> > > Janacek, Leos: Streichquartette Nr. 1 & 2
Donnerstag, 22. August 2019

Janacek, Leos - Streichquartette Nr. 1 & 2

Man höre und staune


Label/Verlag: Coviello Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Bennewitz Quartett legt bei Coviello Classics eine erstaunliche Aufnahme von Werken Leos Janáceks und Béla Bartóks vor.

‚Das Quartettspiel bedeutet für uns Kommunikation. Für uns ist es eine Herausforderung, vier unterschiedliche Ansichten zu verbinden und aus ihrer Verschmelzung ein originelles Ergebnis zu gewinnen. Nur auf diese Weise entsteht nämlich Musik mit vielen Farb- und Klangverwandlungen, die sie stets frisch und lebendig machen.’ Dieses Motto, zu lesen auf der Netzseite des Bennewitz Quartetts (www.bennewitzquartet.com), passt eigentlich trefflich zur jüngsten Veröffentlichung der vier jungen Musiker. Seit 1998 spielen Jirí Nìmecek (Violine), Štìpán Je?ek (Violine), Jirí Pinkas (Viola) Štìpán Dole?al (Violoncello) zusammen und haben in den vergangenen Jahren mehrfach bedeutende Preise für ihr Spiel einstreichen konnten – ganz zu Recht, wie die bei Coviello Classics erschienene CD beweist. Die Streichquartette Nr. 1 (‚Kreutzersonate’, 1917) und Nr. 2 (‚Intime Briefe’, 1928) von Leoš Janácek bilden hier den musikalischen Rahmen, in dem als Kontrast Béla Bartóks Streichquartett Nr. 4 Sz 91 (1928) platziert ist. Dies ist zwar beileibe kein seltenes Programm mehr; doch die Musiker bewältigen es mit einer Bravour und Überzeugungskraft, die in gleichem Maße aufhorchen wie staunen lässt, da sie viel zu sagen haben und dies auch auf eine sehr packende Art tun.

Vom ersten Klang an entfaltet die Platte eine knisternde Spannung und behält diese über ihre gesamte Dauer von 64 Minuten hinweg bei. Dies liegt daran, dass die Musik als ständig wandelbares Wesen hörbar gemacht wird, bestimmt von ständig ablaufenden Prozessen des Verdichtens oder Ausdünnens. Gerade die beiden Kompositionen Janáceks profitieren von diesem Zugang, der ihnen ein Höchstmaß an lebendigem Innenleben verschafft: Da gibt es im Kopfsatz der ‚Kreutzersonate’ die Hörbarkeit verschiedener musikalischer Schichten – die fahlen, vibratolosen Klänge, denen das exaltierte Deklamieren solistischer Stimmen entgegen steht –, da gibt es die abrupt abbrechenden Akkorde, die im zweiten Satz die Musik zerschneiden, aber auch die packenden Crescendo-Gesten, die fast aus dem Nichts wachsen. Und da gibt es die vielen zerklüfteten Momente, in denen Geräuschhaftigkeit dominiert, nur um wiederum Phrasen Platz zu machen, deren klangliche Wärme kurzzeitig alles überstrahlt. Es sind diese ständigen Veränderungen der Ausdruckshaltung und die damit verbundenen Klangwechsel, die einen beim Hören keine Ruhe finden lassen. Ähnlich und doch auch wieder anders gelingt den Musikern des Bennewitz Quartetts in den ‚Intimen Briefen’ eine dramatische Zeichnung der wechselnden Texturen, indem sie extreme Ausbrüche von Exaltiertheit und Emphase mit wunderbar entspannten Phasen abwechseln lassen und das Werk als emotional aufgeladene Studie zeichnen.

Mit welch großer technischer Sicherheit und Sensibilität die Quartettmitglieder die komplexen Partituren durchleuchten und es in diesem Zuge verstehen, die musikalischen Zusammenhänge zwischen den einzelnen Werkteilen herauszuarbeiten, verdankt sich nicht nur dem hohen spieltechnischen Niveau (mit glänzender Intonation), sondern gerade auch den kommunikativen Verhältnissen innerhalb des Ensembles, die den lebendigen Eindruck des Vortrags nachdrücklich stützen. Dies kommt auch dem vierten Streichquartett von Bartók zugute, dessen Musik hier zwischen zwei Polen entfaltet wird: Da ist einmal die klanglich intensiv geformte harmonische Schicht des dritten Satzes, die eine Folie für den deklamierenden Cellisten bildet; da sind aber auch – wie im fünften Satz – die entfesselten rhythmischen Kräfte, durch welche die Musik vorwärts getrieben wird, und die doch zugleich immer fein und federnd pulsieren, ohne dabei jeweils grob zu klingen. In solchen Passagen scheint das eingangs zitierte Motto tatsächlich Klang geworden zu sein. Denn das Quartettspiel als Kommunikation, das ist hier in der Tat auf höchstem Niveau realisiert worden: eben als ‚Musik mit vielen Farb- und Klangverwandlungen'.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Janacek, Leos: Streichquartette Nr. 1 & 2

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Coviello Classics
1
01.04.2008
Medium:
EAN:

