Gestaltung schöner Spannungslinien einschränkt, die sich im etwas flotteren Puls vielleicht von selbst ergeben hätten.

Sorgfältig zusammengestellt und mit viel informativem Inhalt gehört auch das viersprachige Booklet, in dem allein vielleicht noch jeweils ein paar Sätze über die Sänger fehlen, zu den lobenswerten Aspekten dieser CD. Die Klangqualität der Aufnahme ist ausgezeichnet, mag manchem fast etwas zu kristallin hell sein, bringt jedoch auch noch feinste Nuance zum Tönen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Andrea  Braun Kritik von Andrea Braun,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Laudate Pueri Dominum: Geistliche Vokalwerke von Fischer, Maschat u.a

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Supraphon
1
23.05.2008
Medium:
EAN:

CD
099925394622


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Supraphon

Supraphon Music ist das bedeutendste tschechische Musiklabel und besitzt bereits eine lange Geschichte. Der Name "Supraphon" (der ursprünglich ein elektrisches Grammophon bezeichnete, das zu seiner Zeit als Wunderwerk der Technik galt) wurde erstmals 1932 als Warenzeichen registriert. In den Nachkriegsjahren erschien bei diesem Label ein Großteil der für den Export bestimmten Aufnahmen, und Supraphon machte sich in den dreißiger und vierziger Jahren besonders um die Verbreitung von Schallplatten mit tschechischer klassischer Musik verdient. Die künstlerische Leitung des Labels baute allmählich einen umfangreichen Titelkatalog auf, der das Werk von BedYich Smetana, Antonín Dvorák und Leos Janácek in breiter Dimension erfasst, aber auch andere große Meister der tschechischen und der internationalen Musikszene nicht vernachlässigt. An der Entstehung dieses bemerkenswerten Katalogs, auf den Supraphon heute stolz zurückblickt, waren bedeutende in- und ausländische Solisten, Kammermusikensembles, Orchester und Dirigenten beteiligt.


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