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Donnerstag, 29. September 2022

Leo, Leonardo - Amor vuol sofferenza

Neapolitanische Musikkomödie der Vorklassik


Label/Verlag: NEI - Nuova Era Internazionale
Detailinformationen zum besprochenen Titel


So ist Leonardo Leos komische Oper ‚Amor vuol sofferenza’ vor allem ein Blick in eine Zeit des musikdramatischen Umbruchs, musikhistorisch interessant aber für heutige Ohren auch etwas leblos.

Der italienische Komponist, Organist, Kapellmeister und Pädagoge Leonardo Leo (1694 – 1744) ist heute allenfalls noch durch seine Cellokonzerte bekannt, die auch in mehreren Aufnahmen vorliegen. Der Nachfolger Alessandro Scarlattis als Hoforganist in Neapel (ab 1725), war u.a. Lehrer von Jommelli und Piccinni und gilt als ein Hauptvertreter der neapolitanischen Schule. Nahezu alle Werkgattungen hat er bedient und dabei auch über 70 Opern geschrieben.

Seine Commedia in musica ‚Amor vuol sofferenza’ (was soviel wie ‚Liebe bedeutet leiden’ bedeutet) wurde anlässlich des 300. Geburtstages des Komponisten in seinem Geburtsort San Vito am 5. August 1994 in Kooperation mit dem ‚Festival della Valle d’Itria - Martina Franca’ wieder aufgeführt. Auf Nuova Era Records ist der Livemitschnitt dieser Aufführung, der bereits auf LPs erhältlich gewesen ist, erneut aufgelegt worden.

Liebesdrama und Volkstheater

Der Opernkomponist Leonardo Leo entstammt der Operngeneration in der Komponisten wie Leonardo Vinci, Niccola Porpora, Johann Adolph Hasse oder Giovanni Battista Pergolesi für Neapel tätig waren. Eine Epoche der Operngeschichte, die erst allmählich wieder entdeckt wird. Will man eine erste musikalische Vorstellung von Leos ‚Amor vuol sofferenza’ (neapel 1739) vermitteln, so mag der Vergleich mit Pergolesis bis heute populär gebliebener ‚Serva padrona’ ein erste Anhaltspunkt sein. Freilich jedoch ist Leos Dreiakter komplexer und mit einer Spieldauer von fast dreieinhalb Stunden ungleich länger als das Intermezzo Pergolesis. Doch auch Leo und sein Librettist Gennarantonio Federico knüpfen an eine volkstümliche Komik an, die derjenigen des neapolitanischen Intermezzos jener Jahre nicht unähnlich ist.

Kunstvoll vermischt wird dieses Volkstheater mit dem ernsteren Drama vierer bürgerlicher Figuren, die in wechselnden Liebes- und Paarverhältnissen die eigentliche Handlung bestimmen. Drei Volksfiguren kontrastieren im neapolitanischen Dialekt und mit teils derben Komödienelementen diese Grundsituation. So kommt es zu den bekannten Versatzstücken der Zeit: zu gewollten Verwicklungen, Streitigkeiten, Verkleidungen, Missverständnissen und Herzensqualen, bevor sich am Ende drei glückliche Paare in den Armen liegen.

Der akustisch etwas vordergründig geratene Mitschnitt der Aufführung von 1994 vermittelt leider, trotz reichhaltiger Bühnen- und Nebengeräusche, wenig von diesen Leidenschaften und dem Trubel der Handlungsführung. Als Abfolge von Arien, Rezitativen und wenigen Ensemblenummern wirkt ‚Amor vuol sofferenza’ reichlich monoton. Dabei ist den jungen Sängern (deren Namen bis heute international weitgehend unbekannt geblieben sind) unter der musikalischen Leitung Daniele Moles kaum etwas vorzuwerfen. Stilistisch sicher und technisch ohne größeren Tadel bewältigen Marilyne Fallot, Giovanna Donadini,Vitalba Mosca und Hyun Lee ihre dem Dramma verwandten Arien bürgerlicher Bedürfnisse und Situationen. Piero Guarnera, Marilena Laurenza und Domenico Colaianni hingegen sorgen für wirkungsvolle buffa-Elemente. Doch Leos Musiksprache kann in ihrem vorklassischen Stil, mit ihren klaren, vorhersehbaren Strukturen, ihren einfachen Harmonien und der eindeutigen Dominanz der Singstimmen über das Orchester, keinen Spannungsbogen über 200 Minuten aufrechterhalten. Die Abfolge scheint unter musikalischen Gesichtspunkten austauschbar und nur durch das Libretto in einer gewissen Ordnung gehalten. Es bleiben einzelne Nummern, die unterschiedlich einprägsam geraten sind und wenig Originalität bereithalten.

So ist Leonardo Leos komische Oper ‚Amor vuol sofferenza’ vor allem ein Blick in eine Zeit des musikdramatischen Umbruchs, musikhistorisch interessant aber für heutige Ohren auch etwas leblos.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Uwe  Schneider Kritik von Uwe Schneider,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Leo, Leonardo: Amor vuol sofferenza

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
NEI - Nuova Era Internazionale
3
13.08.2008
209:33
1994
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
4011222315755
231575


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"Zum ersten Mal weltweit erscheint „Amor vuol sofferenza“ von Leonardo Leo (1694- 1744) auf CD: 1994 wurde die musikalische Komödie des bekannten Neapolitaner Komponisten eingespielt, die ihre Uraufführung 1739 erlebte. Damals wurde sie zu einem großen Erfolg: Es folgten zahlreiche spätere Neuauflagen, u. a. von Livigni/ Paisiello. Die Handlung der Oper „Amor vuol sofferenza“ folgt der Tradition der neapolitanischen Musikkomödie Gennerantonio Federicos: „An einem entzückenden Ort in Portici“, also irgendwo in dem Dorf bei Neapel, leben zwei bürgerliche Paare, die in Sachen Liebe kompliziert miteinander „verbandelt“ sind. Den Reiz der Oper macht die gekonnt dramaturgische Verbindung der ernsten und komischen Rollen aus."


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