> > > Wagenseil, Georg Christoph: Vier Konzerte WWV 345, 281, 325, 342
Dienstag, 17. September 2019

Wagenseil, Georg Christoph - Vier Konzerte WWV 345, 281, 325, 342

Jäger des verlorenen Schatzes


Label/Verlag: Accent
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Endlich wieder eine Arbeit, die das Prädikat 'wertvoll' nicht nur aus Gründen politischer Korrektness verdient.

Nun ist es bewiesen: Jagen und Sammeln sind keine Gegensätze, sondern bedingen sich gegenseitig. Mit nahezu abstruser Hingabe haben sich zwei Mitglieder der Formation ‘Echo du Danube’ aufgemacht, auf den Spuren eines jungen Indiana Jones den russischen Archiven musikalische Beutekunst abzuluchsen. Ihr Erfolg ist nun auf CD dokumentiert.

Ein Konzert von Georg Christoph Wagenseil, Komponist am Wiener Kaiserhof im 18. Jahrhundert, bildet dabei den Kern des Strebens. Der Frage, warum ausgerechnet Wagenseil die Mühen wert sei, kommt Michael Dücker im Beheft zuvor: ‘Mit zwei Takten fing alles an’. An anderer Stelle wurde in einem Hinweis vermerkt, dass es außer dem bereits bekannten Harfenkonzert Wagenseil noch ein zweites geben sollte. Die Recherche führte bis in die Katakomben der Moskauer Staatsbibliothek, an deren Sesamspforten jedoch nicht das richtige Zauberwort erklang. Nach langen Irrwegen konnte endlich eine Abschrift aus der Sächsischen Landesbibliothek ausfindig gemacht werden, um das verschollene Konzert einzuspielen.

Auch wenn Anlass und Neigung für Außenstehende vielleicht nicht ohne weiteres nachvollziehbar sind, verrät diese Anekdote doch, dass es manchmal, neben der Totengräberei noch ab und zu ein paar Findige gibt, deren Liebe zur Sache spürbar wird und sich auf den Hörer überträgt.

So ist diese Einspielung vierer ausgewählter Konzerte – ‘Concerts choisis’ – ein Schatzkästchen bezaubernder Miniaturen, von denen drei zum ersten Mal nach langer Zeit wieder im Licht der Öffentlichkeit funkeln. Stilistisch stehen die Konzerte Vivaldi bedeutend näher als dem frühen Haydn, obwohl sie mit beiden die Freude am Experiment und an ausgefallenen Besetzungen verbinden. Mit viel Liebe zum Detail, freigiebig an rhythmischer und melodischer Finesse sind diese Stücke mehr als nur Dokumentation der Schnittstelle am Übergang zweier Epochen.

Die Mitglieder des Ensemble ‘Echo du Danube’ unter Leitung von Alexander Weimann interpretieren auf historischen Instrumenten die Konzerte mit Feuer und Verve und scheuen dabei nicht, die Konventionen steriler Makellosigkeit zu durchbrechen. Klappengeräusche, Zupfen, Tastengeräusche sind als Elemente musikalischen Tuns hörbar und von der Klangregie nicht nivelliert worden. Herausgekommen ist ein organisches Klangerlebnis, das sich deutlich vom Mainstream abhebt, gerade weil es einer individuellen Ästhetik nachstrebt und dadurch reich ist an allerlei Feinheiten in der Ausarbeitung. Gerade die Balancen sind sensibel ausgehört und führen zu einem plastischen Eindruck ohne dabei die zarteren Instrumente wie Harfe oder Hammerklavier zu zerdrücken.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Florian Wetter Kritik von Florian Wetter,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Wagenseil, Georg Christoph: Vier Konzerte WWV 345, 281, 325, 342

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Accent
1
01.05.2008
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
4015023241862
ACC24186


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Accent

Schon bei der Gründung des Labels 1979 durch Andreas Glatt war klar, dass ACCENT sich fast ausschließlich mit Alter Musik in historischer Aufführungspraxis beschäftigen würde. Die Künstler, die für ACCENT aufnehmen oder aufgenommen haben, gehörten von Anfang an zu den renommiertesten Interpreten der "Alte-Musik-Szene": darunter die Brüder Barthold, Sigiswald und Wieland Kuijken, René Jacobs, Jos van Immerseel, Maria Cristina Kiehr mit La Colombina, Paul Dombrecht, Marcel Ponseele mit seinem Ensemble Il Gardellino, aber auch jüngere Künstler wie Ewald Demeyere und sein Bach Concentus, das Ensemble Private Musicke mit Pierre Pitzl oder das Amphion Bläseroktett. Der ACCENT-Katalog möchte den neugierigen Musikfreund auf eine Reise durch die Welt der Alten Musik mitnehmen. Dabei wird er, neben ausgewählten Standardwerken, nicht selten Stücken begegnen, die kaum im Konzertbetrieb oder auf CD anzutreffen sind. Erstaunlicherweise stammen sie nicht nur von wenig bekannten Komponisten, sondern auch von so großen Namen wie Johann Sebastian Bach oder Georg Philipp Telemann. Diese Raritäten werden für ACCENT nicht allein um ihres Seltenheitswerts aufgenommen, sondern vielmehr, weil sie wichtige, bislang sträflich vernachlässigte Werke sind, deren Entdeckung zu einem persönlichen Anliegen der Interpreten wurde.


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