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Samstag, 28. Mai 2022

Celeste Sirene spielen - Werke von Castaldi, Kapsberger u.a

Marco Polo an der Santur


Label/Verlag: Cavalli Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Als wäre es ein Leichtes, kombinieren das Berliner Ensemble ,Celeste Sirene' und iranische Musiker 19 Stücke aus Europa und Persien auf ihrer CD ,Gol o Bolbol'. Dieses kulturelle Crossover ist ebenso ausgezeichnet wie höchst lustvoll interpretiert.

Es läge so nahe, zu allererst darauf hinzuweisen, wie bereichernd das Mit- und Nebeneinander zweier sehr unterschiedlicher Kulturen sein kann, wie im Falle der europäischen und persischen. Beweisstück A wäre die Musik auf der vorliegenden CD. Man müsste sich beeilen, das Berliner Ensemble ,Celeste Sirene' für dieses bei CAVALLI-RECORDS erschienene Produkt zu loben, weil damit Augen und Ohren geöffnet werden für die Besonderheit der traditionellen persischen Musik im Vergleich zur europäischen, und es als ,pädagogisch wertvoll' bezeichnen.

Lust an der Sache

 

All das haben die vier Musikerinnen und Musiker mit Harfe, Gamben, Lauten, Violonen und Gesang aber gar nicht nötig. Sie kommen mit den reizenden Stücken so verblüffend leger daher, dass jegliche gute Absicht und Hintergründigkeit zweifelsohne weit hinter dem Genuss am Musizieren gestanden hat. Im Booklet wird zwar souverän der Wissensdurst darauf gestillt, was es mit dem Titel der CD, ,Gol o Bolbol' (,Rose und Nachtigall'), der Eigentümlichkeit der Santur (des hier erklingenden persischen Instruments) und der traditionellen persischen Musik, vor allem mit der Kombination der ausgewählten Liedern aus Persien und Europa auf sich hat. Doch ist man mit der sinnlichen Interpretation dieses unterhaltsamen Repertoires schon so angefüllt, dass man die Theorie erst mal auf später verschiebt. Abgesehen von zwei Stücken von Marin Marais (1656-1728) handelt es sich selbst für erfahrene Alte-Musik-Freunde um eher seltenes Instrumental- und Vokalwerk aus dem italienischen, spanischen und französischen Sprachraum vom 14. bis frühem 18. Jahrhundert.

Kulturübergreifend

 

Dass die sieben traditionellen persischen Stücke sich völlig bruchlos in die Trackliste einfügen, ist so verblüffend wie plausibel. In den bis ins 14. Jahrhundert zurück reichenden und um etwa 1900 aufgezeichneten Stücken dominiert die hundertsaitige, dem Hackbrett sehr ähnliche Santur, welche lieblich glockenartige, durchdringend helle Klänge erzeugt. Im Booklet erzählt die Gambistin Christiane Gerhardt, wie sie in Berlin zusammen mit iranischen Musikern ihre erste Begegnung mit der Santur und der persischen Musik hatte, wie sie zusammen mit ihnen Arrangements für europäische Stücke entwickelte und dabei auf Unterschiede, aber vor allem gemeinsame Wurzeln der fremden Kulturen stießen, deren geschichtliche und politische Entwicklungen sich als roter Faden durch die Musik spinnt. Wieder einmal zeigt sich: Egal, ob im Orient oder im Okzident - die sinnliche und übersinnliche Liebe ist hier und dort das Thema Nr. 1, durchzogen von tiefer Melancholie, aber auch - der Schelm darf nicht fehlen - von einer hübschen Portion Ironie!

Anregend und witzig

 

Diese wiederum verkörpert Niels Badenhop mit seiner geschmeidigen, strahlend hohen Tenorstimme wunderbar und ganz im Tonfall der ,commedia dell'arte'. Auch der Rest der Musiker von ,Celeste Sirene' sowie deren Gäste Rusbe Torkashvand-Nezhad (Santur, Percussion) und Manouchehr Fouladvand (Santur, Sprechgesang) beeindrucken durch gelöste Kunstfertigkeit und gefühlvolle Musikalität. Die vielseitigen perkussiven Elemente in den Stücken (Tombak, Kastagnetten, Glocken, Tambourin etc.) machen diese musikalische Reise zu einem pfiffigen, beinahe süchtig, auf jeden Fall gute Laune machenden Kultur-Crossover.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Celeste Sirene spielen: Werke von Castaldi, Kapsberger u.a

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Cavalli Records
1
01.04.2008
Medium:
EAN:

CD
4028183003362


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Cavalli Records

Das Label CAVALLI-RECORDS entwickelte seit 1990 ? dem Beginn der CD-Produktionen ? ein klares Firmenprofil: Aufnahme und Veröffentlichung von qualitätvollen Werken der Musikliteratur aller Epochen, die bisher nicht auf Tonträgern erhältlich waren. So stellte gleich eine der ersten Produktionen ? CCD 206 mit bisher unbekannten und unveröffentlichten Streichquartetten von Ludwig van Beethoven ? eine kleine Sensation dar, die in der Fachpresse entsprechend gewürdigt wurde. Durch eigene musikologische Forschungsarbeit sowie durch Zusammenarbeit mit namhaften Musikerpersönlichkeiten bereichert seither das Repertoire von CAVALLI-RECORDS die einschlägigen Kataloge immer wieder mit Komponistennamen, die man bisher vergeblich in Schallplattenkatalogen suchte. Aber auch selten oder nicht eingespielte Werke von bekannteren Komponisten finden ihren Weg in unser Repertoire, sei es dank besonderer Interpretation der jeweiligen Musikerpersönlichkeit, sei es durch besondere Berücksichtigung der entsprechenden Aufführungspraxis und des zeitgenössischen Instrumentariums. Somit stellt sich CAVALLI-RECORDS als Label für ein besonderes Repertoire aus fünf Jahrhunderten dar, immer auf Entdeckungsreise im weiten Reich der Klassischen Musik. Jedoch: die ?Kleine Nachtmusik? sucht man bei CAVALLI-RECORDS vergebens...


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