> > > Dvorak, Antonin: Sinfonien Nr. 3 & 7
Freitag, 7. August 2020

Dvorak, Antonin - Sinfonien Nr. 3 & 7

Exzellenter Dvorák


Label/Verlag: Octavia
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Wertvolle Tat für die Dvorák-Diskographie: zwei Sinfonien in begeisternder Lesart des Czech Philharmonic Orchestra unter Zdenek Mácal, eingefangen in hervorragendem SACD-Sound.

Die neunte und letzte Sinfonie von Antonín Dvorák, ‚Aus der neuen Welt’, wird wohl jedem, der sich irgendwie mit klassischer Musik beschäftigt, bekannt sein. Die Bekanntheit der ersten acht Gattungsbeiträge fällt dann aber rapide ab; während sich einige der späteren Sinfonien, so die Sechste oder die Achte, nach und nach durchgesetzt haben, läuft die neunte im Konzertbetrieb immer noch Gefahr, tot gespielt zu werden, während insbesondere die ersten vier Sinfonien eigentlich nie zu hören sind. Dazu ist allerdings auch zu sagen, dass man von der Existenz dieser ersten vier Sinfonien lange Zeit gar nichts wusste, da sie in Dvoráks Werkverzeichnis keine Berücksichtigung gefunden hatten; so wird in älteren Konzertführern die Sinfonie ‚Aus der neuen Welt’ auch oft als die fünfte vorgestellt. Vielleicht hängen die Schwierigkeiten der früheren Sinfonien auch mit der zum Teil unüberhörbaren Anlehnung an die musikalischen Vorbilder zusammen, die Dvorák erst in der Neunten endgültig ablegen konnte. Die vorliegende SACD des japanischen Labels Exton, auf der sich die dritte Sinfonie Es-Dur op. 10 und die siebte Sinfonie d-Moll op. 70 versammelt haben, kann davon einen Eindruck geben.

Vorbilder

Zwei bedeutende deutsche Komponisten lassen sich in den beiden Sinfonien als Vorbilder erkennen. In der farbenreichen Instrumentierung und Harmonik lässt die dritte Sinfonie von 1873, die übrigens als einzige der Dvorák-Sinfonien dreisätzig ist, an Richard Wagner denken. Man hat das Werk bisweilen als eine sinfonische Dichtung, deren Programm nicht bekannt ist, bezeichnet, wodurch es ebenfalls mit den ‚Neudeutschen’ um Liszt und Wagner in Verbindung gesetzt wird. Da das Werk immerhin aufgeführt wurde, ist es schon etwas eigenartig, dass sich Jahre später niemand mehr daran erinnern konnte. Trotz der erkennbaren Wagner-Nähe hat das Werk dem Komponisten die Freundschaft ausgerechnet mit Johannes Brahms eingebracht, dessen sinfonisches Schaffen dann ganz klar als Vorbild für Dvoráks 1884/85 komponierte Siebte zu erkennen ist. Die Klangsprache ist deutlich herber und von großer Dichte, die Instrumentierung gegenüber der Dritten zurückgenommen, der Tonfall ernst. Dennoch ist die Sinfonie eigenständig, da sie einen unverkennbar ‚tschechischen’ Tonfall aufweist, und das nicht nur wegen des Scherzos, das rhythmisch aus dem böhmischen Furiant zehrt.

Reine Freude

Das Anhören dieser bereits 2004 mit den Tschechischen Philharmonikern im Prager Rudolfinum entstandenen und nun auf SACD veröffentlichten Einspielungen ist reine Freude. Von Beginn an überträgt sich die Musizierlust der Beteiligten auf den Hörer, das Spiel ist ungeheuer beseelt und lebendig, jede Phrase ist durchdacht, geistreich und von Leben durchpulst. Klug gesetzte Akzente strukturieren das Klangbild, ohne dass es zerhackstückt würde. Zdenek Mácal ist dann auch weniger an minutiöser Detailarbeit interessiert, sondern präsentiert die Sinfoniesätze als schwungvolles Ganzes, das in organischem Wachstum eine in sich geschlossene Gestalt annimmt. Als Spitzenklasse ist auch die rein technisch-musikalische Seite zu beurteilen; der Orchesterklang ist geprägt durch fein schimmernde Bläsersoli und einen runden, vollen Klang. Die Freude beim Hören wird noch gesteigert durch die herausragend gute Aufnahmequalität, die es vollbringt, den Klangkörper einerseits als geschlossenes Ganzes zu vermitteln, dabei aber immer noch Tiefenstrukturen offen legt und einzelne Solisten klar und deutlich vom Rest des Geschehens trennt. Die räumliche Staffelung im Mehrkanalmodus ist von großer Plastizität. Schade, dass das originale japanische Booklet lediglich durch das Einlegen eines separaten Blattes mit einer englischer Übersetzung für den westlichen Markt präpariert wurde.

Repertoireerweiterung

Die eingangs erwähnte Abstufung in der Bekanntheit und Rezeption der Sinfonien Dvoráks hat auch in der Diskographie Niederschlag gefunden. So sind auf SACD bislang in erster Linie die etablierten Sinfonien erhältlich, die Neunte dabei gleich mehrfach. Auch Zdenek Mácal hat bei Exton bereits die neunte Sinfonie vorgelegt; die vorliegende Platte ist nun die zweite. Man kann nur hoffen, dass auch die verbleibenden Sinfonien in vergleichbarer Qualität nachfolgen – hier könnte ein absoluter Referenzklasse-Zyklus entstehen!

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Dvorak, Antonin: Sinfonien Nr. 3 & 7

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Octavia
1
07.05.2008
Medium:
EAN:

SACD
5425008376493


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Octavia

EXTON & TRITON sind zwei audiophile Reihen von Octavia Records aus Japan, die sich vornehmlich auf europäische Sinfonik, Klaviermusik und Kammermusik spezialisiert haben.

Die Zusammenarbeit mit so bedeutenden Orchestern wie Sydney Symphony, Royal Stockholm Philharmonic Orchestra, Pittsburgh Symphony Orchestra, Netherlands Radio Philharmonic Orchestra und so berühmten Dirigenten und Künstlern wie Vladimir Ashkenazy, Manfred Honeck, Sakari Oramo, Pascal Rogé, Jaap van Zweden u.v.a. zeugen von derem hohen Anspruch.


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