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Mittwoch, 20. Oktober 2021

Gershwin, George - Porgy & Bess

Symphonie der Nebengeräusche


Label/Verlag: Guild
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Als Eindruck ist diese Aufnahme bereichernd und inspirierend, die gesangliche Leistung von Leontine Price und William Warfield lässt sich jedoch besser auf der Studioaufnahme würdigen.

‘Porgy and Bess’ ist die Schnittstelle zwischen Klassik und Jazz, Oper und Musical, die scheinbare Gegenpole aufhebt und zu einer amerikanischen Volksoper verschmilzt. George Gershwins, der 1937 bereits mit 38 Jahren unvermittelt an einem Gehirntumor verstirbt und den weltweiten Erfolg seines Werks in den 50er Jahren nicht mehr erleben wird, findet damit einen allzu frühen Gipfelpunkt.

Das Renommee der Broadwayproduktion verhilft 1942 zu einer europäischen Premiere im damals schon von den Deutschen belagerten Kopenhagen. Doch gebremst vom kulturellen Stillstand im Zweiten Weltkrieg und dessen Aufarbeitung nach Kriegsende, kommt es erst 1952 zum europäischen Wiedersehen mit Gershwins Oper.

Welttournee

Mit der heute legendären Leontine Price startet nach der Gesamteinspielung für das Label American Columbia (CBS) eine dreijährige Welttournee, die von der amerikanischen Regierung subventioniert und die großen Bühnen in Südamerika, Südafrika und Europa erobern wird. Der diesjährig beim Label Guild Historical erschienene Live-Mitschnitt vom 21. September 1952 im Berliner Titania Palast mit dem RIAS-Unterhaltungsorchester und dem Eva Jessay Choir unter der Leitung von Alexander Smallens dokumentiert die Atmosphäre dieser ungewöhnlichen Darbietung und vermittelt eine Ahnung von der explosiven Lebendigkeit, die ihr innewohnte.

Die Samthandschuhe, mit der die klassische Konzertpraxis allzu häufig mit Jazz umgeht, sind abgelegt. Keine Ehrfurchtstarre vor ausnotierter Partitur: Der Umgang mit dem Notentext ist organisch und lässt spielerische improvisierte Elemente zu, ohne dabei das Original zu überdecken, im Gegenteil. Gerade weil an manchen Stellen reiner Jazz die klassische Oberfläche aufbricht, kann es zu einem harmonischen, dynamischen Miteinander zweier für Gershwins musikalische Identität so wichtiger Stile kommen.

Akustische Unschärfe

Dynamisch ist auch das Bühnengeschehen, das sich auf dem Tonträger nur akustisch mitteilen kann und anfangs einen fast magischen Sog entwickelt. Die große Würfelszene im ersten Akt ist eine wahre Symphonie der Geräusche. Das Nachtleben in Fischerdorf Catfish Row entsteht vor dem inneren Auge und vielleicht sogar farbiger als jedes Bühnenbild, das als Szenerie dienen könnte.

Allerdings ist die Tonqualität des Mitschnitts entweder so mangelhaft oder das neue Mastering nicht sorgfältig genug, dass das farbige Durcheinander der Aktion allmählich zum weißen Rauschen verschwimmt und sich die Nuancen nivellieren. Auch von der Ausstattung her eher blass und lieblos, wird der Mitschnitt nicht zum liebevollen Dokument, sondern bleibt ein schnelles Geschäft mit verstaubten Platten.

Als Eindruck ist diese Aufnahme bereichernd und inspirierend, die gesangliche Leistung von Leontine Price und William Warfield lässt sich jedoch besser auf der Studioaufnahme würdigen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Florian Wetter Kritik von Florian Wetter,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Gershwin, George: Porgy & Bess

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Guild
2
07.07.2008
Medium:
EAN:

CD
795754231427


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Guild

Guild entstand in den frühen Achtzigerjahren auf Initiative des berühmten englischen Chorleiters Barry Rose, der den St Paul's Cathedral Choir in London leitete. Der Name hat nichts mit der nahe gelegenen Londoner Guild Hall zu tun, sondern kommt von Barry Roses erstem Chor, dem Guildford Cathedral Choir. Das frühere Logo (ein grosses G) entstand indem Barry Rose kurzerhand eine Teetasse umstülpte und mit einem Bleistift ihrem Rand bis zum Henkel entlang fuhr. Seit 2002 hat die Firma als Guild GmbH ihren Sitz in der Schweiz, in Ramsen bei Stein am Rhein.
Bei den Aufnahmen arbeiten wir mit Fachleuten zusammen, die für grosse internationale Firmen und unabhängige kleinere und grössere Labels tätig sind. Unsere Programmschwerpunkte sind Welt-Erstaufnahmen, vergessene Werke bekannter Meister, noch nicht entdeckte Komponisten und Schweizer Musiker sowie historische Aufnahmen, etwa die Toscanini Legacy und Mitschnitte der Metropolitan Opera New York.
Wir arbeiten intensiv mit der Zentralbibliothek in Zürich und mit der Allgemeinen Musikgesellschaft Zürich zusammen, produzieren CDs mit Chören wie dem Salisbury Cathedral Choir und den Chören der Cambridge und Oxford University - und als Steckenpferd pflegen wir die grossen englischen und amerikanischen Unterhaltungsorchester mit ihren Light-Music-Hits der Dreissiger- bis Fünfzigerjahre.


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