> > > The Welte-Mignon Mystery Vol. 9 Camille Saint-Saens spielt: Werke von Saint-Saens, Beethoven u.a
Donnerstag, 16. September 2021

The Welte-Mignon Mystery Vol. 9 Camille Saint-Saens spielt - Werke von Saint-Saens, Beethoven u.a

Saint-Saens spielt Saint-Saens


Label/Verlag: Tacet
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Folge 9 der Serie, in der Tacet die Rollen des Welte-Mignon-Reproduktionsklaviers in Neuaufnahmen zugänglich macht. Hier ist Camille Saint-Saens im virtuosen Umgang mit eigenen und fremden Werken zu erleben.

Was gäbe mancher nicht dafür, Genies wie Bach, Mozart oder Beethoven am Klavier spielen zu hören. Der Wunsch wird in dieser Welt unerfüllbar bleiben; einen Eindruck davon, was man unter Umständen zu erwarten hätte, könnten jedoch die mit dem (leider erst) 1904 erfundenen Welte-Mignon Reproduktionsklavier ‚aufgenommenen’ Klavierrollen geben. Mit diesem Gerät war es möglich, das Spiel eines Pianisten in allen Feinheiten auf eine Papierrolle zu bannen, die nach dem Prinzip einer Lochkarte funktioniert. Ein mit Filzfingern ausgestatteter ‚Vorsetzer’ kann nun die auf der Rolle gespeicherte Interpretation beliebig oft an einem realen Klavier reproduzieren. Natürlich steht zwischen Aufzeichnung und Wiedergabe das Gerät, dessen Einrichtung eine sorgfältige Justierung und einiges an Feintuning benötigt. Auf jeden Fall aber lässt sich konstatieren, dass die Wiedergabe unglaublich lebendig und natürlich klingt und man zu keiner Zeit den Eindruck gewinnt, einer Maschine zuzuhören.

Bedeutendes Projekt

Man kann wohl mit Recht von einem der interessantesten und bedeutendsten gegenwärtigen Projekte im Bereich Klaviermusik sprechen, wenn diese Klavierrollen systematisch aufgenommen und somit ihr Inhalt für die Allgemeinheit zugänglich gemacht wird. Im Rahmen der Reihe ‚The Welte-Mignon Mystery’ ist das Label Tacet mit dieser lobenswerten Aufgabe beschäftigt; in Folge 9 ist der Komponist Camille Saint-Saens in seiner Eigenschaft als Pianist an der Reihe. Anders als ein Magnetband lässt sich eine Welte-Mignon-Rolle über lange Zeit konservieren und kann auch heute noch ohne Verluste abgespielt werden. Diese Reproduktion lässt sich natürlich nach heutigen Qualitätsstandards aufzeichnen, so dass man hier eine historische Interpretation in zeitgemäßem Klanggewand bekommt. Der moderne Steinway-Flügel, der für Tacets Welte-Mignon-Reihe benutzt wird, präsentiert sich dann auch in außerordentlich klarem und natürlichem Klanggewand.

Buntes Programm

Bis zur Einstellung der Produktion im Jahre 1932 wurden zahlreiche Rollen eingespielt, allein etwa 2500 bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Das Spektrum umfasst bis dahin größtenteils klassische Musik, in der Zeit danach legte man das Augenmerk aber mehr auf Salonmusik und Modetänze. Saint-Saens fand sich 1905, also bereits kurz nach Erfindung des Geräts, aber auch kurz nach seinem 70. Geburtstag, in den Welte-Studios ein, um vornehmlich eigene, aber auch einige ausgewählte fremde Werke einzuspielen. Unter den Eigenkompositionen sind Bearbeitungen wie diejenige des zweiten Satzes aus der zweiten Sinfonie op. 55, der sinfonischen Dichtung ‚Le Rouet d’Omphale’ op. 31 oder des Finales des ersten Aktes aus ‚Samson und Dalila’. Desweiteren finden sich die ‚Valse nonchalante’ op. 110, die Mazurka h-Moll aus op. 66, die ‚Rhapsodie d’Auvergne’ op. 73, die ‚Suite Algérienne’ op. 60 Nr. 3, die Gavotte F-Dur op. 90 sowie die ‚Valse mignonne’ op. 104. Von Ludwig van Beethoven gibt es den zweiten Satz aus der Klaviersonate Nr. 16 G-Dur op. 31/1, von Schumann die Nr. 9 aus den ‚Waldszenen’ und schließlich noch zwei Stücke von Chopin: Nocturne Fis-Dur op. 15/2 sowie die Étude E-Dur op. 10/3.

Alter nicht zu spüren

Dass sich Saint-Saens bei den Einspielungen in fortgeschrittenem Alter befand, ist nicht herauszuhören. Sein Spiel ist außerordentlich virtuos, die flink huschenden Läufe geben sich leichtfüßig, delikat und perlend. Grundsätzlich sind die Interpretationen des Franzosen vom Bestreben nach Klarheit und Transparenz geprägt; alles ist sehr duftig und elegant, Tastengehämmer oder überzogene Akzentuierung sucht man hier vergebens. Da man einem Komponisten nicht nur zugestehen wird, seine eigenen Werke gut zu kennen, sondern ihm wohl auch kleinere Freiheiten nachsehen würde, ist die Auseinandersetzung mit fremden Kompositionen noch einmal eine Stufe spannender, insbesondere dann, wenn es an die Komponisten geht, die damals schon Klassiker waren. Am fremdartigsten gerät dann auch die Deutung des zweiten Satzes aus Beethovens Sonate, in dem sich Saint-Saens einerseits viele kleine Nuancen im Tempo erlaubt, so dass ein ungewohnt nervös-flackerndes Klanggemälde entsteht, andererseits aber auch den Grazioso-Charakter des Satzes bestens zur Geltung bringt, so etwa mit hingetupften Staccato-Akkorden oder den wirklich nur auf die Tasten gehauchten leggiero-Läufen. Ansonsten ist Saint-Saens ein erstaunlich texttreuer Beethoven-Interpret, der den Komponisten an keiner Stelle zu verbessern trachtet, wie es später leider öfters der Fall sein sollte. Man müsste weitere Beethoven-Werke in Saint-Saens Interpretation haben, um ein qualifiziertes Urteil abgeben zu können; so lässt sich aber immerhin sagen, dass seine Einspielung einiges an Reiz hat, wenn sie auch heutigen Vorstellungen nicht mehr entspricht.

