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Samstag, 29. Januar 2022

Mozart, Wolfgang Amadeus - Streichquartette KV. 499 & 575

Mozart, die Vierte


Label/Verlag: Profil - Edition Günter Hänssler
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Klenke-Quartett präsentiert in der vierten Folge seines Mozart-Zyklus eine Interpretation von hoher stimmlicher Tiefenschärfe und präziser Feinabstimmung, legt dabei allerdings ein nicht unbedingt herkömmliches Mozart-Verständnis an den Tag.

Das Klenke-Quartett hat die vierte CD seines 2004 begonnenen, vom Südwestrundfunk produzierten und bei der Edition Hänssler erschienenen Mozart-Zyklus´ vorgelegt. Nach den ‘Haydn-Quartetten’ widmet sich die ausnahmslos aus ehemaligen Absolventinnen der Weimarer Hochschule für Musik ‘Franz Liszt’ bestehende Formation nun den Werken KV 499 und 575. Ersteres in D-Dur ist auch unter dem Beinamen ‘Hoffmeister-Quartett’ bekannt, den es dem gleichnamigen Komponisten und Verleger verdankt, welchem Mozart die Komposition widmete und der sie 1786 im Wiener Erstdruck veröffentlichte.

Bereits in dessen Kopfsatz wird auf Anhieb der für das Ensemble charakteristische Klang deutlich: Die vier jungen Musikerinnen pflegen einen eher kraftvoll-entschlossenen denn warmen und sanften Ton. Die einzelnen Stimmen greifen mit hoher Präzision ineinander und harmonieren in einem stets ausgewogenen Verhältnis. Diese Eigenschaften kommen dabei durch die vorzügliche Tonqualität der Aufnahme überaus vorteilhaft zur Geltung.

Bei aller Klarheit der Intonation wirkt die stilistische Handhabung jedoch – gerade in diesem Werk – nicht immer einwandfrei. So klingen vor allen Dingen in der Durchführung des einleitenden Allegretto die Endungen einzelner Phrasen für mozartsche Verhältnisse ungewohnt schroff aus. Das Menuett samt Trio wirkt relativ schleppend, die Melodielinie ist  trotz der vorhandenen Synkopierungen übermäßig scharf akzentuiert.

Als weitere Folge einer relativ forschen Gangart wird aus dem Adagio kurzerhand ein Andante und bleibt hier dementsprechend die kantable Linie des zarten, hoch sensiblen Stimmengefüges teilweise auf der Strecke. Innerhalb der vom Komponisten vorgeschriebenen, häufig auftauchenden dynamischen Wechsel gerät das Forte hin und wieder beinahe schon aggressiv und bleibt demgegenüber das Piano oftmals eher im Bereich eines Mezzoforte. Sehr opulent fallen auch die Crescendi aus, deren voluminöser Bogen sich fast schon bis ins Romantische spannt. Auch im Finalsatz geht die eher rational-analytische Auffassung, vor allem in der kontrapunktisch geprägten Durchführung, immer wieder auf Kosten mozartscher Leichtigkeit und Delikatesse.  

Weit überzeugender gelingt hingegen die Darbietung des zweiten Werks gleicher Tonart, das der Reihe der letzten drei Streichquartette Mozarts, den so genannten ‘Preußischen Quartetten’, zugehörig ist. Mit deren Anfertigung war er von König Friedrich Wilhelm II. von Preußen beauftragt worden, den er anlässlich seiner 1789 unternommenen Reise nach Potsdam und Berlin kennen gelernt hatte. Nach seiner Rückkehr nach Wien machte Mozart sich an die Arbeit und schrieb dem Regenten, seines Zeichens selbst ein passabler Cellist, die entsprechende Partie quasi auf den Leib, weshalb diese denn auch stellenweise in besonderem Maße hervorgehoben ist.

Im Allegretto werden ‘sotto voce’ und ‘dolce’ wirklich beim Wort genommen und darf sich, ebenso wie im Andante, ein wesentlich feiner ausbalancierter, weicherer Ton ausbreiten. Auch der tänzerische Charakter des Menuetts kommt hier überzeugend zum Tragen, und der Schlusssatz erklingt in wunderbar sanfter Schwerelosigkeit.

Alles in allem vermittelt die Einspielung einen eher avantgardistischen, tendenziell leicht herben und sachlichen Mozart-Sound, der allemal spannend ist, sicherlich aber zu polarisieren vermag. Verfechter eines traditionellen, bewusst klassisch orientierten Klangbilds dürften damit vermutlich weniger glücklich werden als jene, die einer modernen, betont dynamischen und energiegeladenen Perspektive aufgeschlossen gegenüber stehen. Unabhängig davon wartet das Klenke-Quartett jedoch ohne Frage durchweg mit stimmlicher Transparenz, erfrischender Spiellaune und gewissenhafter Feinabstimmung auf, bei der keine der Akteurinnen dazu neigt, sich in den Vordergrund zu spielen. Und in jedem Fall hört man hier tatsächlich, wie Goethe sich einmal mit Blick auf die gemeinhin als musikalische Königsdisziplin geltende, intimste aller kammermusikalischen Gattungen auszudrücken pflegte, ‘vier vernünftige Leute sich miteinander unterhalten’.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Mozart, Wolfgang Amadeus: Streichquartette KV. 499 & 575

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Profil - Edition Günter Hänssler
1
06.03.2008
49:33
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
881488403022
PH04030


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EDITION GÜNTER HÄNSSLER - EIN LABEL MIT "PROFIL"
Bei der Gründung seiner "EDITION GÜNTER HÄNSSLER" und dem neuen Label "PROFIL" betrat Produzent Günter Hänssler, der ehemalige Chef des erfolgreichen Labels Hänssler Classics, mit einer ganz klaren Philosophie und Zielsetzung den Klassik-Markt:
"Nur ein Label mit einem klaren PROFIL, mit einem eindeutigen Wiedererkennungseffekt hat heute noch eine Chance auf dem heiß umkämpften CD-Markt - um die Liebhaber klassischer Musik heute mit einem Produkt zu überzeugen braucht man Originalität, Innovation und optimierte Vertriebswege."
Der Name PROFIL ist Programm. Günter Hänssler denkt in Serien. Nur groß angelegte Projekte haben heute noch eine Chance, sich nachhaltig auf dem Markt wiederzufinden. So entstanden international hoch gepriesene und mehrfach mit internationalen Preisen ausgezeichnete Editionen wie die EDITION STAATSKAPELLE DRESDEN oder die GÜNTER WAND EDITION.
Die Repertoire-Politik ist charakteristisch. Eine Auswahl erster internationaler Künstler finden sich im Programm von PROFIL ebenso wieder wie erfolgreiche Newcomer der Klassikszene, darunter das mehrfach preisgekrönte Klenke-Quartett, das in der Interpretation von Kammermusik in den letzten Jahren neue Maßstäbe setzen konnte.
Ergänzt wird das Repertoire durch ausgewählte, digital aufwendig restaurierte historische Aufnahmen, Interpretationen von legendärem Ruf in neuer, bisher nicht gekannter digitaler Klangqualität. Auf diese Weise schlägt PROFIL die Brücke von der Vergangenheit in die Gegenwart und versteht sich so auch als Bewahrer musikalischer Traditionen.
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