> > > Donizetti, Gaetano: La Favorita
Donnerstag, 29. September 2022

Donizetti, Gaetano - La Favorita

Sieg des Orchestergrabens


Label/Verlag: NEI - Nuova Era Internazionale
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Dieser Live-Mitschnitt von Gaetano Donizettis Oper ´La Favorita´ krankt leider an einer unausgewogenen klanglichen Balance.

Selten, aber immer mal wieder, gibt es Einspielungen, bei denen sich die Frage nach ihrer Existenzberechtigung stellt. Jüngst der Fall ist dies bei einem Live-Mitschnitt aus dem Jahr 1989 von Gaetano Donizettis (1797-1848) Oper ´La Favorita´ mit dem Orchestra Internazionale d´ Italia unter Fabio Luisi, der bei dem italienischen Label Nuovo era erscheint.

Dass es sich um einen Live-Mitschnitt im Rahmen des Opernfestivals in Martina Franca handelt, muss an sich nichts Negatives bedeuten. Zwar vernimmt man beim Hören leichtes Rauschen sowie des öfteren Publikums- und Bühnengeräusche, doch dies spielt sich alles innerhalb eines erträglichen Rahmens ab. Das eigentliche Problem liegt in der äußerst unausgewogenen klanglichen Balance der Aufnahme, denn als Zuhörender findet man sich, räumlich gedacht, im Orchestergraben wieder, und nicht so, wie es sein sollte, im Publikumsbereich: Beinahe konstant über mehr als zwei Stunden vernimmt man die Gesangsstimmen leise sowohl von oben als auch von hinten, während der Orchesterklang überdeutlich wahrnehmbar ist und das akustische Bühnengeschehen sehr oft zudeckt.

Dieser unvorteilhafte Effekt wirkt sich am stärksten auf die Erfassbarkeit des Slowakischen Philharmonischen Chor Bratislava aus, da sich dieser bei seinen Einsätzen, den Beginn des vierten Aktes ausgenommen, stets im Bühnenhintergrund zu befinden scheint, weshalb man von ihm kaum mehr als ein Flüstern vernimmt. Doch auch die stimmliche Qualität der Gesangssolisten lässt sich meist leider nur erahnen. Am ehesten bekommt man hier noch etwas in annehmbarer Lautstärke zu hören, wenn sich die Singenden ganz vorne am Bühnenrand befinden, etwa gegen Ende des ersten und dritten Aktes oder in der Mitte des zweiten Aktes. Dann atmet man erleichtert auf und kann endlich für Minuten ungestört Paolo Conis kraftvollem Vortrag lauschen, der sich ganz hervorragend für die Rolle des Königs Alfonsos von Kastilien eignet, oder sich an dem in den Höhen strahlenden Sopran von Adelisa Tabiadon erfreuen, die den Part der sich nach Freiheit sehnenden Mätresse des Königs, Leonora, überzeugend gibt. Auch Giuseppe Morinos (Fernando) intensiv vibrierender, sehr geschmeidiger Heldentenor kann dann für die Dauer einer Arie sein gesamtes gestalterisches Potential entfalten. Doch solche fraglos gelungenen Abschnitte besitzen auf dieser Aufnahme leider Seltenheitswert, die überwiegende Zeit  ärgert man sich, als säße man nicht zuhause vor den Lautsprechern, sondern auf dem allerbilligsten Platz in der Oper. Das ist wirklich schade, zumal Fabio Luisi und das Orchestra Internazionale d´ Italia ansonsten eine sehr spielfreudige Darbietung abliefern. Und auch das Booklet weist zwar nicht die deutsche Übersetzung des italienischen Librettos auf, punktet dafür aber mit einem ausführlichen wie informativen Einleitungstext.    

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Donizetti, Gaetano: La Favorita

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
NEI - Nuova Era Internazionale
2
11.04.2008
149:21
1989
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
4011222316912
231691


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"Donizettis vieraktige Oper „La Favorita“ entstand 1840 in Paris. Sie ist aus verschiedenen Bausteinen vorheriger Kompositionen zusammengefügt - zu einer perfekt arrangierten Oper, die Elemente der italienischen Oper und der französischen Grand Opéra verbindet. Thema des Stücks ist die verbotene Liebe zwischen dem Mönch Fernando und Leonora im Spanien des 14. Jahrhunderts. „La Favorita“ wurde 1847 erstmals auf Italienisch aufgeführt. Die vorliegende Aufnahme wurde 1989 eingespielt, vom Orchestra Internazionale D‘Italia und dem Philharmoniechor Bratislava, unter der Leitung von Fabio Luisi (Dirigent)."


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NEI - Nuova Era Internazionale

20 Jahre Aufnahmeerfahrung: Opern, Vokalwerke, Sinfonische Werke, Frühe- und Barockmusik, NUOVA ERA ist zu einem der Eckpfeiler in der Welt der Tonträgerindustrie geworden, beständig auf der Suche nach den Werken mit hohem Repertoirewert und der besten Preis/Leistungsrelation.
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