 

Fazit

In Ergänzung mit der vorbildlichen Dokumentation, die auf das technische Verfahren ebenso ausführlich eingeht wie auf die Rolle Saint-Saens als Pianist, handelt es sich bei der vorliegenden CD um den einmal mehr außerordentlich gelungenen Teil einer lobenswerten wie wichtigen Serie, die in keiner Plattensammlung von Klaviermusikfreunden oder Fans historischer Interpretationen fehlen sollte.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    The Welte-Mignon Mystery Vol. 9 Camille Saint-Saens spielt: Werke von Saint-Saens, Beethoven u.a

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Tacet
1
04.02.2008
Medium:
EAN:

CD
4009850015901


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Tacet

Das Wort TACET kommt aus dem Lateinischen und bedeutet "er/sie/es schweigt". Es steht in den Noten, wenn ein Musiker für ein ganzes Stück nichts zu spielen hat. In einem solchen Fall steht in den Noten "TACET". Ein paradoxer Name für eine Plattenfirma?

Der Produzent des Labels, Andreas Spreer, liebt das Paradox. Im April 1989 gründete der Diplom-Tonmeister die Musikfirma TACET in Stuttgart/Germany. Seither produziert TACET Musik für höchste Ansprüche auf den verschiedensten Tonträgern (CD, LP, SACD, DVD-Audio, Blu-ray). Von Beginn an erhielten die Aufnahmen herausragende Rezensionen und höchste Auszeichnungen (u. a. mehrere Jahrespreise der deutschen Schallplattenkritik, Cannes Classical Award, Echo, Diapason d'or, Grammy-Nominierung und viele mehr; stöbern Sie ein wenig in den Kritiken auf den Produktseiten), aber was noch wichtiger ist, sie erfreuen sich größter Beliebtheit beim Publikum. Dabei ist noch kein Ende abzusehen: Die Zahl der TACET-Fans wächst immer weiter. Woher kommt dieser langandauernde große Erfolg?

Vielleicht liegt es daran: TACET arbeitet konsequent an der Synthese von zwei Ebenen, die häufig als sehr unterschiedlich oder sogar gegensätzlich angesehen werden: dem musikalischen Gehalt und der aufnahmetechnischen Qualität.

Als Begriff, der sowohl die musikalischen als auch die aufnahmetechnischen Vorzüge der TACET-Aufnahmen umfasst, bietet sich das Wort "Klang" an. Klang entsteht in einem Instrument, der Musiker bringt ihn daraus hervor, doch ob gewollt oder nicht - die nachfolgenden Apparaturen und Personen beeinflussen den Klang auch. Wenn alle Beteiligten, Musiker, Instrumente, Raum, Aufnahmegeräte und "Tonbearbeiter" gut zusammenpassen bzw. zusammenarbeiten, wächst in der Mitte zwischen ihnen wie von selbst etwas Neues empor, das dem Wesen einer Kompositon sehr nahe kommt. Davon handelt unser Slogan "Der TACET-Klang - sinnlich und subtil".

"This is one of the best sounding records you'll ever hear" schrieb das US-Magazin "Fanfare" über die TACET-LP L207 "oreloB". György Ligeti äußerte über die Kunst der Fuge "... doch wenn ich nur ein Werk auf die "einsame Insel" mitnehmen darf, so wähle ich Koroliovs Bach, denn diese Platte würde ich, einsam verhungernd und verdurstend, doch bis zum letzten Atemzug immer wieder hören.". "Entscheidend aber ist die Gemeinsamkeit des Geistes. Die Auryn-Leute beseelt die gleiche Kunstgesinnung..." (Rheinische Post). Stöbern Sie ein wenig in den Kritiken auf den Produktseiten oder noch besser hören Sie sich TACET-Aufnahmen an und überprüfen, was die Kritiker schreiben.

Bei uns darf Musik all das anrühren und ausdrücken, was das Leben ausmacht. Sie erlaubt dem Hörer Gefühle zu empfinden, ohne sentimental zu werden. Sie kann witzig sein und zum Lachen bringen. Sie kann auf ehrliche Weise "romantisch" sein, ohne den Hörer in einen Kaufhausmief von Wohlfühlklängen zu versenken. Sie darf in unendlichen Variationen geistreich sein. Sie darf zum Denken und zum Erkennen anregen, ohne musikalische Vorbildung zu erfordern. Sie darf effektvoll sein und um die Ohren fliegen, wenn es dem Wesen der Werke entspricht. Sie kann Revolutionen im Kopf auslösen, ohne ein einziges Wort. Sie kann widersprechen und korrigieren. Musik kann Verzweiflung wecken, aber auch trösten. Und und und. Die vollständige Liste wäre endlos.

Der TACET-Inhaber und -Gründer Andreas Spreer erhielt u. a. die Ehrenurkunde des Preises der deutschen Schallplattenkritik.


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