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Sonntag, 29. Mai 2022

Dvorak, Antonin - Kate and the devil

Eine Höllenfahrt mit Lokalkolorit


Label/Verlag: Supraphon
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Dvoraks kaum bekannte Oper 'Die Teufelskäthe' liegt hier in einer Einspielung vor, die durchaus anspricht, aber nicht vollauf zu überzeugen vermag.

Wer an Dvořák denkt, dem kommt wahrscheinlich schnell die herrliche Musik seiner ‚Sinfonie aus der Neuen Welt’ ins Gedächtnis oder vielleicht auch Rusalkas verträumtes 'Lied an den Mond’. Gerade im internationalen Opernrepertoire ist der Tscheche nur mit diesem einen Werk wirklich vertreten und das, obwohl er in seinem Leben zehn Opern komponierte. Die am 23. November 1899 uraufgeführte Märchenoper 'Čert a Káča', zu Deutsch ‚Die Teufelskäthe’, ist allerdings in der Tschechischen Republik bis heute ein fester Bestandteil des Nationaltheaters und anderer nationaler Bühnen. Das Libretto der dreiaktigen Oper stammt von Adolf Wenig und basiert auf verschiedenen volkstümlichen Märchen der Region.

Die Handlung der Oper beginnt mit einer ländlichen Szene mit Dorfbewohnern, welche im Wirtshaus fröhlich Kirmes feiern und tanzen. Es stehen im ersten Akt vor allem der Schäfer Jirka und die zänkische Käthe im Vordergrund des Geschehens. Außerdem erklingt bereits starke Kritik an der Obrigkeit und der herrschsüchtigen Fürstin, welche ihre Untertanen unterdrückt und schikaniert. Der Teufel Marbuel soll als Abgesandter der Hölle bei den Dorfbewohnern erfragen, wie schlecht die Fürstin wirklich ist, damit sie zur Hölle fahren kann. Am Ende des ersten Akts entführt Marbuel Käthe und verschleppt sie in die Hölle. Jirka folgt ihnen, um Käthe zu retten. Der zweite Akt spielt ausschließlich in der Hölle, wo Käthe einen regelrechten Aufstand anzettelt und selbst vor Luzifer persönlich keine Angst zeigt. Dieser befiehlt Marbuel, Käthe wieder auf die Erde zu bringen. Außerdem soll er die Fürstin endgültig zur Hölle fahren lassen. Mithilfe des Schäfers Jirka befreit sich der unglückliche Teufel zunächst aus Käthes Händen und schickt sich dann an, zum Schloss zu gehen. Der Fürstin bleibt jedoch – wiederum mit der Hilfe des Schäfers Jirka – der Aufenthalt in der Hölle erspart, allerdings nur dann, wenn sie ihr Verhalten gegenüber den Untertanen ändert.

Die Aufnahme aus dem Hause Supraphon bietet dem Hörer eine Gesamteinspielung einer Aufführung des Prager Nationaltheaters in mittelmäßiger Qualität. Der Klang der Einspielung, vor allem das Orchester, ist recht dumpf. Das Orchester des Prager Nationaltheaters spielte unter der Leitung von Zdeněk Chababala. In der großartigen, sehr tänzerischen Ouvertüre kann das Orchester zunächst durch seine abwechslungsreiche Dynamik und transparente Interpretation überzeugen. Dabei stehen vor allem die Bläser stark im Vordergrund, aber die Streicher verschwimmen teilweise leider zu einer kaum trennscharfen Masse. Besonders deutlich konnte das folkloristische Lokalkolorit der Oper sowie die von Dvořák konsequent eingearbeiteten Leitmotive durch das Orchester präpariert werden. Sobald das Orchester mit den Sängern zusammen agiert, tritt es zu stark zurück und agiert trotz beibehaltener Transparenz nur noch als Begleitinstrument. (Ob die unglückliche Balance auf Entscheidungen des Dirigenten zurückzuführen ist oder ein Manko der Aufnahmetechnik darstellt, lässt sich nicht eindeutig bestimmen.)

Die Hauptrolle wird von der Mezzo-Sopranistin Ludmila Komancová mit hörbarer Dramatik und tollem musikalischem Ausdruck interpretiert. Allerdings verdunkelt sie ihre Stimme zu oft, was der Figur der Käthe einen zu ernsten Charakter verleit. Ihr zur Seite steht der Bassist Přemysl Koči in der Rolle des Teufels Marbuel. Sein heller Bass und seiner klare Aussprache sowie seine schmeichelnde Deklamation machen ihn zum Star dieser Einspielung. In seinem Monolog 'Je sic to trochu daleko’ besticht er mit einer dynamisch einwandfreien Phrasierung. Dritter im Bunde ist der Tenor Lubomír Havlák als Schäfer Jirka. Auch er überzeugt stimmlich mit seinem klaren, hohen Klang ohne übertriebenes Vibrato. In weiteren Rollen sind zu hören die Sopranistin Marie Steinerová (Fürstin), die Mezzo-Sopranistin Věra Krilová (Käthes Mutter) und der Bassist Rudolf Asmus (Luzifer). Der Chor des Prager Nationaltheaters unter der Leitung von Jan Ouřednik ist wegen mangelnden homophonen Klangs zu bemängeln. Vor allem die Tenöre scheinen abgesungen und angestrengt.

Das Booklet der CD bietet dem Käufer das mit Tracknummern versehene gesamte Libretto der Oper in vier verschiedenen Sprachen (Deutsch, Englisch, Französisch und Tschechisch) sowie eine ausreichende Handlungszusammenfassung, einen informativen Text zu Antonín Dvořák und Kurzbiographien des Dirigenten und der Sänger. Einige schwarz-weiße Szenenfotos sowie eine humoristische Illustration der Oper runden das Booklet gekonnt ab.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Josephin Wietschel,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Dvorak, Antonin: Kate and the devil

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Supraphon
2
07.05.2008
Medium:
EAN:

CD
099925394325


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Supraphon

Supraphon Music ist das bedeutendste tschechische Musiklabel und besitzt bereits eine lange Geschichte. Der Name "Supraphon" (der ursprünglich ein elektrisches Grammophon bezeichnete, das zu seiner Zeit als Wunderwerk der Technik galt) wurde erstmals 1932 als Warenzeichen registriert. In den Nachkriegsjahren erschien bei diesem Label ein Großteil der für den Export bestimmten Aufnahmen, und Supraphon machte sich in den dreißiger und vierziger Jahren besonders um die Verbreitung von Schallplatten mit tschechischer klassischer Musik verdient. Die künstlerische Leitung des Labels baute allmählich einen umfangreichen Titelkatalog auf, der das Werk von BedYich Smetana, Antonín Dvorák und Leos Janácek in breiter Dimension erfasst, aber auch andere große Meister der tschechischen und der internationalen Musikszene nicht vernachlässigt. An der Entstehung dieses bemerkenswerten Katalogs, auf den Supraphon heute stolz zurückblickt, waren bedeutende in- und ausländische Solisten, Kammermusikensembles, Orchester und Dirigenten beteiligt.


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