> > > Sibelius, Jean: Sinfonien Nr. 4 & 5
Freitag, 7. August 2020

Sibelius, Jean - Sinfonien Nr. 4 & 5

Der zweite Zyklus geht in die zweite Runde


Label/Verlag: Octavia
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die zweite Auseinandersetzung Vladimir Ashkenazys mit den Sibelius-Sinfonien geht in die zweite Runde. Geringfügig geschliffene Interpretationen, aber mieser Raumklang (bei hingegen brillanter Stereo-Qualität).

Bereits in den 1980er Jahren hat Vladimir Ashkenazy mit dem Philharmonia Orchestra eine vielbeachtete Einspielung sämtlicher Sinfonien des Finnen Jean Sibelius (1865-1957) vorgelegt. Vielleicht war es der im vergangenen Jahr zelebrierte 50. Todestag des Komponisten, der den Dirigenten veranlasste, noch einmal zu diesem gewichtigen – wenn leider auch bis heute nicht nur von Adorno-Hörigen verkannten – Sinfonienzyklus des 20. Jahrhunderts zurückzukehren, nun aber mit dem Royal Philharmonic Orchestra aus Stockholm. Die Reihe ist beim japanischen Label Exton untergekommen; bereits erschienen sind die erste und dritte Sinfonie, nun folgen auf einer weiteren SACD die vierte und fünfte, ergänzt um das populäre ‚Finlandia’ op. 26/7.

Analytisch geschärfter Blick

Während die ersten beiden Sinfonien recht schnell fester Bestandteil der Konzertprogramme geworden sind, haben es die fünf darauf folgenden Sinfonien stets schwerer gehabt. Das liegt natürlich tatsächlich an der Musik, die sich, wie im Falle der vierten Sinfonie a-Moll op. 63, mit einer auf den ersten Blick doch recht schroffen Herbheit umgibt und am Ende sogar den triumphalen Ausklang verweigert, oder einfach in ihrer Architektur nicht den Erwartungen an eine klassische Sinfonie entspricht, so wie es – neben anderen – auch in der fünften Sinfonie Es-Dur op. 82 zu beobachten ist, die Sibelius aus prozesshaften Entwicklungen organisch erwachsen lässt. Ein Vergleich mit dem früheren Zyklus zeigt, dass Ashkenazy seiner Sicht auf die Dinge im Wesentlichen treu geblieben ist. Dennoch sind im Detailbereich einige Nuancen zu beobachten; generell scheint beim heutigen Ansatz eine leichte Verschiebung zu Gunsten von Kontrolle und analytischer Transparenz auf Kosten von Explosivität und Feuer stattzufinden, wobei zum Glück auch sentimentale Ausbrüche in ihre Schranken verweisen werden. Eine Kehrtwende oder einen Quantensprung vorwärts jedoch darf man freilich nicht erwarten. Das Stockholmer Orchester folgt dem Dirigenten mit Sachverstand und Spielfreude; hier gefallen die warmen Streicher, die vielstimmig filigrane Strukturen ebenso hinzutupfen verstehen wie samtig zarte Klangteppiche zu erzeugen.

Kaum Klang von hinten

Die erwähnte klangliche Transparenz wird durch die Tonqualität im Stereo-Modus wirkungsvoll unterstützt, da sämtliche Orchesterinstrumente und -gruppen großzügig über den gesamten Raum verteilt werden. Solistische Stimmen heben sich deutlich ab, ohne den Rest des Geschehens zu dominieren, und etwa bei imitatorischen Stellen lassen sich reizvolle antiphonische Effekte beobachten. Schade ist jedoch, dass die 2006 und 2007 aus Material aus Live-Konzert und Studiositzungen zusammengestellte Aufnahme im Surround-Modus kaum eine Steigerung bringt, ja fast gar schlechter klingt. Die hinteren Lautsprecher bringen kaum etwas heraus, und der Nachhall wirkt hier metallisch und dumpf ­– im Gegensatz zum Stereo-Klangbild, das außerordentlich natürlich wirkt. Ungeachtet von Ashkenazys interpretatorischem Feinschliff gegenüber dem früheren Zyklus dürfte sicher die Aussicht auf bestechenden Raumklang ein wesentliches Kaufargument gerade für diejenigen sein, die bereits Einspielungen der Sinfonien, vielleicht sogar diejenigen Ashkenazys, besitzen. Dass die Neueinspielung gerade auf diesem Sektor so wenig zu bieten hat, ist dann doch eine mittelgroße Enttäuschung. Die äußerliche Gestaltung der CD ist schon wegen des hochglänzenden Materials sehr ansprechend, aber auch das Motiv hat seinen Reiz. Der Booklet-Text, der in englischer und japanischer Sprache vorliegt, bietet einen kompakten Einstieg in die Werke; dass die englische Übersetzung aber als separates Faltblatt beigelegt wurde, zerstört den noblen Eindruck dann doch merklich.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Sibelius, Jean: Sinfonien Nr. 4 & 5

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Octavia
1
25.04.2008
Medium:
EAN:

SACD
5425008376233


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Octavia

EXTON & TRITON sind zwei audiophile Reihen von Octavia Records aus Japan, die sich vornehmlich auf europäische Sinfonik, Klaviermusik und Kammermusik spezialisiert haben.

Die Zusammenarbeit mit so bedeutenden Orchestern wie Sydney Symphony, Royal Stockholm Philharmonic Orchestra, Pittsburgh Symphony Orchestra, Netherlands Radio Philharmonic Orchestra und so berühmten Dirigenten und Künstlern wie Vladimir Ashkenazy, Manfred Honeck, Sakari Oramo, Pascal Rogé, Jaap van Zweden u.v.a. zeugen von derem hohen Anspruch.


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