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Donnerstag, 21. Januar 2021

Dukas, Paul - Sinfonie c-Moll

Viel zu selten gespielt


Label/Verlag: Sterling
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Sehr engagierte Darbietung von Werken des (leider viel zu unbekannten) Franzosen Paul Dukas, darunter mit zwei sinfonischen Dichtungen zu Goethes ‚Götz’ und Shakespeares ‚Lear’ sogar echtes Neuland.

Paul Dukas (1865-1935) war so selbstkritisch, dass viele seiner Kompositionen vor dem eigenen Urteil nicht Stand hielten und in strenger Konsequenz auch wieder vernichtet wurden. Entsprechend schmal ist das Oeuvre, das überliefert ist, das dafür aber (so sollte man meinen) eine entsprechend hohe Qualität aufweist. Das ist aber schwer zu beurteilen, da einige Kompositionen völlig unbekannt geblieben sind – zu Weltberühmtheit hat es letztlich nur das brillante Orchesterscherzo über Goethes ‚Zauberlehrling’ gebracht. Zwei überfällige Entdeckungen finden sich auf der vorliegenden SWR-Produktion, die beim – auf romantische Ausgrabungen spezialisierten – Label Sterling erschienen ist: ‚Goetz de Berlichingen’ nach Goethe sowie das von Shakespeares Tragödie inspirierte ‚Le Roi Lear’. Beide Stücke nannte Dukas ‚Ouvertüre’, ohne dass sie freilich – im engen Wortsinn – als solche konzipiert worden sein dürften; die beiden 1883 entstandenen Werke (insbesondere aber ‚Le Roi Lear’) sind in ihrem Umfang und ihrer Anlage nach eher als sinfonische Dichtungen anzusehen. Dukas’ Tonsprache ist hier noch deutlich von den Vorbildern der deutschen Romantik beeinflusst; dennoch vermochte er es, eine so packende und atmosphärisch dichte Musik zu schaffen, dass man die Abhängigkeit gern verzeiht.

Dur oder Moll oder was?

Das dritte Werk auf der CD ist Dukas’ einzige Sinfonie, die nicht nur in der Klangsprache deutlich eigenständiger ist (das Werk wurde schließlich auch 1896, also Jahre später geschrieben), sondern in Folge dessen auch bekannter geworden ist und – im Gegensatz zu den beiden Ouvertüren – auch bereits in einigen Einspielungen vorliegt. Im Konzertleben muss das Werk aber nichtsdestotrotz als sträflich vernachlässigt gelten, denn angesichts der Fülle herrlicher Einfälle und der mitreißenden Spritzigkeit der Ecksätze, gepaart mit einer dem sinfonischen Anspruch vollends gerecht werdenden Verarbeitung des Materials, ist das Werk viel zu selten einmal zu hören. Das Label ist hier übrigens bezüglich der Tonartenangabe der Sinfonie in Konfusion verfallen: Auf dem Titel wird das Werk als ‚Symphony in C minor’ angekündigt, im Booklet finden sich die Angaben ‚in C’ und ‚C-Dur’ nebeneinander – ja was denn nun, möchte man fragen. Dass auf der Webseite von Sterling dieselben Unstimmigkeiten (in direkter Nachbarschaft zueinander!) ebenfalls zu finden sind, ohne dass es einmal jemanden aufgefallen zu sein scheint, sei als Kuriosum nebenbei angemerkt.

Feurig

Wer auch immer für diese Konfusion gesorgt hat – für die künstlerische Qualität verantwortlich zeichnet sich die von Fabrice Bollon geleitete Württembergische Philharmonie Reutlingen. Entstanden sind in klangtechnischer Sicht herausragend transparente und natürliche Aufnahmen, gebannt auf eine prall gefüllte Silberscheibe. Von Beginn an besticht das Orchester durch den geradezu feurigen Elan, zu dem es von Fabrice Bollon animiert wird; dieses Herzblut ist in jedem Takt spürbar und trägt problemlos über kleinere Schwächen wie etwa sporadisch auszumachende Wackler in der Intonation (hier fällt das Solohorn bisweilen auf) hinweg. Die beiden frühen Werke gestaltet Bollon sehr einheitlich und eindringlich, während er in der Sinfonie die größere Farbigkeit bewusst herausstellt, ohne dass das Gefühl für den großen Bogen, der die beiden Ecksätze über den Ruhepol des einfühlsam vorgetragenen langsamen Mittelsatzes verbindet, verloren ginge. Abgesehen von der erwähnten Uneinigkeit in Sachen Tongeschlecht der Sinfonie bietet das (dreisprachige) Textheftchen eine solide Einführung. Es entsteht jedoch der Eindruck, dass nach der stets recht ausführlichen Beschreibung der Dramenhandlungen die Ausführungen zu Dukas’ Vertonung dann doch etwas zu kurz kommen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Dukas, Paul: Sinfonie c-Moll

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Sterling
1
25.02.2008
Medium:
EAN:

CD
7393338107422


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Sterling

Sterling is a record label specialising in orchestral music from the Romantic era, founded by Bo Hyttner. Most of the CDs released by Sterling contain previously unrecorded works. After setting out with Swedish romantics, Sterling is now spreading out towards the musical heritage of other European countries. In Sweden, the label is represented through CDA.



Additional to our series of Romantic orchestral classics, we release two more series:
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