> > > Sibelius, Jean: Sinfonien Nr. 5 & 7
Sonntag, 20. Oktober 2019

Sibelius, Jean - Sinfonien Nr. 5 & 7

Ideale Balance


Label/Verlag: Pentatone Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Der Kauf dieser Wiederveröffentlichung lohnt sich also nur für Technik-Freaks, die das Mehrkanalfeature auch tatsächlich nützen können! Der technisch ?normal? bestückte CD-Sammler kommt mit der herkömmlichen Ausgabe günstiger weg.

Sir Colin Davis’ Auseinandersetzung mir dem symphonischen Oeuvre Sibelius’ ist auf Tonträger bestens dokumentiert, vor einiger Zeit kamen Livemitschnitte mit dem London Symphonie Orchestra in die Plattenläden, bereits in den 70er Jahren entstand eine schon damals in Mehrkanaltechnik aufgenommene Studioeinspielung aller Symphonien mit dem Boston Symphonie Orchestra. Zwei davon, die Nummern fünf und sieben, sind gemeinsam mit der Tondichtung ‘En Saga’ nun bei Pentaton classics als SACD erschienen.

Der entstehungsgeschichtliche Hintergrund dieser drei im Konzertsaal häufig anzutreffenden Stücke gibt einen umfassenden Einblick in die Schaffensweise des Komponisten, für den eine Symphonie ‘ja keine ‚Composition’ in gewöhnlicher Bedeutung’, sondern ‘vielmehr ein Glaubensbekenntnis’ war.Dieser von Jean Sibelius während der Arbeit an seiner Vierten schriftlich festgehaltene Gedanke macht verständlich, weshalb der finnische Musiker seine Werke oft noch nach der Uraufführung tiefgreifenden Revisionen unterzog. Die 1915 in Helsinki erstmals gespielte fünfte Symphonie zählt heute gemeinsam mit der zweiten zu den Meistgespielten des Komponisten. Wie unzufrieden er mit der ursprünglichen Gestalt seiner Schöpfung war, zeigt die Tatsache, dass er die Partitur bis 1919 zwei Mal überarbeitete - unter anderem wurden die ersten beiden Sätze zu einem einzigen zusammengezogen - und ein Verbot (!) erließ, die vorangegangenen Versionen aufzuführen.

Sibelius’ siebte und letzte Symphonie erfuhr nur in Bezug auf die Bezeichnung eine Änderung: Das Uraufführungspublikum lernte sie 1924 in Stockholm noch als ‘Phantasia Sinfonica’ kennen. Um das einsätzige Werk deutlich von seinen Symphonischen Dichtungen abzugrenzen entschloss sich der Komponist schließlich zu der Bezeichnung Symphonie. Auch der Entstehungsprozess der frühen Tondichtung ‘En Saga’ weist sie sozusagen als ein ‘work in progress’ aus: Während seiner Wiener Studienjahre konzipierte Sibelius’ zunächst ein Oktett und 1892 ein Septett. Allerdings rückte er bald von diesen Vorhaben ab und brachte das Orchesterwerk ‘En saga’ zu Papier, in das Themen aus den verschollenen Kammermusikwerken einflossen. Sibelius dirigierte die wenig erfolgreiche Uraufführung in Helsinki 1893 selbst und legte seine Schöpfung danach  zur Seite. Erst im Zusammenhang mit einer für das Jahr 1902 ins Auge gefassten weiteren Aufführung machte sich Sibelius wieder an die Arbeit und veränderte neben der Instrumentierung auch kompositionstechnische Aspekte, in dem er etwa die Melodielinie in ein komplexes Stimmengewebe einflocht.

