> > > Wagner, Richard: Tristan und Isolde
Donnerstag, 28. Oktober 2021

Wagner, Richard - Tristan und Isolde

In unergründliches Zwielicht getaucht


Label/Verlag: Opus Arte
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Nikolaus Lehnhoff und Jiøí Belohlávek feiern mit diesem Tristan einen Triumph der Langsamkeit. Nina Stemme und Robert Gambill sind ein Wagnerpaar, wie man es lange nicht mehr gehört hat.

Elf Minuten, in denen auf dem Bildschirm nichts weiter zu sehen ist als langsam aus völliger Dunkelheit auftauchende Titel ‘Tristan und Isolde’. Nikolaus Lehnhoffs ließ sich für seine Tristan-Inszenierung, die 2003 in Glyndebourne Premiere feierte, unendlich viel Zeit. In der Aufzeichnung von Thomas Grimm gleicht Lehnhoffs Konzept einem Traum in Zeitlupentempo. Aus Fieberträumen könnte auch die Bühne stammen, die Roland Aeschlimann für diesen Tristan entwarf: Ist der riesige, fluoreszierende Wirbel bergender Uterus oder unentrinnbares Gefängnis? In jedem Fall ist er ein Bild für die ewige Sehnsucht nach dem Einssein.

Expressiv-ornamentale Wucht

 

Lehnhoffs akribisch geführte Bühnengestalten erinnern in ihrer expressiv-ornamentalen Wucht an die monumentale Nibelungenfilme, die Fritz Lang in den 1920er Jahren drehte und nehmen den Zuschauer mit auf eine in unergründliches Zwielicht (Licht: Robin Carter) getauchte Reise ins Unbewusste. Bei aller Schönheit ist ein solches Konzept, soll es auf Dauer nicht ermüden, auf Ausnahmesänger angewiesen. Und die hat diese Produktion durchaus zu bieten: Nina Stemme und Robert Gambill sind eines der lyrischsten Wagner-Paare der letzten Jahre. Mit feinsten Nuancen, leichter Tongebung und belcantistischer Klangschönheit wandelt sich Stemme im Laufe der Oper vom Todesengel zur strahlenden Lichtgestalt. Lange hat man nicht mehr eine so jugendliche und unverbrauchte Isolde gehört.

Herzenswarmer Übervater

Gambill webt im Liebesduett beeindruckende Zwischentöne und steigert sich im kräftezehrenden Schlussakt zum erschütternd-ehrlichen Darsteller sehrenden Liebesleids. Eine Ausnahmeleistung. René Pape gestaltet den König Marke (wieder einmal) ausgesprochen differenziert, textverständlich und mit großem Ausdrucksspektrum als herzenswarmen Übervater. Auch das restliche Ensemble überzeugt. Bo Skovhus deutet den Kurwenal als getriebenen Charakter mit eruptiven Gefühlsausbrüchen. Katarina Karnéus ist eine edle Brangäne, die nicht nur in den berühmten ‘Habet Acht!’-Rufen Wohllaut verbreitet.

Hypnotische Langsamkeit

 

Und das Orchester? Jiøí Belohlávek zelebriert am Pult hypnotische Langsamkeit und meditative Ruhe ohne jedoch jemals den großen Bogen aus den Augen zu verlieren oder in der Spannung nachzulassen. Belohlávek vereint einen schlanken Wagnerklang, der sich immer wieder durch geradezu kammermusikalische Farben auszeichnet, mit wild hervorbrechenden, schroffen Tönen, weihevollen Momenten und grandiosen Steigerungen. Sehens- und hörenswert.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
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Regie:







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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Wagner, Richard: Tristan und Isolde

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Opus Arte
3
18.01.2008
Medium:
EAN:

DVD
809478009887


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Opus Arte

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