> > > Mussorgsky, Modest: Khovanshchina
Donnerstag, 1. Oktober 2020

Mussorgsky, Modest - Khovanshchina

Unentschlossenes Politdrama


Label/Verlag: Opus Arte
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Mussorgskys 'Chowanschtschina' vermag nicht gänzlich zu überzeugen.

Aufgrund seiner unzureichenden dramaturgischen Konzeption unvollendet geblieben: Modest Mussorgskys Oper ‘Chowanschtschina’ ist auch in der unentschlossenen Version von Stein Winge am Gran Teatro del Liceu Barcelona nur schwer tragfähig.

Allein die Idee, die politischen Wirrnisse im 17. Jahrhundert um den Konflikt zischen Bojaren und Streglitzen kurz vor der Machtübernahme durch den späteren Zaren Peter ‘der Große’ ins stalinistische Russland zu verlagern, liegt nahe, ist daher schon einige Male realisiert worden, und gerät damit als Leitidee fast altbacken.

Noch dazu, weil lediglich Prinz Iwan, in Väterchens Pelz gehüllt, mit Maschinengewehren in die Luft schießen und den militärischen Apparat befehligen darf. Vladimir Ognovenkos Darstellung wird hier in seinem betont finsteren Gebaren fast zum Russenklischee. Trotz souveräner gesanglicher Leistung schlägt der Versuch, ihn als Angelpunkt der Handlung aufzubauen vor allem inszenatorisch fehl.

Dabei ist Regisseur Winge mit der Problematik des Stoffs durchaus vertraut und weiß um die Wichtigkeit von tragenden Eckpfeilern: Mussorgsky hatte kurz nach ‘Boris Godunow’ mit der Arbeit an der neuen Oper begonnen und dabei noch vor dem Ausarbeiten eines Librettos einzelne Szenen vertont. Das mag erklären, warum zwar Teilmomente der Oper berückend dicht sind, sich jedoch kein großer Bogen über die binnendramaturgisch gelungenen Momente spannt.

Doch selbst solche, wie beispielsweise die musikalisch umwerfende Weissagungsszene, werden durch statische Biederkeit entwürzt. Eine scheinbare Zeitlosigkeit mischt sich in das Kaltkriegsrussland, kleidet das Volk in Sack und Asche und das Militär in historisierende Kostüme à la Zar Peter. Der Konflikt zwischen militärischer Diktatur und religiös-sektiererischer Subkultur in der Opposition gerät zur halbgaren Farce. Ein politisches Drama als Alternative zur Volksoper, wie es vom Regisseur angedacht war, wird daraus nicht, weil der Mut zum wirklichen politischen Bekenntnis oder gar einer heute zeitgemäßen Stellungnahme fehlt.

Dass die knapp dreieinhalb Stunden nicht völlig in Belanglosigkeit ertrinken, ist einigen guten bis sehr guten Einzelleistungen zu verdanken. Elena Zaremba, anfangs mit gewöhnungsbedürftiger Vibratoamplitude, leuchtet die Rolle der Marfa differenziert aus und vollführt einen interessanten Spagat zwischen emotional Involvierter und religiös-fanatischer Märtyrerin.

Graham Clark in der Nebenrolle des zwielichtigen Schreibers gelingt hier ein neuerliches Bravourstück an darstellerischer Präzision, Tragigkomik und sängerischer Brillanz, wie man sie schon von ihm aus Arbeiten wie Patrice Chérauxs ‘Wozzeck’ gewohnt ist.

 Dirigent Michael Boder stützt mit dem Sinfonieorchester des Gran Theatre del Liceu das Geschehen sehr souverän. Viele verschiedene Farben werden aus Dmitri Schostakowitschs Orchestrierung herausgearbeitet. Ob die voluminösen monumentalen Stellen zu dick geraten oder nur ein aufnahmetechnisches Problem sind, bleibt offen. Doch eine gute und ruhige Bildregie macht die Konzeption anschaulich und nachvollziehbar.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Features:
Regie:






Florian Wetter Kritik von Florian Wetter,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Mussorgsky, Modest: Khovanshchina

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Opus Arte
2
14.03.2008
Medium:
EAN:

DVD
809478009894


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