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Mittwoch, 20. Oktober 2021

Brahms, Johannes - Serenaden Nr. 1 & 2

Archivieren um des Archivierens willen


Label/Verlag: Guild
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Toscaninis Brahms-Interpretationen in der Akustik einer Konservendose: kein Hörgenuss, aber bestes Studienmaterial.

Es gibt CD-Veröffentlichungen, bei denen man sich lange fragt, ob man ein gutes Haar an ihnen lassen sollte oder es bedauern muss, dass sie – trotz herausragender Leistung namhafter Interpreten – auf drei nicht schnell genug in einer unauffindbaren Ecke der Archive verschwunden sind. Ein Fallbeispiel ist die zweite Folge der ‚Toscanini Broadcast Series’ auf dem Label ‚Guild Historical’. ‚Historische Aufnahme’, das lässt einen freilich sogleich die Ohren spitzen. Restriktive Tontechnik alter Zeiten ist nun mal dem heutigen Ohr gleichsam wesensfremd. Gleichwohl kann die heutige Technik aus alten Aufnahmen außerordentlich zufriedenstellende Restaurierungen produzieren, falls das Ausgangsmaterial dies überhaupt zulässt. Falls. Und damit ist das Manko dieser ‚Toscanini Broadcast Series’ formuliert, denn die Radioaufnahmen der Jahre 1935 und 1936 mit Toscanini und dem New York Philharmonic Orchestra sind in der Ausgangsqualität bereits derart unzureichend, dass etliche Rezensionsparameter nicht greifen können. Umso untröstlicher stimmt dies, weil diese Doppel-CD mit Toscanini-Aufnahmen von Brahms’ Serenaden, der Akademischen Festouvertüre, dem zweiten Klavierkonzert mit Robert Casadesus und vier Frauenchorliedern die enorm interpretatorische Qualität nur erahnen lassen.

Die Klangfolie dieser Archiv-Veröffentlichungen ist nämlich nicht die Musik, sondern das Rauschen, Knacken und Leiern der alten Bänder, die bei allem restauratorischem Aufwand nicht hinwegzurestaurieren waren. Da ist es fraglich, ob alles, wirklich alles, wohin des Maestros Hand jemals seinen Taktstock wandte, unbedingt den Weg auf die CD finden muss bzw. ob hier lediglich um des Archivierens willen archiviert wird. Hinter dem Knacken, Rauschen und Leiern wird der Hörer zumindest eines Hauchs einer Ahnung für die Spannkraft, die Toscanini dem New York Philharmonic Orchestra aberverlangt, gewahr. So es die Blechkastenakustik zulässt, erkennt man das symphonische Gepräge, das Toscanini den Serenaden angedeihen lässt, erkennt man die packende Dramatik, mit denen Robert Casadesus seinen Solopart im zweiten Klavierkonzert kernig abzirkelt oder wie der New York Ladies’ Choir die Chorlieder von Brahms auf Toscaninis Geheiß homogen abrundet. Ob die Musik in Transparenz oder Dichte oder in dynamischer Tiefenauslotung interpretiert wird, ist ebenfalls lediglich zu erahnen, denn mehr gibt die Tonqualität nicht her. Immerhin können diese Aufnahmen als Studienmaterial für jene dienen, die Toscaninis konsequente und fruchtbare Beschäftigung mit der Musik von Brahms zu einer Zeit, in der Brahms erst ‚en vogue’ wurde, erleben, besser: ‚erhören’ wollen – in welcher Tonqualität auch immer.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Erik Daumann Kritik von Erik Daumann,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Brahms, Johannes: Serenaden Nr. 1 & 2

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Guild
2
14.02.2008
Medium:
EAN:

CD
795754233827


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Guild

Guild entstand in den frühen Achtzigerjahren auf Initiative des berühmten englischen Chorleiters Barry Rose, der den St Paul's Cathedral Choir in London leitete. Der Name hat nichts mit der nahe gelegenen Londoner Guild Hall zu tun, sondern kommt von Barry Roses erstem Chor, dem Guildford Cathedral Choir. Das frühere Logo (ein grosses G) entstand indem Barry Rose kurzerhand eine Teetasse umstülpte und mit einem Bleistift ihrem Rand bis zum Henkel entlang fuhr. Seit 2002 hat die Firma als Guild GmbH ihren Sitz in der Schweiz, in Ramsen bei Stein am Rhein.
Bei den Aufnahmen arbeiten wir mit Fachleuten zusammen, die für grosse internationale Firmen und unabhängige kleinere und grössere Labels tätig sind. Unsere Programmschwerpunkte sind Welt-Erstaufnahmen, vergessene Werke bekannter Meister, noch nicht entdeckte Komponisten und Schweizer Musiker sowie historische Aufnahmen, etwa die Toscanini Legacy und Mitschnitte der Metropolitan Opera New York.
Wir arbeiten intensiv mit der Zentralbibliothek in Zürich und mit der Allgemeinen Musikgesellschaft Zürich zusammen, produzieren CDs mit Chören wie dem Salisbury Cathedral Choir und den Chören der Cambridge und Oxford University - und als Steckenpferd pflegen wir die grossen englischen und amerikanischen Unterhaltungsorchester mit ihren Light-Music-Hits der Dreissiger- bis Fünfzigerjahre.


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