> > > Glazunov, Alexander: Violinkonzert a-Moll op. 82
Freitag, 29. Mai 2020

Glazunov, Alexander - Violinkonzert a-Moll op. 82

Historische Verbindungen


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Mit den Violinkonzerten von Tschaikowsky und Glazunov liefern Vadim Gluzman und das Bergen Philharmonic Orchestra unter Andrew Litton eine bewegende Interpretation.

Aufnahmen der Violinkonzerte von Peter Tschaikowsky (1840-1893) und Alexander Glazunov (1865-1936) gibt es einige. Auch dass der Solopart auf einer Stradivari gegeben wird, muss man nicht unbedingt als Besonderheit veranschlagen. Im Falle vorliegender SACD bei BIS mit dem Violinisten Vadim Gluzman darf man dies jedoch gerne tun, denn mit seinem Cremoneser Instrument von 1689 hat es eine erwähnenswerte historische Bewandtnis. Über einhundert Jahre bevor der gebürtige Ukrainer und Schüler von Isaac Stern im Jahr 2007 die besagten Konzerte mit dem Bergen Philharmonic Orchestra unter der Leitung seines Chefdirigenten Andrew Litton einspielte, strich und zupfte darauf der Ungar Leopold Auer, seines Zeichens Lehrer für Violine am Moskauer Konservatorium, dort wo Glazunov Direktor war und Auer 1905 mit der Uraufführung seines Werkes in a-Moll op. 82 betraute. Insofern kann Gluzmans auch sonst erstklassige Aufnahme den Bonus historischer Authentizität für sich verbuchen. Dieser Bonus gilt delikaterweise allerdings nur bei Glazunov, denn für Tschaikowskys virtuoses Schwergewicht in D-Dur op. 42 war sich Auer wohl zu schade, das Uraufführungsangebot hat er damals jedenfalls abgelehnt.

Dabei scheint es unbegreiflich, wie man gegenüber diesem virtuosen Meisterwerk mit sehr viel Tiefgang jemals hat voreingenommen sein können. Hört man Gluzmans intensiven, zu Herzen gehenden Vortrag, so gelangt man unwillkürlich zu der Ansicht, zumindest der Kopfsatz sei mit das dramatischste, was ein virtuoses Violinkonzert im 19. Jahrhundert zustande gebracht hat. Das mag hauptsächlich an der idealen Art und Weise liegen, wie im Solopart bis zum Ausbruch des ersten Hauptthementuttis technische Ansprüche mit der Entwicklung einer an Spannung kaum zu überbietenden Steigerung zusammen gehen. Gluzmans Leistung liegt nicht zuletzt darin, solche Spannungsverläufe über sein glänzendes Spiel zu vermitteln, gräbt sich sein Bogen doch auf der G-Saite förmlich in das Holz hinein. Aber auch da, wo mehr die Inszenierung von Emotionalität durch Gesanglichkeit gefordert ist, wie in der Canzonetta, weiß Gluzmans durch betörendes Vibrato zu ergreifen. Dagegen wirft er sich zwar im direkt anschließendem Allegro Vivacissimo voll rhythmischen Feuers in die Saiten, gibt dabei aber manchmal der gefährlichen Verlockung einer Überstürzung des Tempos nach, wodurch seine Staccati mitunter zuviel Bodenhaftung aufweisen.

Was die Demonstration von Virtuosität anbelangt, nutzt Gluzman dazu das Schlussallegro von Glazunovs a-Moll Konzert in vollen Zügen, ob heikle Flageoletts, Doppelgriffe in hoher Lage oder simultane Pizzikati mit der linken Hand. Ebenso überzeugt das Bergen Philharmonic Orchestra, das mit seinem Gründungsjahr 1765 übrigens eines der ältesten Orchester der Welt ist, in seiner Begleitfunktion, der es exakt wie engagiert nachkommt. Besonders der warme Streicher- und Holzbläserklang nimmt für sich ein.

Mit auf der SACD übrigens auch Tschaikowskys op. 42, drei Stücke für Violine und Klavier unter dem Titel ´Souvenir d´un lieu cher´, hier allerdings im angenehm farbigen Orchesterarrangement von Glazunov zu hören.     

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Glazunov, Alexander: Violinkonzert a-Moll op. 82

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
BIS Records
1
29.01.2008
Medium:
EAN:

SACD
7318599914329


Cover vergössern

BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...

Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag BIS Records:

  • Zur Kritik... Hymnische Ruhe und feuriger Tanz: Itamar Zorman (Violine) reüssiert mit dem BBC National Orchestra of Wales unter Philippe Bach mit Violinwerken eines außergewöhnlichen Komponisten. Weiter...
    (Manuel Stangorra, )
  • Zur Kritik... Kunst des Liedduetts: 'Lost Is My Quiet' ist eine unaufgeregte, verträumte Hommage an die Kunst des Liedduetts, gespickt mit Soloperlen. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Am silbernen Faden: Camilla Tilling und Paul Rivinius liefern mit 'Jugendstil' ein nicht in allen Belangen überzeugendes, aber dennoch reizvolles Album, das mit schlichter Schönheit punktet. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
blättern

Alle Kritiken von BIS Records...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Aron Sayed:

  • Zur Kritik... Berliner Bruckner: Neun Sinfonien, acht Dirigenten, ein Orchester: Eine Bruckner-Aktualisierung, die Laune macht. Weiter...
    (Dr. Aron Sayed, )
  • Zur Kritik... D und d: Christian Tetzlaff spielt Violinkonzerte von Beethoven und Sibelius. Weiter...
    (Dr. Aron Sayed, )
  • Zur Kritik... Bruckner aus der Elbphilharmonie: Alan Gilbert verleiht Bruckners Siebter Sinfonie eine ätherische Breite. Weiter...
    (Dr. Aron Sayed, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Aron Sayed...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Begegnung mit Fanny und Felix: Auch Folge 10 der hörbiographischen Reihe von BR-Klassik unterstreicht den hohen Wert des bewährten Formats. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
  • Zur Kritik... Spätromantische Musik neu entdeckt: Das Künstlerduo Ingolffsson-Stoupel gibt einen sehr gelungenen Einblick in das noch nicht so bekannte französische Repertoire aus der Zeit der Belle Epoque. Weiter...
    (Michaela Schabel, )
  • Zur Kritik... Brillante Cello-Konzerte des Übergangs: Im weitesten Sinne 'vorklassisch' sind diese vier Konzerte dreier deutscher Komponisten. Alexander Rudins durchgängig klangschöne, pulsierende Einspielungen vermitteln die unterschiedlichen Wege im stilistischen Wandel bis 1760. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (4/2020) herunterladen (3000 KByte) Class aktuell (1/2020) herunterladen (4180 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Florian Leopold Gaßmann: Opera Arias

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Christian Euler im Portrait "Melancholie ist die höchste Form des Cantabile"
Bratschist Christian Euler im Gespräch mit klassik.com über seine Lehrer, seine neueste SACD und seine künstlerische Partnerschaft zum Pianisten Paul Rivinius.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich