> > > Haydn, Joseph: Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze op. 51 Nr. 1-7
Dienstag, 30. November 2021

Haydn, Joseph - Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze op. 51 Nr. 1-7

Sieben Worte auf Wolke sieben


Label/Verlag: Berlin Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Einspielung von Haydns ‘Sieben Worten’ mit dem Klenke-Quartett bietet eine wahrhaft fesselnde, durch und durch verinnerlichte Interpretation dieses Werks, mit der die vier jungen Damen ihre bisherigen, viel beachteten Aufnahmen übertreffen.

Nach seiner vorangegangenen intensiven Beschäftigung mit Mozart präsentiert das Klenke-Quartett auf seiner neuen, in Zusammenarbeit mit dem MDR bei BERLIN Classics veröffentlichten CD nun Haydns ‘Sieben Worte’ Hob. XX:1b. Das Werk, ursprünglich als Orchestermusik zur Karfreitagsmesse komponiert und daneben übrigens auch noch in einer Klavier- sowie Oratorienfassung existent, entstand 1786 und steht seinem Aufbau nach abseits jeglicher damals gebräuchlicher musikalischer Formen: die im Mittelpunkt stehenden sieben, allesamt langsamen (!) Sätze werden umrahmt von einer Introduktion sowie dem abschließenden ‘Erdbeben’.

Und von Beginn an atmet die Musik in der vorliegenden Aufnahme regelrecht die programmatische Handlung. Kraftvoll und impulsiv erklingt das dramatische Einleitungsmotiv. Das nachfolgende Adagio taucht die Thüringer Formation in einen zauberhaft anmutigen, samtweichen Klang. Mit vollendeter stimmlicher Präzision kommt die ausgereifte und anspruchsvolle Satzkunst Haydns vollauf zur Geltung.

Mit Jesu Worten ‘Heute wirst Du mit mir im Paradies sein’ ist der zweite Satz überschrieben. Und von geradezu paradiesischer Schönheit ist auch darin der  feingliedrige Klangteppich, der ausgebreitet wird. In den zartfühlenden Piano-Abschnitten mit ihrer bittersüßen Kantilene erzeugen die vier ein derart hohes Maß an atemberaubender, sphärischer Spannung, dass man die sprichwörtliche Stecknadel fallen hören könnte.

Im darauf folgenden ‘Grave’ mit seinem pulsierenden Beginn und all der hinein komponierten Traurigkeit herrschen ebenfalls ein durch und durch beseelter Ton sowie subtilste Phrasierung und Artikulation vor. Und auch im weiteren Verlauf ist das Spiel der Musikerinnen geprägt von einem Höchstmaß an nuancenreicher, musikalischer Ausdruckskraft – man meint geradezu auf einer Klangwolke Wolke von zerbrechlicher, melodischer Schönheit zu schweben. Den immer wiederkehrenden, die intime Melancholie jäh zerreißenden Momenten des Aufschreis von Schmerz und Verzweiflung kommt der dem Ensemble im Forte-Bereich ohnehin von Natur aus eigene, eher scharfe und akzentuierte Ton dramaturgisch nur zugute.

Kurz gesagt: Diese Einspielung nimmt den Hörer vom ersten Takt an gefangen und lässt ihn bis zum Ende nicht mehr los. Die vier jungen Musikerinnen liefern hier eine Interpretation, die schlicht begeistert und zu keiner Zeit an Intensität nachlässt. Das exzellent gestaltete und illustrierte Booklet tut schließlich ein Übriges, um diese Platte jedem nur wärmstens ans Herz legen zu können.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Haydn, Joseph: Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze op. 51 Nr. 1-7

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Berlin Classics
1
22.02.2008
74:17
2008
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
782124163129
0016312BC


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"Mit dieser CD heißt das Label Berlin Classics das herausragende junge Klenke-Quartett willkommen! Schon in ihrer Hochschulzeit in Weimar fanden sich die vier Musikerinnen zusammen und debütierten auf der Bühne im Jahr 1994. Seitdem haben sie sich nicht nur in die vorderste Reihe deutscher Quartette gespielt, sondern besitzen bereits einen unverwechselbaren Charakter, der Publikum und Kritiker regelmäßig in Staunen versetzt: Bei den Klenkes finden sich Tugenden vereint, die sonst selten aufeinandertreffen, wie Klarheit und Farbigkeit, Transparenz und Homogenität, Texttreue und Intensität. Hierfür wurden sie unter anderem mit dem Midem Classical Award in Cannes ausgezeichnet. Dieser Live-Mitschnitt der „Sieben Worte“ von Joseph Haydn ist ein besonders eindrückliches Beispiel ihrer Quartettkunst: Eine berührende Stunde Musik, wie sie die Weimarer Herderkirche erfüllte und die Zuhörer in Meditation über die Passion Jesu versetzte. Hier ist etwas eingefangen, was sich im Studio nicht ereignet, ein außergewöhnlicher Moment, als den auch das Ensemble ihn erlebte. „So pflegt die famose Frauen-Formation einen insgesamt schlanken, angenehm transparenten Ensembleklang, der fraglos von den Errungenschaften der historisch informierten Aufführungspraxis profitiert - und dabei gleichwohl zahlreiche sinnlich-schöne Momente erblühen lässt.“ (Fono Forum 02/07) "


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Berlin Classics

Berlin Classics (BC) ist das Klassik-Label der Edel Germany GmbH. Es ist das Forum für zahlreiche bedeutende historische Aufnahmen, wichtige Beiträge der musikalischen Zentren Leipzig, Dresden und Berlin sowie maßgebliche Neuproduktionen mit etablierten und aufstrebenden jungen Klassik-Künstlern. Dazu zählen etablierte Stars, wie z.B. die Klarinettistin Sharon Kam, die Pianisten Ragna Schirmer, Sebastian Knauer, Matthias Kirschnereit, Anna Gourari und Lars Vogt, die Sopranistin Christiane Karg oder auch die Ensembles Concerto Köln, Pera Ensemble, sowie der Dresdner Kreuzchor und das Vocal Concert Dresden. Mehrfach wurden Produktionen mit einem Echo-Preis ausgezeichnet. Im Katalog von Berlin Classics befinden sich Aufnahmen mit Kurt Masur, Herbert Blomstedt, Kurt Sanderling, Franz Konwitschny, Hermann Abendroth, Günther Ramin, Peter Schreier, Ludwig Güttler, Dietrich Fischer-Dieskau, die Staatskapellen Dresden und Berlin, das Gewandhausorchester Leipzig, die Dresdner Philharmonie, die Rundfunkchöre Leipzig und Berlin, der Dresdner Kreuzchor und der Thomanerchor Leipzig. Sukzesssive wird dieses historische Repertoire für den interessierten Hörer auf CD wieder zugänglich gemacht, wobei die künstlerisch hochrangigen Analogaufnamen mit größter Sorgfalt unter Anwendung der Sonic Solutions NoNoise-Technik bearbeitet werden, um sie an digitalen Klangstandard anzugleichen.


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