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Dienstag, 16. August 2022

Brahms, Johannes - Sinfonien Nr. 1 & 3

Angst vor Gefühlen


Label/Verlag: Genuin
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Dresdner Philharmonie unter Leitung von Rafael Frühbeck de Burgos pflegt anlässlich ihrer Präsentation von Brahms´ erster und dritter Sinfonie ein ziemlich gefühlsneutrales Klangbild, das Tiefgründigkeit und Aussagekraft vermissen lässt.

2008 ist bekanntlich Brahms-Jahr. So opulent wie diejenigen anlässlich des letzten großen Gedenk-Marathons zu Ehren Mozarts dürften die Feierlichkeiten insgesamt wohl nicht ausfallen, doch dürfen wir uns auch heuer über eine verstärkte Anzahl von dem Jubilar gewidmeten Veröffentlichungen freuen. Die Dresdner Philharmonie leistet unter der Leitung ihres Chefdirigenten Rafael Frühbeck de Burgos in Gestalt der bei Genuin erschienenen, immer wieder gern gewählten Kombination von Brahms´ erster und dritter Sinfonie ihren Beitrag hierzu.

‘Nun möchte ich noch die vermutlich sehr überraschende Mitteilung machen, dass meine Sinfonie lang und nicht gerade liebenswert ist.’ Diese Worte schrieb Brahms in seiner ihm eigenen, überaus selbstironischen Art, nachdem er sein erstes Werk dieser Gattung nach zähem, insgesamt sage und schreibe nahezu 14-jährigem Ringen vollendet hatte. Bereits 1862 hatte er die ersten Skizzen dazu niedergeschrieben, ehe er dann erst 1876 nach zahllosen Änderungen Vollzug melden konnte.

Der Kopfsatz mit seinem pathetischen Eingangsthema geht quasi unmittelbar ‘in medias res’ der Dramaturgie. Schon hier wie in dessen gesamten weiteren Verlauf zeigt sich bereits, dass die Interpretation dynamisch recht gleichförmig und vor allem gestalterisch an der Oberfläche bleibt. Klangliche Abstufungen sind ebenso wie die Herausarbeitung von Konturen bei der Phrasierung Mangelware.

Auch den beiden folgenden Sätzen fehlt es nachhaltig an Spannungsbögen, so dass auch sie relativ brav und bieder anmuten. Ohne hier für ein übersteigertes, falsches Pathos plädieren zu wollen: Das Orchester agiert in allen Instrumentengruppen  auffallend verhalten – beinahe so, als habe man vergessen, dass es sich hier immerhin um Literatur der Hochromantik handelt. Einzig im Finale – Brahms´ längstem Sinfoniesatz überhaupt – sind tatsächlich einmal deutliche Emotionen zu hören, erklingt an entsprechender Stelle ein echtes, fesselndes ‘con brio’.

Das acht Jahre später entstandene Opus 90 dringt in Frühbeck de Burgos‘ Deutung ebenfalls nicht wirklich zum Kern der komplexen Gefühlswelt brahmsscher Sinfonik vor und gerät gestalterisch weitgehend farblos. Wie schon im vorangegangenen Werk wirken zudem die Strukturen innerhalb des Streichersatzes ein wenig verschwommen – ein Umstand, der nicht allein der eher bescheidenen Tonqualität mit Hang zu etwas dumpfer Akustik geschuldet ist, auch wenn diese zweifellos ihren Teil dazu beiträgt. Ein Lob verdient hingegen die generell akkurate Intonation der Holzbläser. Auch innerhalb der F-Dur-Sinfonie ist es summa summarum am ehesten noch der Schlusssatz, der musikalische Leidenschaft und mitreißende, verinnerlicht vorgetragene Passagen beinhaltet.

Alles in allem erweisen sich die Protagonisten dieser Einspielung als nicht gerade berufene Gratulanten, die eher mit Selters als mit Sekt auf des Komponisten 175. Geburtstag anstoßen. Daher bietet die Aufnahme unterm Strich auch kein sonderlich  spannendes Hörerlebnis, das man guten Gewissens und mit Nachdruck empfehlen könnte.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Thomas  Gehrig Kritik von Thomas Gehrig,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Brahms, Johannes: Sinfonien Nr. 1 & 3

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Genuin
1
22.02.2008
Medium:
EAN:

CD
4260036251005


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Genuin

Im Jahr 2002 standen die jungen Tonmeister von GENUIN vor einer wichtigen Entscheidung: Sollte man sich weiterhin lediglich auf das Aufnehmen und Produzieren konzentrieren, oder auf die zahlreichen Nachfragen und positiven Rückmeldungen von Musikern und Fachzeitschriften eingehen und ein eigenes Label ins Leben rufen? In einer Zeit, in der praktisch alle großen Klassik-Label ihre Produktion eingestellt oder zumindest stark gedrosselt hatten, fiel die Entscheidung nicht leicht – aber sie fiel einstimmig aus: zugunsten einer offiziellen Vertriebsplattform für die GENUIN-Aufnahmen. Und der Erfolg hat nicht lange auf sich warten lassen.

Das Label GENUIN hat sich in seinem zwölfjährigen Bestehen zu einem Geheimtipp unter Musikern und Musikliebhabern entwickelt. Schon vor dem Leipzig-Debüt im Oktober 2004, einem Antrittskonzert im Robert-Schumann-Haus mit Paul Badura-Skoda, wurden die CDs in den deutschlandweiten Vertrieb gebracht und von Fachpresse und Musikerwelt hochgelobt. Inzwischen werden GENUIN-CDs in den meisten Ländern Europas sowie in Japan, Süd-Korea, Hongkong und den USA vertrieben.

Das Erfolgsrezept von GENUIN: Die gesamte Produktion, also die Beratung der Künstler bei Aufnahmeraum und Repertoire, die Vorbereitung und Durchführung der Aufnahme selbst, der Schnitt mit allen notwendigen Korrekturen, generelle Entscheidungen beim Cover- und Bookletentwurf bis hin zur fertigen Veröffentlichung liegen in der Hand der Tonmeister. Nur so haben die Musiker den größtmöglichen Entfaltungsspielraum bei der Einspielung und Gestaltung ihrer CDs. Und gleichzeitig kann bis zuletzt eine gleichbleibend hohe Qualität garantiert werden.

GENUIN bietet auch abseits ausgetretener Pfade etablierten Künstlern genauso wie der Nachwuchsgeneration die Möglichkeit, Musik nach eigenen Vorstellungen zu verwirklichen. Das macht sich positiv bemerkbar für die Hörer der mittlerweile mehr als 300 GENUIN-CDs mit Interpreten wie Paul Badura-Skoda, Nicolas Altstaedt oder der Dresdner Philharmonie.


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