CD
4039956508021


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Bartók, Béla
 - Streichquartett Nr. 4 - Allegro
 - Streichquartett Nr. 4 - Prestissimo, con sordino
 - Streichquartett Nr. 4 - Non troppo lento
 - Streichquartett Nr. 4 - Allegretto pizzicato
 - Streichquartett Nr. 4 - Allegro molto
Janácek, Leos
 - Streichquartett Nr. 1 nach Tolstoi, ´Kreutzersonate´ - Adagio-con moto
 - Streichquartett Nr. 1 nach Tolstoi, ´Kreutzersonate´ - Con moto
 - Streichquartett Nr. 1 nach Tolstoi, ´Kreutzersonate´ - Con moto. Vivace. Andante. Tempo I
 - Streichquartett Nr. 1 nach Tolstoi, ´Kreutzersonate´ - Con moto
 - Streichquartett Nr. 2 ´Intime Briefe´ - Andante. Con moto. Allegro
 - Streichquartett Nr. 2 ´Intime Briefe´ - Adagio. Vivace. Andante. Presto. Allegro. Vivo. Adagio
 - Streichquartett Nr. 2 ´Intime Briefe´ - Moderato. Adagio. Allegro
 - Streichquartett Nr. 2 ´Intime Briefe´ - Allegro. Andante con moto. Adagio. Tempo I


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Coviello Classics

Für Coviello Classics steht bei einer Musikproduktion immer das besondere Hörerlebnis im Vordergrund ? alle technischen und organisatorischen Entscheidungen müssen sich diesem ästhetisch definierten Ziel unterordnen. Wesentliche Entscheidungen treffen bei coviello classics nicht gewinnorientierte Manager, sondern kreative Musik-Gestalter: zum einen die Gründer, Geschäftsführer und prägenden Köpfe Olaf Mielke und Moritz Bergfeld, die als Diplom-Tonmeister und Aufnahmeleiter den coviello classics-Produktionen ihr ?klangliches Gesicht? geben, zum anderen die Interpreten, die für coviello classics immer die wichtigsten Partner sind. Ihre künstlerische Aussage ist das zentrale Kriterium für die Qualität einer Aufnahme; sie sind in alle ästhetischen Fragen einer Veröffentlichung einbezogen.

Hoher Repertoirewert

Grundvoraussetzung für unsere Neuproduktionen sind die besonderen Anforderungen an Künstler und Repertoire. Um dem Klassikmarkt neue Impulse zu geben, produziert coviello classics bislang wenig beachtetes Repertoire, oftmals in Weltersteinspielungen, und sorgt damit immer wieder für überraschende Entdeckungen. Bekanntere Werke erscheinen durch ungewöhnliche Interpretationen in neuem Licht ? hier gibt es keine ideologischen Grenzen oder vermeintlichen Authentizitäts-Anspruch; lebendige Musikkultur zeigt oft das vertraute in ganz anderem klanglichem Gewand. Ein besonderer Schwerpunkt ist die seit einigen Jahren etablierte Reihe coviello contemporary, in der sich die Nähe zum weltbekannten Darmstädter Institut für neue Musik in ganz aktuellen Kompositionen bemerkbar macht.

Technische und ästhetische Kompetenz

coviello classics ist das Label, unter dem die Aufnahmen der Produktionsfirma MBM vertrieben werden ? ob als CD, DVD oder SACD. Durch einen ganz speziell für die Anforderungen hochwertigster Musikproduktionen konzipierten Übertragungswagen sind die Voraussetzungen für die Aufnahmequalität bei MBM optimal. coviello classics bietet darüber hinaus in jedem Bereich und in jeder Phase der Realisierung einer Musikproduktion ? bis hin zu grafischer Gestaltung und Textredaktion bei den begleitenden Druckmedien ? sowohl Logistik und hochwertiges Gerät wie auch technisches und ästhetisches Know-how.

Grafiken, Texte und weltweite Wege

Zu einer Musikveröffentlichung gehört nicht nur der gespeicherte Ton ? da gibt es noch einiges mehr zu gestalten. Das Cover einer CD, DVD oder SACD muss nicht nur grafisch ansprechend gestaltet sein, sondern auch einen sinnvollen Zusammenhang mit dem musikalischen Inhalt herstellen. Das begleitende Booklet soll umfassend über Werke, Künstler und Aufführungspraxis informieren; die Texte müssen wissenschaftlicher Prüfung standhalten, aber trotzdem allgemein verständlich und auch noch unterhaltsam sein ? schwierige Herausforderungen auch über die Musik hinaus, für die coviello classics mit erfahrenen Grafikern und Textautoren zusammenarbeitet. Schließlich muss das fertige Produkt an möglichst vielen Orten der Welt erhältlich sein. Dafür haben wir in vielen Ländern in Europa, Asien und Nordamerika Partner vor Ort, die ihren Markt genau kennen. Sie werden laufend mit Neuheiten, Informationsmaterial und Rezensionen aus der Presse versorgt ? auch wenn die Produktion eigentlich fertig ist, macht sie uns noch viel Arbeit.


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