> > > Roussel, Albert: Sinfonie Nr. 2
Sonntag, 16. Mai 2021

Roussel, Albert - Sinfonie Nr. 2

Roussel ins rechte Licht gerückt


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ein musikalischer und klanglicher Glücksfall: Stéphane Denève und das Royal Scottish National Orchestra brillieren mit drei Werken von Albert Roussel.

Wahrscheinlich war er der musikalischste Leutnant zur See in der Geschichte der französischen Streitkräfte: Albert Roussel (1869 – 1937) diente als junger Mann in der Marine, erst mit 25 Jahren wandte er sich professionell dem Komponieren zu. Man könnte also von einem Spätentwickler sprechen, der zudem noch sehr selbstkritisch war – seine Frühwerke hat Roussel allesamt vernichtet. Die veröffentlichten Schöpfungen aus seiner Feder zeichnen sich fast durchgehend durch handwerkliche Perfektion aus und hatten zu Lebzeiten des Komponisten meist auch großen Erfolg. Heute ist Roussel zwar nicht vergessen, aber doch weniger bekannt als beispielsweise seine Zeitgenossen Franck oder Fauré. Gelegentlich auf den Konzertprogrammen zu finden sind die Kammermusikwerke, doch Roussels Orchesterkompositionen – darunter vier Symphonien – führen ein Schattendasein. Stéphane Denève und das Royal Scottish National Orchestra wollen mit dieser CD drei Werke aus den Jahren 1919 bis ´26 ins rechte Licht rücken: die zweite Symphonie, die Tondichtung 'Pour une fête de printemps' und die Suite in F-Dur.

Die Symphonie ist dreisätzig, wobei sich die Ecksätze deutlich ausgedehnter präsentieren als der 'Modére'-Mittelabschnitt. Leise und grüblerisch beginnt der Kopfsatz, erst allmählich kommt es zu kunstvollen polyphonen Entwicklungen, die von Denève bestens herausgearbeitet werden. Der Dirigent versteht es, alle Instrumente gleichermaßen ins Geschehen einzubinden. Roussels Themen sind oft chromatisch verästelt und selten unmittelbar eingängig, was wohl eine Erklärung für den zunächst nur mäßigen Erfolg des Werkes ist. Das schottische Orchester präsentiert das etwas sperrige Stück jedenfalls exzellent, gerade die Holzbläser können sich bestens entfalten. Insbesondere die Präzision des Zusammenspiels ist zu loben, alle drei Sätze werden mit höchster Genauigkeit interpretiert. Dabei ist den Klangtechnikern eine mustergültige Balance gelungen, zarteste Streicher-Pianissimi bleiben gut hörbar, kraftvolle Ausbrüche des Blechs decken nicht die übrigen Instrumente zu. Ohne Zweifel ist Roussels zweite Symphonie ein Werk, das mehrfaches Hören verlangt und auch belohnt – langweilig wird es dabei angesichts der herausragenden Interpretation des schottischen Orchesters gewiss nicht.

Die beiden anderen Werke sind kompakter, stehen der Symphonie substanziell aber nicht nach. Weniger düster als die Zweite präsentiert sich 'Pour une fête de printemps', eine weitere Gelegenheit für die Holzbläser des Orchesters, sich virtuos in den Vordergrund zu rücken. Zudem kann sich der Konzertmeister mit einem reizvollen Violinsolo profilieren. Die drei Satztitel der F-Dur-Suite (Prélude, Sarabande und Gigue) legen es nahe, das Werk dem Neobarock zuzuordnen, doch eine solche Deutung greift zu kurz. Die alten Tanzsätze dienten Roussel lediglich als Gerüst zur Entfaltung seiner kompositorischen Phantasie. Das Ergebnis kann sich hören lassen: Hohe Orchesterkunst wird von den schottischen Musikern in einer nicht weniger kunstvollen Interpretation wiedergegeben. Wie in der Symphonie lässt der Klang keine Wünsche offen, die Henry Wood Hall in Glasgow kommt dem Orchester offenbar besonders entgegen.

Unter dem Strich gibt es gleich drei Gründe, dem Musikfreund diese CD ans Herz zu legen. Erstens wird Albert Roussel hier als Komponist dreier erstklassiger Orchesterschöpfungen präsentiert, zweitens befinden sich die Werke beim Royal Scottish National Orchestra in besten Händen und drittens stimmt auch die Klangqualität. Etwas bescheiden ist an dieser Veröffentlichung lediglich das Booklet ausgefallen. Doch sonst gilt: Bestnoten für Roussel, Denève und die Musiker aus Glasgow.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Roussel, Albert: Sinfonie Nr. 2

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Naxos
1
04.04.2008
Medium:
EAN:

CD
747313052974


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Roussel, Albert
 - Sinfonie Nr. 2 - Lent
 - Sinfonie Nr. 2 - Modere
 - Sinfonie Nr. 2 - Tres Lent
 - Pour une fete de printemps -
 - Suite in F - Prelude
 - Suite in F - Sarabande
 - Suite in F - Gigue


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Orchester/Ensemble:Royal Scottish National Orchestra


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Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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