> > > Schumann, Robert: Fantasie C-Dur op. 17
Sonntag, 29. Mai 2022

Schumann, Robert - Fantasie C-Dur op. 17

Zwei Unbedingte


Label/Verlag: Supraphon
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Swjatoslaw Richter treibt still und leise das Dionysische Schumanns hervor.

Supraphon hat Prager Livemitschnitte Swjatoslaw Richters aus den fünfziger Jahren herausgebracht, in digitaler Bearbeitung. Es geht um Schumann: ‘Fantasie’ op. 17, ‘Waldszenen’ op. 82, eine Auswahl der ‘Fantasiestücke ‘op. 12, schließlich den ‘Marsch’ op. 76.

Robert Schumann bildet nicht eigentlich den Repertoireschwerpunkt Swjatoslaw Richters. In seinen Konzertprogrammen nehmen Beethoven, Schubert oder Chopin kaum weniger Raum ein. Dennoch lässt sich eine besondere Seelenverwandtschaft Swjatoslaw Richters zu Schumann feststellen, in ihrer beider Liebe zum Extrem und der Verachtung aller Kompromisse. In diesem Sinne kann Richter als Schumanns berufener Interpret gelten, ein Gegenstück zu Wilhelm Kempff, der Schumann gleichsam nach innen, ins Lyrisch-Zarte und Pastellene wendet. Das soll nicht heißen, bei Richter fehlte es an Nuancen, Schattierungen. Er hält sich mit Vorliebe in piano- und mezzopiano-Zonen auf, bei durchaus gemächlichen Tempi. Der Anschlag tönt bemerkenswert schlank, geradezu gläsern, eine Präferenz fürs non-legato, die klangliche Schärfen dennoch vermeidet, muss selbst Puristen behagen. Beides zeugt von der eindrucksvollen geistigen Eigenständigkeit Richters und seiner Distanz zur russischen Schule. Von kraftstrotzendem, tumbem Klaviertitanentum kann keine Rede sein. Trotzdem kommen die heldischen Aufschwünge Schumanns zur Geltung, besonders im ‘Moderato, ma energico’ der ‘Fantasie’. Wenn Richter schließlich ins ‘Andante sostenuto e sempre mezza voce’ des dritten Satzes wechselt, stellt sich Bewunderung ein für den Ambitus seines Darstellungsvermögens.

Ein charakteristischer Mangel sei nicht verschwiegen: Swjatoslaw Richter legte eine staunenswerte Gleichgültigkeit gegen Klaviere an den Tag. Er nahm, was ihm gegeben wurde, und war es zufrieden. Nicht, dass der Flügel im Prager Rudolfinum der Jahre 1956 und 1959 eklatante Mängel zeigte. Im Verbund mit suboptimaler Aufnahmetechnik (Mono) entsteht aber ein dumpfes, belegtes Klangprofil, als fehlten Obertonreihen, die Strahlkraft und Farbe erzeugen. Mag sein, dass häufiger Einsatz des Dämpfers seinen Teil dazu beiträgt. In Konkurrenz mit Wilhelm Kempffs watteauhaftem, blühendem Kolorit à la Bechstein fallen dergleichen klangliche Mängel durchaus ins Gewicht. Das gilt besonders für jene Abschnitte der ‘Waldszenen’ (‘Vogel als Prophet’, ‘Abschied’), in denen Schumann feinste Klanggespinste webt, aus geradezu impressionistischem Geist. So ist bei aller Bewunderung für Swjatoslaw Richter in klanglicher Hinsicht (und nicht nur in dieser) Kempffs späten Schumann-Aufnahmen (Deutsche Grammophon) der Vorzug zu geben.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Schumann, Robert: Fantasie C-Dur op. 17

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Supraphon
1
28.03.2008
Medium:
EAN:

CD
099925379520


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Supraphon

Supraphon Music ist das bedeutendste tschechische Musiklabel und besitzt bereits eine lange Geschichte. Der Name "Supraphon" (der ursprünglich ein elektrisches Grammophon bezeichnete, das zu seiner Zeit als Wunderwerk der Technik galt) wurde erstmals 1932 als Warenzeichen registriert. In den Nachkriegsjahren erschien bei diesem Label ein Großteil der für den Export bestimmten Aufnahmen, und Supraphon machte sich in den dreißiger und vierziger Jahren besonders um die Verbreitung von Schallplatten mit tschechischer klassischer Musik verdient. Die künstlerische Leitung des Labels baute allmählich einen umfangreichen Titelkatalog auf, der das Werk von BedYich Smetana, Antonín Dvorák und Leos Janácek in breiter Dimension erfasst, aber auch andere große Meister der tschechischen und der internationalen Musikszene nicht vernachlässigt. An der Entstehung dieses bemerkenswerten Katalogs, auf den Supraphon heute stolz zurückblickt, waren bedeutende in- und ausländische Solisten, Kammermusikensembles, Orchester und Dirigenten beteiligt.


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