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Montag, 21. Oktober 2019

Mozart, Wolfgang Amadeus - Requiem KV 626

Pompöser Wohlklang


Label/Verlag: LSO Live
Detailinformationen zum besprochenen Titel


In Summe hat man es hier mit einer gelungenen, aber nicht außergewöhnlich guten Interpretation des Werks zu tun. Freunden historischer Aufführungspraxis sei nachdrücklich empfohlen, die Finger von dieser CD zu lassen!

Es ist schon beinahe makaber seinen 80. Geburtstag mit dem Dirigat einer Totenmesse zu begehen, doch auf Sir Colin Davis Wunschzettel für das Festkonzert mit dem ihm seit Jahrzehnten verbundenen London Symphonie Orchestra stand neben einem späteren Klavierkonzert Mozarts (als Solistin war Mitsuko Uchida zu hören) auch dessen Requiem, das nun als Konzert-Mitschnitt aus dem Londoner Barbican Center vor kurzem veröffentlicht wurde.

Bei Colin Davis Auffassung von Mozarts Musik fühlt man sich von einer Zeitmaschine in eine Ära katapultiert, in der der Wohlklang regierte und die Originalklangbewegung noch in Kinderschuhen um Akzeptanz und Anerkennung zu kämpfen hatte. Rein klanglich könnte man es hier genauso gut mit einem Werk Beethovens oder Schumanns zu tun haben. Die superben Streicher - ganz besonders die tiefen - klingen samtig und zugleich wuchtig, die Bläser schöpfen ebenfalls klanglich aus dem Vollen. Davis’ Interpretation in die Ecke der  veralteten Alt-Herren-Dirigate zu schieben wäre aber mehr als ungerecht, denn die vollkommen organisch wirkenden flüssigen Tempi in Kombination mit den rhythmischen Akzentuierungen verleihen der Aufführung eine pulsierende, nie versiegende Lebendigkeit. Das Solistenquartett, bestehend aus bei uns weitgehend unbekannten britischen Künstlern, weist bei den Herrn leider erhebliche Defizite auf: Andrew Kennedy nennt einen wenig attraktiv, belegt klingenden Tenor sein eigen, Darren Jeffery zeigt bei seinem zentralen Solo im Tuba mirum vor allem wie eng seine Stimme klingt. Eher spröd wirkt der Mezzo Anna Stephanys, einzig der Sopranistin Marie Arnet würde man gerne wieder begegnen. Der London Symphony Chorus singt äußerst präzise, den hohen Stimmlagen fehlt es aber an klanglicher Geschmeidigkeit. Rein tontechnisch wirkt der Chor zu weit hinter dem dominierenden Orchester und Solisten positioniert, ansonsten ist das Klangbild transparent und natürlich.         

In Summe hat man es hier mit einer gelungenen, aber nicht außergewöhnlich guten Interpretation des Werks zu tun. Freunden historischer Aufführungspraxis sei nachdrücklich empfohlen, die Finger von dieser CD zu lassen!         

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Mozart, Wolfgang Amadeus: Requiem KV 626

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
LSO Live
1
01.03.2008
Medium:
EAN:

SACD
822231162728


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LSO Live

Einspielungen des Labels LSO Live vermitteln die Energie und Emotion der großartigsten Aufführungen mit höchster technischer Qualität und Finesse.

Liveaufzeichnungen bedeuteten früher gewöhnlich Kompromisse, aber heutzutage kann mit Hilfe der besten Aufnahmetechnik im Konzertsaal die Vitalität festgehalten werden, die im Studio so schwer nachzustellen ist.
Durch das Zusammenschneiden mehrerer Aufführungen können wir eine Vorlage schaffen, die die Spannung einer Konzertaufführung ohne unerwünschte Nebengeräusche bewahrt.

Seit 2000 veröffentlichte das LSO Live über 80 Alben und nahm zahlreiche Preise entgegen. Das London Symphony Orchestra war schon früher das am meisten aufgenommene Orchester der Welt, hatte es doch für zahlreiche Plattenfirmen gearbeitet und viele der berühmtesten Filmmusiken eingespielt. Die Investition in unsere eigenen Aufnahmen ermöglicht dem Orchester jedoch abzusichern, dass jede Veröffentlichung den höchsten Qualitätsansprüchen genügt und das Hören der besten Musik allen Menschen zugänglich ist.

Das LSO Live war eines der ersten klassischen Plattenfirmen, die Downloads anboten, um ein breiteres Publikum anzusprechen. Wir geben auch unsere Einspielungen im SACD Format (Super Audio Compact Disc) heraus. SACDs lassen sich auf allen CD-Spielern abspielen, ermöglichen aber den Hörern mit speziellen SACD-Spielern den Genuss eines hochaufgelösten, mehrkanaligen Klangs.

London Symphony Orchestra
Das London Symphony Orchestra wurde 1904 von einer Gruppe von Musikern gegründet, die für den Dirigenten Henry Wood spielten. Sie wollten ihr eigenes Orchester leiten und die Wahl haben, mit welchen Dirigenten sie zusammenarbeiteten. Sie beschrieben das LSO als eine musikalische Republik, und das Orchester war über Nacht ein Erfolg.

Heute gibt das LSO ungefähr 70 Konzerte pro Jahr in London und bis zu 90 auf Tournee. Es ist regelmäßig auf Konzertreise durch Europa, Nordamerika und im Fernen Osten. Waleri Gergijew ist seit 2007 Chefdirigent des LSO und Sir Colin Davis sein Präsident.

Das LSO organisiert auch das in der Welt am längsten laufende und umfangreichste Bildungsprogramm eines Orchesters: LSO Discovery. Mit seinem Sitz im Londoner Musikbildungszentrum LSO St Lukes schafft Discovery die Möglichkeit für Menschen aller Altersgruppen und Veranlagungen, mit Musikern des LSO zusammenzuarbeiten, etwas über Musik zu lernen und ihre Fertigkeiten zu entwickeln.


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