> > > Suk, Joseph: Sinfonie E-Dur op. 14
Samstag, 28. Mai 2022

Suk, Joseph - Sinfonie E-Dur op. 14

Uneingeschränkt entdeckungswürdig


Label/Verlag: Supraphon
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die frühe E-Dur-Sinfonie des Dvorák-Schülers Josef Suk ist eine Entdeckung wert, vor allem, wenn sie so engagiert dargeboten wird wie hier. Leider etwas muffiger Klang, der die letzte Brillanz vermissen lässt.

Josef Suk (1874-1935) war nicht nur Antonín Dvoráks hochbegabter Lieblingsschüler, sondern bald auch mit seinem Lehrer familiär verbunden, heiratete er doch Dvoráks Tochter Otilie. Als sein verehrter Lehrer 1904 starb, begann Suk sofort mit der Arbeit an einer Trauermusik; das Schicksal jedoch wollte es, dass auch Otilie kurz darauf und viel zu früh verstarb, so dass Suk dem noch nicht vollendeten Werk auch ein Porträt seiner geliebten Frau beifügen konnte. Die so entstandene ergreifende ‚Asrael-Sinfonie’ ist Suks vielleicht bedeutendstes Werk. Aus heitereren Zeiten stammt die noch ganz traditionell gehaltene und kaum bekannte Sinfonie E-Dur op. 14, die aus dem frühen Schaffen Suks herausragt; sie entstand in der Zeit der aufkeimenden Liebe zu Otilie, die – noch vor Vollendung der Sinfonie – in der Hochzeit gipfelte. Die Sinfonie mag man als Leistungsnachweis eines jungen Komponisten in der ‚Königsdisziplin’ der Orchestermusik ansehen, sie weist aber dennoch reichlich schöne Einfälle und einige ganz besonders reizvolle Themen auf; das Seitenthema im ersten Satz etwa ist eine wahre Perle, wie man sie nur selten findet. Für den hierzulande kaum bekannten Josef Suk ist das allerbeste Werbung!

Ungeschickte Dramaturgie

Da wundert es auch nicht, dass es das tschechische Label Supraphon ist, das hier den Mitschnitt eines tschechischen Konzerts aus dem Jahre 2007 mit der sträflich vernachlässigten E-Dur-Sinfonie Suks vorlegt, der um zwei Werke des Lehrers Dvorák ergänzt wird: die Konzertouvertüren ‚In der Natur’ op. 91 und ‚Karneval’ op. 92. Ein ‚Othello’ komplettiert die beiden Ouvertüren zu einem Zyklus; dieser erklingt hier jedoch nicht. Eben dieser Umstand bringt ‚Karneval’ zwar in die Position des effektvollen Rausschmeißers, lässt die beiden Ouvertüren aber auch als eher unmotiviertes Anhängsel erscheinen. Wäre es da nicht klüger gewesen, die beiden Ouvertüren die Sinfonie umrahmen zu lassen? Das hätte sogar eine im Booklet ausgeführte Beobachtung verdeutlicht: Hier nämlich wird auf Anklänge von Dvoráks ‚In der Natur’ in Suks Sinfonie – insbesondere im Kopfsatz! – hingewiesen.

Hörbares Engagement

Das vom jungen, aufstrebenden Pultstar Tomás Netopil geleitete Prager Sinfonieorchester legt sich hörbar ins Zeug für die Musik seiner Landsmänner. Die spannungsreiche Live-Atmosphäre überträgt sich sehr gut auf den Hörer, so dass dieser auch kleinere Defizite in Sachen Intonation und Präzision leicht verschmerzen kann. Im Ganzen betrachtet spielt das Orchester wirklich hervorragend, und es gibt immer wieder außerordentlich gelungene Stellen zu bewundern. Mit einem Mehr an klanglicher Schärfe und feiner ausgearbeiteten Details wäre aus dem Werk sicher noch mehr herauszuholen – das soll die vom musikantischen Schwung getragene Deutung der Prager aber nicht schmälern. Der knackige Schluss von ‚Karneval’ bestätigt die offenbar bewusst angestrebte Schlusswirkung. Schade, dass das Konzert klangtechnisch nicht perfekt vermittelt wird; der Orchesterklang ist zwar transparent und räumlich sehr gut gestaffelt, über der ganzen Aufnahme liegt jedoch ein leicht metallisch-dumpfer Nebel, das Ganze wirkt bisweilen etwas blutarm und nicht immer natürlich. Konzertbedingte Störgeräusche hingegen finden sich kaum, nur ab und an wird einmal gehustet. In Verbindung mit dem ansprechenden Booklet eine insgesamt lohnende Platte mit einem uneingeschränkt entdeckungswürdigen Werk.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Suk, Joseph: Sinfonie E-Dur op. 14

