> > > Vierne, Louis: : Orgelsymphonien Nr. 3 und 5
Donnerstag, 28. Oktober 2021

Vierne, Louis: - Orgelsymphonien Nr. 3 und 5

Spirituelle Synästhesien


Label/Verlag: Carus
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Freunden der Orgel sei diese Neuproduktion wärmstens empfohlen.

Nächst César Franck und Charles Widor gilt Louis Vierne als Oberhaupt der französischen Orgelschule. (Für die Moderne wäre Olivier Messiaen zu nennen.) César Franck verdankt er ein musikalisches Erweckungserlebnis, Widor ist sein Lehrer. Schwere Erkrankungen formen Viernes musikalische Imagination, zuvörderst seine Erblindung. Aristide Cavaillé-Colls Instrumente versetzen Vierne in die Lage, Farben zu hören und hören zu lassen.

Die ‘Kern-Orgel’ (2005) ist die schönste Rechtfertigung für den Wiederaufbau der Frauenkirche in Dresden. Sie verfügt über kaum weniger als 5000 Pfeifen in vier Manualen zuzüglich Pedal. Kern, eine Straßburger Werkstatt, war erfolgleich bemüht, die impressionistische Farbenpracht der französischen Schule à la Cavaillé-Coll mit den Vorzügen der alten Dresdener Silbermann-Orgel zu vereinigen. (Niemand anderes als Johann Sebastian Bach hatte dieses Instrument inauguriert.) Samuel Kummer, Schwabe, Jahrgang 1968, amtiert als Haus- und Hauptorganist der Frauenkirche. Als Schüler Werner Jacobs ist er mit allen Wassern des Orgelspiels gewaschen. Wie keiner ist er mit dem Dresdner Instrument vertraut, seinen Chancen wie Risiken. Hier bietet er Louis Viernes Orgelsymphonien Nr. 3 und Nr. 4, je halbstündige, fünfsätzige Suiten, formal an die klassische Sinfonien- und Sonatenform angelehnt. Unter Kummers Händen stellt sich zuweilen die Illusion ein, man höre Louis Vierne selbst, auf einer der Orgeln Cavaillé-Colls. Die Tempi sind eher gemessen, Kummers Grifftechnik souverän: So wird Deutlichkeit geschaffen. Bernhard Güttlers Aufnahmetechnik schließlich bildet den Raumklang der Frauenkirche recht exakt ab. Von hypertrophem Kathedralenklang kann keine Rede sein – trotz satten Halls und Aura. Kurzum: Ein Dresden-Kulturerbebonus wird nicht benötigt. Diese Einspielungen stehen für sich selbst – und unverbrauchte protestantische Orgelkultur.

Als Produzenten firmieren die Stiftung Frauenkirche Dresden und der Stuttgarter Carus-Verlag. Dem Cover verleihen sie ein angemessen seriöses, leicht zeremonielles Erscheinungsbild in rot-weiß-goldener Farbigkeit. Eine eindrucksvolle Photographie zeigt den kompletten Hochalter und Orgelprospekt. Mit Michael Wersin konnte ein ausgewiesener Fachmann als Autor des Booklettextes gewonnen werden. Er weiß zu unterhalten – und kenntnisreich zu belehren. Wie wenige versteht es Wersin, seinen Essai rhetorisch sinnvoll zu gliedern und dramaturgisch effektvoll zum Schluss hin zu steigern: ‘Am 2. Juni 1937 starb Louis Vierne während eines Konzerts an der Notre-Dame-Orgel [Paris].’

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Vierne, Louis: : Orgelsymphonien Nr. 3 und 5

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Carus
1
01.03.2008
66:40
2007
Medium:
EAN:
BestellNr.:

SACD
4009350834057
8340500


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"Louis Vierne gilt als einer der größten spätromantischen Orgelkomponisten. Seine Werke bilden einen wesentlichen Beitrag zum Genre der französischen Orgelsymphonien. Carus eröffnet die Gesamteinspielung der Orgelwerke von Vierne an der neuen Orgel der Frauenkirche Dresden mit den Symphonien Nr. 3 und 5. Diese beiden großartigen Werke sind für jeden Organisten eine Herausforderung. Samuel Kummer nutzt als Organist der Frauenkirche die Möglichkeiten der neuen französischen Kern-Orgel hervorragend aus, so dass sich die Klangpracht der Musik in der herrlichen Akustik der Frauenkirche überwältigend entfaltet. Nicht nur für Orgelmusik-Liebhaber bietet diese SACD uneingeschränkten Hörgenuss!"


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Carus

Der Name Carus steht weltweit als ein Synonym für höchsten Anspruch und Qualität auf dem Gebiet geistlicher Chormusik. Dies betrifft nicht nur unsere zuverlässigen Noteneditionen vieler zu Unrecht in Vergessenheit geratener Werke. Es ist uns ein besonderes Anliegen, gerade diese Werke - oft als Weltersteinspielungen - auch in exemplarischen Interpretationen durch hochrangige Interpreten und Ensembles auf CD vorzulegen. Der weltweite Erfolg unseres Labels führte zur Erweiterung unseres Katalogs: Neben der Chormusik, die weiterhin den Schwerpunkt des Labels bildet, haben gerade in den letzten Jahren einige Aufnahmen barocker Instrumentalwerke internationale Beachtung gefunden. Unsere Zusammenarbeit mit erstklassigen Interpreten führte zu einer hohen Klangkultur, die mit der Verleihung vieler internationaler Preise honoriert wurde (Diapason d'Or, Preis der Deutschen Schallplattenkritik, Gramophone - Editor's choice).


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