> > > Sibelius, Jean: Sinfonien Nr. 1 & 7
Montag, 18. Oktober 2021

Sibelius, Jean - Sinfonien Nr. 1 & 7

Geniale Aussenseiter


Label/Verlag: Guild
Detailinformationen zum besprochenen Titel


In lichten Augenblicken zählt Leopold Stokowski zu den großen Interpreten spätromantischer Sinfonik.

Sibelius hat es schwer gehabt im mitteleuropäischen Kulturraum. Adorno trug darum Sorge, das Ansehen des vorgeblichen Komponierdilettanten gründlich zu beschädigen. Sehr wenige Dirigenten, zuvörderst Karajan, führten Sibelius-Sinfonien auf. Zu exotisch erschien deren düstere klangliche Imagination, zu weit (und selbstbewusst) hatte Sibelius sich vom Sonatenbau, von 'thematischer Arbeit' und periodischer Syntax, wahren Götzen mitteleuropäischer Musiktradition, abgesetzt. So ist es ein sinnreicher Zufall, dass sich ein anderer Verfemter des Musikbetriebs, Leopold Stokowski, geschmäht wegen 'Dilettantismus' und 'Effekthascherei', für Sibelius' Werk verwendete. 1953 reiste er eigens nach Finnland, um mit Helsinki City Symphony Orchestra ausgewählte Werke des Meisters zur Aufführung zu bringen: die Sinfonien Nr. 1 e-Moll und Nr. 7 C-Dur, Sibelius' Schauspielmusik zu 'Pelléas et Mélisande', und sein womöglich populärstes Stück, die tönende Huldigung ans Vaterland ‘Finlandia’.

Mochte Stokowskis nicht selten clowneskes Gebaren verstören – dies sind strenge, hochseriöse Interpretationen, ohne Scheu vor klanglichem Bombast (das Booklet nennt es ‘rocky strength’), doch klanglich wie dynamisch, zumal in den Bläsern, reich abgestuft. Moderate, unforcierte Tempi schaffen Raum für präzise Phrasierungsarbeit und wuchtige Steigerungen. Das motorische Element kommt bestens zur Geltung, ohne je in die Nähe rhythmischen Stumpfsinns zu geraten. Helsinki Symphony lässt keine technischen Begrenzungen erkennen, in Sibelius' musikalischen Welten bewegt es sich wie der Fisch in kühlen baltischen Wassern.

Nicht, dass der Mitschnitt spätere Bemühungen um Sibelius' sinfonisches Schaffen, z. B. Karajans Fünfte (eine sinfonische Lieblingsaufnahme Glenn Goulds...) oder, in jüngster Zeit, Salonens Produktionen vergessen machen könnte. Dennoch ist Guild, dem eigensinnigen britischen Label mit Sitz in der Schweiz, für die CD-Veröffentlichung herzlich zu danken. Dies ist nicht allein ein diskographisches Kuriosum, um Porträtphotographien Stokowskis in charakteristisch exzentrischer Pose und Robert Matthew-Walkers intelligenten Begleittext ergänzt. Es ist vor allem eine Referenzaufnahme, die von Sibelius selbst mit dem Siegel musikalischer Richtigkeit versehen wurde. Das Booklet enthält einen Dankesbrief des Komponisten an Leopold Stokowski, der dessen Studioeinspielung der Ersten und die Konzerte des Jahres 1953 in durchaus überschwänglichen Worten belobigt: ‘My dear Friend, some days ago I received your wonderful recording of my First Symphony. Many cordial thanks for it [...]. Your concerts here last June are unforgettable for us all and we all hope to see and hear you here again. [...] Yours with admiration and gratitude.’

Interpretation:
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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Sibelius, Jean: Sinfonien Nr. 1 & 7

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Guild
1
07.07.2008
Medium:
EAN:

CD
795754234121


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Guild

Guild entstand in den frühen Achtzigerjahren auf Initiative des berühmten englischen Chorleiters Barry Rose, der den St Paul's Cathedral Choir in London leitete. Der Name hat nichts mit der nahe gelegenen Londoner Guild Hall zu tun, sondern kommt von Barry Roses erstem Chor, dem Guildford Cathedral Choir. Das frühere Logo (ein grosses G) entstand indem Barry Rose kurzerhand eine Teetasse umstülpte und mit einem Bleistift ihrem Rand bis zum Henkel entlang fuhr. Seit 2002 hat die Firma als Guild GmbH ihren Sitz in der Schweiz, in Ramsen bei Stein am Rhein.
Bei den Aufnahmen arbeiten wir mit Fachleuten zusammen, die für grosse internationale Firmen und unabhängige kleinere und grössere Labels tätig sind. Unsere Programmschwerpunkte sind Welt-Erstaufnahmen, vergessene Werke bekannter Meister, noch nicht entdeckte Komponisten und Schweizer Musiker sowie historische Aufnahmen, etwa die Toscanini Legacy und Mitschnitte der Metropolitan Opera New York.
Wir arbeiten intensiv mit der Zentralbibliothek in Zürich und mit der Allgemeinen Musikgesellschaft Zürich zusammen, produzieren CDs mit Chören wie dem Salisbury Cathedral Choir und den Chören der Cambridge und Oxford University - und als Steckenpferd pflegen wir die grossen englischen und amerikanischen Unterhaltungsorchester mit ihren Light-Music-Hits der Dreissiger- bis Fünfzigerjahre.


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