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Supraphon
1
25.04.2008
Medium:
EAN:

CD
099925394127


Cover vergössern

Supraphon

Supraphon Music ist das bedeutendste tschechische Musiklabel und besitzt bereits eine lange Geschichte. Der Name "Supraphon" (der ursprünglich ein elektrisches Grammophon bezeichnete, das zu seiner Zeit als Wunderwerk der Technik galt) wurde erstmals 1932 als Warenzeichen registriert. In den Nachkriegsjahren erschien bei diesem Label ein Großteil der für den Export bestimmten Aufnahmen, und Supraphon machte sich in den dreißiger und vierziger Jahren besonders um die Verbreitung von Schallplatten mit tschechischer klassischer Musik verdient. Die künstlerische Leitung des Labels baute allmählich einen umfangreichen Titelkatalog auf, der das Werk von BedYich Smetana, Antonín Dvorák und Leos Janácek in breiter Dimension erfasst, aber auch andere große Meister der tschechischen und der internationalen Musikszene nicht vernachlässigt. An der Entstehung dieses bemerkenswerten Katalogs, auf den Supraphon heute stolz zurückblickt, waren bedeutende in- und ausländische Solisten, Kammermusikensembles, Orchester und Dirigenten beteiligt.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...

Titel bei JPC kaufen


Von Christian Vitalis zu dieser Rezension empfohlene Kritiken:

Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Supraphon:

  • Zur Kritik... Prachtvolle orchestrale Spätwerke: Tomáš Netopil und das Radio-Symphonieorchester Prag präsentieren fünf Werke aus der Feder ihres Landsmannes Bohuslav Martinů und können dabei vollauf überzeugen. Weiter...
    (Dr. Michael Loos, )
  • Zur Kritik... Ausflug ins tschechische Viola-Repertoire: Jitka Hosprová engagiert sich leidenschaftlich für drei tschechische Violakonzerte, die allerdings in ihrer Substanz nur teilweise gelungen sind. Weiter...
    (Dr. Michael Loos, )
  • Zur Kritik... Musikstadt Prag: Supraphon bringt eine Zusammenstellung aus verschiedensten Orchesterstücken mit Bezug zu Prag heraus. Weiter...
    (Anneke Link, )
blättern

Alle Kritiken von Supraphon...

Weitere CD-Besprechungen von Christian Vitalis:

  • Zur Kritik... Bretonische Legende auf der Opernbühne: Ordentliche Aufnahme aus Liège der heute recht unbekannten Oper 'Le Roi d'Ys' von Édouard Lalo. Zwar nicht Referenzklasse-Niveau, angesichts der geringen Auswahl aber dennoch empfehlenswert, sofern man sich für die Oper interessiert. Weiter...
    (Christian Vitalis, )
  • Zur Kritik... Homogener als erwartet: Eine Gegenüberstellung von Orgelwerken finnischer Komponisten und solchen von J. S. Bach und Buxtehude bietet Kari Vuola mit dieser Platte. Faktisch fallen die im Titel versprochenen Kontraste geringer aus als erwartet. Weiter...
    (Christian Vitalis, )
  • Zur Kritik... Stille und Einkehr: Es sind hier drei Konzertstücke zu hören, deren Entdeckung eine lohnende Bereicherung ist. Der Japaner Toshio Hosokawa versteht sich auf Musik an der Grenze zur Stille. Gelungene Interpretationen aus Luxemburg. Weiter...
    (Christian Vitalis, )
blättern

Alle Kritiken von Christian Vitalis...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Liebesgrüße aus Windsor: The Queen's Six können es im leichten und populären Repertoire: Eine feine Platte, frische Arrangements – ein schöner Streifzug. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Klassiker wiederaufgelegt: Ein konzertanter Livemitschnitt von Tschaikowskys 'Pique Dame' in idiomatischer Wiedergabe. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Sächsische Eigentümlichkeiten: Das Ensemble Polyharmonique und das Wrocław Baroque Orchestra mit der qualitätvollen Deutung einer Franz Xaver-Vesper von Johann David Heinichen und einem vernehmlichen Plädoyer für diesen Komponisten. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (5/2022) herunterladen (2400 KByte) Class aktuell (4/2021) herunterladen (7000 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich