> > > Frescobaldi, Girolamo: Toccata per spinetta e violino
Samstag, 11. Juli 2020

Frescobaldi, Girolamo - Toccata per spinetta e violino

Ergreifender Einblick in alte Klangbilder


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Spielfreude und der lebendige Vortrag der Musiker ist sofort spürbar und zieht einen unweigerlich in seinen Bann.

Die CD bietet eine Zusammenstellung von acht Arien, sechs Canzonen und drei Toccaten, die sich in erfrischender Weise abwechseln. Der Hörer bekommt somit einen schönen Einblick in die eher unbekannte Klangwelt und Kompositionskunst von Girolamo Frescobaldi, der zu seiner Zeit auch als ein weitgefeierter Orgel- und Cembalovirtuose galt.
Die Stücke stammen aus der Zeit 1615 bis 1630, also der Übergangsphase der Spätrenaissance zum Frühbarock. Teils sind sie in Frescobaldis Amtszeit am Petersdom in Rom entstanden, teils in Florenz, wo er am Hofe der Medici von 1628 bis 1634 eine Anstellung als Organist innehatte. Sein kompositorisch wichtigstes Stilmittel ist die kontrastreiche Abwechslung fugenartiger Satzkunst mit Akkordpassagen, welches besonders gut in den Canzonen deutlich wird. Bei den Arien legte er großen Wert auf die Textverständlichkeit, auf die Aufteilung der Stimmen in Melodie und Begleitung, wie es dann ja auch schon als Idiom für die Oper galt. Besonders reizvoll sind die Stücke aber, weil sie für den Musiker noch großen Improvisations- und Gestaltungsfreiraum lassen. Dies wurde von Frescobaldi auch gewünscht, sogar gefordert.

Die hervorragenden Musiker des Ensembles Anthonello, allesamt auch vorzügliche Solisten, geben einen ergreifenden Einblick in die alten Klangbilder, die ihren Charme noch lange nicht verloren haben. Die Spielfreude und der lebendige Vortrag der Musiker ist sofort spürbar und zieht einen unweigerlich in seinen Bann. Die Balance der Stimmen ist weise ausgelotet, die Instrument rein intoniert.
Sind vielleicht für manch einen Rezipienten die Stücke beim ersten Mal noch etwas befremdlich, weil fast 400 Jahre alt, wird er sich beim mehrmaligen Hören kaum der schlichten Anmut entziehen können. Die Musiker harmonieren vollkommen miteinander, belassen dem Werk seine Transparenz, seine Leichtigkeit, seine Ruhe, seinen tänzerischen Charakter. Trotz der zahlreichen Verzierungen und Diminutionen, wirkt es nie überladen. Die Musiker geben sich Gegenseitig den Freiraum den der Einzelne für die optimale Ausgestaltung seiner Stimme braucht. Das dadurch zuweilen etwas freiere Metrum ist keinesfalls störend, sondern eher notwendig und typisch für die damalige Zeit.

Das Ensemble Anthonello, benannt nach dem alten Meister Anthonello de Caserta, hat sich auf die Musizier- und Aufführungspraxis alter Musik spezialisiert. Zunächst mag jedoch erstaunen, dass keiner der fünf Musiker aus dem abendländischen Raume stammt. Sie kommen alle, mit Ausnahme des Lautisten, der aus Montevideo/Urugay stammt, aus Japan. Ihren abgeschlossenen Studien gaben sie allerdings den letzten Schliff an der Schola Basiliensis Schweiz und die Sopranistin war Stipediantin an der Akademie für alte Musik in Amsterdam.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 



Kritik von Rupert Dintinger,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Frescobaldi, Girolamo: Toccata per spinetta e violino

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
BIS Records
1
17.08.2001
63:38
2000
2001
Medium:
EAN:
BestellNr.:
CD
7318590011669
BIS-CD-1166

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Frescobaldi, Girolamo


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Interpret(en):Anthonello, (Ensemble)


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BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


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