Beim (Wieder-)Hören der auch auf einem normalen CD-Player hervorragend natürlich klingenden Aufnahme bestätigt sich wieder die verdiente hohe Wertschätzung, die Colin Davis’ Bostoner Einspielung seit jeher entgegengebracht wurde. Davis schafft die Balance, die Struktur der Partituren zu durchleuchten und trotzdem den klanglichen und emotionalen Aspekt (die theatralischen dynamischen Steigerungen und Tempowechsel erfüllen unaufdringlich aber effektiv ihren Zweck!) nicht zu kurz kommen zu lassen. Das Boston Symphony Orchestra klingt im Vergleich zu den Londoner Kollegen in allen Instrumentengruppen brillanter aber mitunter auch etwas äußerlicher.   

Der Kauf dieser Wiederveröffentlichung lohnt sich also nur für Technik-Freaks, die das Mehrkanalfeature auch tatsächlich nützen können! Der technisch ‘normal’ bestückte CD-Sammler kommt mit der herkömmlichen Ausgabe günstiger weg. 

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Sibelius, Jean: Sinfonien Nr. 5 & 7

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Pentatone Classics
1
01.01.2013
Medium:
EAN:

SACD
827949017766


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Pentatone Classics

PentaTone wurde im Jahr 2001 von drei ehemaligen Leitenden Angestellten der Philips Classics zusammen mit Polyhymnia International (dem ehemaligen Philips Classics-Aufnahmezentrum) ins Leben gerufen.
Die Gründer von PentaTone sind überzeugt, dass der 5-Kanal Surround-Sound allmählich den heute noch gängigen Stereo-Sound ersetzen wird, vor allem weil er die Hörerfahrung immens bereichert. Die Einführung der Super Audio-CD (SA-CD) durch Sony und Philips hat es dem Hörer ermöglicht, sich den Konzertsaal direkt ins eigene Wohnzimmer zu holen. Die SA-CD hat im Vergleich zur CD eine weitaus höhere Speicherkapazität und sie kann 5-Kanal-Informationen in hoher Auflösung aufnehmen. Deshalb bietet die SA-CD einen hochwertigen Surround Sound.
Alle PentaTone-Aufnahmen erscheinen auf sog. hybriden SA-CDs, die zwei miteinander verbundene Schichten haben. Die erste enthält das normale CD-Signal, während auf der zweiten das Surround-Sound-Signal abliegt. Diese hybriden Tonträger können mit Stereo-Effekt auf jedem normalen CD-Spieler abgespielt werden. Um den Surround Sound-Effekt zu erzielen, benötigt man einen SA-CD-Spieler.
PentaTone baut seit einigen Jahren mit den hervorragenden Aufnahmen von Polyhymnia International einen neuen Klassikkatalog auf, der die berühmtesten Werke der Musikgeschichte enthält, interpretiert von absoluten Weltklasseinterpreten. So wurden Symphonie-Zyklen von Beethoven, Bruckner, Schostakowitsch und Schumann begonnen. Ein Brahms-Zyklus mit Marek Janowski am Pult des Pittsburgh Symphony Orchestra ist bereits erschienen. Sämtliche Werke für Violine und Orchester von Mozart wurden mit Julia Fischer aufgenommen, dem "Gramophone Artist of the Year 2007". In seiner kurzen Geschichte hat PentaTone bereits zahlreiche renommierte Preise gewonnen, darunter einen Grammy, einen Gramophone Award, einen Preis der deutschen Schallplattenkritik, zwei Echos, zwei Diapason d'Ors de l'année und einen CHOC de l'année.
Neben den Neuaufnahmen veröffentlicht PentaTone auch historische Surround Sound-Aufnahmen auf SA-CD. Dafür hat PentaTone sämtliche, zwischen 1970 und 1980 von Philips Classics im Quadrophonie-Verfahren entstandenen Aufnahmen für die Herausgabe auf SA-CD lizenziert. Auf diesen Einspielungen sind die legendären Philips Classics-Künstler jener Epoche zu hören. Mit dem heutigen SA-CD-System kommen diese spektakulären und hochwertigen 4-Kanal-Aufnahmen so zur Geltung, wie man es ursprünglich geplant hatte. Die Serie trägt den Titel "RQR" (Remastered Quadrophonic Recordings).


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