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Dienstag, 16. August 2022

Holst, Gustav - Brook Green Suite

Schöne Miniaturen des 20. Jahrhunderts


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Wie man dieser CD entnehmen kann gab es auch manches sehr reizvolles jenseits des intellektuellen und des kommerziellen Mainstreams.

Die dritte Folge der Reihe English string miniatures des Labels Naxos wurde von der in Birmingham beheimateten Royal Ballet Sinfonia unter Leitung von David Lloyd-Jones eingespielt.
Wie schon auf den bisherigen Aufnahmen dieser Serie findet der Hörer auch auf dieser CD kürzere Werke für Streichorchester vor, die primär von allgemein wenig bekannten Komponisten geschrieben wurden. So enthält diese CD neben der selten zuhörenden Book Green Suite des namenhaften Komponisten Gustav Holst und Werken von Haydn Wood, der vor allem als Dirigent in Erinnerung geblieben ist, und Gerald Finzi, der zumindest in Fachkreisen als Liedkomponist einige Bekanntheit genießt, Streicherminiaturen von Carlo Martelli, William Blezard, Michael Hurd und Bruce Montgomery. Allesamt wurden vor dem 2. Weltkrieg geboren. Carlo Martelli’s Persiflage ist ein spieltechnisch sehr anspruchsvolles Stück. Die rhythmische Lebendigkeit und Verspieltheit steht im Mittelpunkt dieses Werkes. Ganz anders ist das nachfolgende Prelude von Gerald Finzi, der auf dieser CD mit zwei eher melancholischen anmutenden Werken vertreten ist. Besagtes Prelude ist in dem für Finzi’s Musik charakteristischen Ton gehalten. Die Harmonik ist spannungsreich, zeitweise auch mit eher an zeitgenössische Musik erinnerten dissonanten Akkorden, die Melodik ist jedoch durchgängig elegant und liedhaft angelegt. Deklamatorische Melodik ist Finzi fremd. Und trotz gelegentlicher Schärfen in der Harmonik bleibt seine Musik doch eher konservativ. Jedoch ist es Finzi gelungen, eine recht charakteristische Musiksprache aus der konservativen Grundanlage zu entwickeln, die man in vielen seiner Werke antrifft und für die das Prelude und auch die als zehntes Stück auf dieser CD vorgestellte Romance schöne Bespiele sind, die Werbung für einen zu Unrecht so unbekannten Komponisten des 20. Jahrhunderts sind.

Gustav Holst’s Brook Green Suite ist wie die weitaus bekanntere St. Pauls Suite für das Londoner Mädchengymnasium St. Paul geschrieben worden. Die Suite besteht aus drei Stücken, Prelude, Air und Dance. Das Prelude ist lebhaft und geprägt durch eine abfallende kontrapunktische Linie in den tiefen Streicher. Auch der 2. Satz Air wird dominiert von sehr lebhaften Unterstimmenlinien, die schlichter Melodik gegenübergestellt sind. Der abschließende Satz ist ein kurzer, rhythmisch prägnanter Satz. Die Harmonik der Suite ist gemäßigt modern und unterstützt vor allem in den Ecksätzen die vorwärts drängende Lebendigkeit der kurzen Stücke.

William Blezards Duetto ist ein langsames, nicht besonders auffälliges Stück mit gemäßigt moderner Harmonik.
An Michael Hurd’s dreisätzige Sinfonia Concertante weiß vor allem das subtile Andante zu gefallen, das von liedhafter Melodik und gemäßigt dissonanter Harmonik geprägt ist. Auch das Presto ist melodisch durchaus originell.
Haydn Wood’s neoklassizistisches An 18th Century Scherzo ist zwar harmonisch eindeutig ein Werk des 20. Jahrunderts, hat jedoch einige harmonische und kontrapunktische Bezugspunkte zur Musik des 18. Jahrhunderts und wird seinem unterhaltenden Anspruch durchaus gerecht.

Das abschließende Concertino for string orchestra von Bruce Montgomery ist dann wieder etwas interessanter. Harmonisch deutlich im 20. Jahrhundert verwurzelt, gelingen Montgomery eine Reihe unerwarteter, aber wirkungsvoller harmonischer und rhythmischer Moment. Die Melodik hingegen ist nicht so ausdrucksstark wie etwa bei Finzi.
Im ganzen ist diese CD eine runde Sache mit einigen schönen Miniaturen, auch wenn die Qualität der Stücke insgesamt nicht so hoch ist wie etwa auf der ersten Aufnahme dieser Serie. Diese CD ist jedoch wie die ganze Serie denjenigen Hörern ans Herz zu legen, die sich dafür interessieren, was die E-Musik im 20. Jahrhundert jenseits des intellektuellen Mainstreams und der Filmmusik hervorgebracht hat – und das ist viel. Wie man dieser CD entnehmen kann auch manches sehr reizvolles jenseits des intellektuellen und des kommerziellen Mainstreams.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 



Kritik von Frédéric Döhl,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Holst, Gustav: Brook Green Suite

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
Naxos
1
20.08.2001
60:30
2001
2001
Medium:
EAN:
BestellNr.:
CD
0747313506927
8.555069

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Holst, Gustav


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Dirigent(en):Lloyd-Jones, David
Orchester/Ensemble:Royal Ballet Sinfonia
Interpret(en):Gibbs, Robert (Violin)


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Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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