> > > Schumann, Robert: Impromptus über ein Thema von Clara Wieck op. 5
Samstag, 22. Januar 2022

Schumann, Robert - Impromptus über ein Thema von Clara Wieck op. 5

Die Blumen kommen nicht zur Blüte


Label/Verlag: ARS Produktion
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Alexander Zolotarevs vorliegende Einspielung bietet eine interessante Zusammenstellung selten gespielter Variations- und Charakterstücke Robert Schumanns, der es allerdings über weite Strecken an gestalterischer Intensität fehlt.

Die bei ARS Produktion neu erschienene Einspielung des russischen Pianisten Alexander Zolotarev erweckt schon deswegen auf den ersten Blick Neugier, weil er hierauf eine Auswahl an im Konzertsaal eher selten bis gar nicht anzutreffenden Klavierwerken Robert Schumanns präsentiert. In chronologischer Reihenfolge der jeweiligen Entstehungsjahre wird dabei ein knapp 20jähriger Entwicklungsprozess in Schumanns klavierkompositorischem Schaffen zwischen 1833 und seinen letzten Lebensjahren nachgezeichnet. 

Den Anfang machen die ‘Impromptus sur une Romance de Clara Wieck’ op. 5, hinter denen sich faktisch 12 Variationen über ein Thema aus der Feder seiner späteren Gattin verbergen, die allerdings ihrer äußerst verhaltenen Rezeption wegen Jahrzehnte später nochmals in überarbeiteter Form verlegt wurden. Hier nun sind sie in ihrer ursprünglichen Gestalt zu hören. Das kantable Ausgangsmotiv wird vom Komponisten auf originelle und phantasievolle Art und Weise verarbeitet. Zolotarevs Interpretation wirkt dabei allerdings etwas statisch. Oftmals hat man das Gefühl, dass er emotional auf Distanz zum musikalischen Geschehen bleibt, dass es sich um eine eher sachlich-neutrale, streng rational orientierte Betrachtung des Werks handelt. Sein Ton bleibt zwar stets klar, dynamische Kontraste und atmosphärische Spannung sind aber nur begrenzt, so etwa in den Variationen sechs, neun und 11 anzutreffen.

Es folgen die ‘Exercices’ ohne Opuszahl, über deren musikalische Substanz und Anlage ein Blick auf den Untertitel genaueren Aufschluss gibt: ‘Etüden in Form freier Variationen über ein Thema von Beethoven’, genauer gesagt über das Allegretto aus dessen siebter Sinfonie. Auch hier gelingt Zolotarev zwar durchaus die Darstellung der formalen Architektur als solcher, ein wirkliches spürbares Gefühlsleben vermag er jedoch vornehmlich der ersten und letzten Variation einzuhauchen. 

Daran schließt sich ein weiterer kleiner – aus der Hand des Komponisten nicht ganz vollständig abgeschlossener und nachträglich um acht Takte ergänzter – Variationszyklus über Chopins Nocturne op. 15/3 an. Dem hier zu Grunde liegenden, versonnenen Thema fehlt es an Empfindsamkeit und Wärme im Vortrag. Nur stellenweise deutet Zolotarev an, dass er auch über einen weicheren und sensibleren Ton verfügt.

Und auch im weiteren Verlauf setzt sich diese Tendenz zu einer etwas unterkühlten und schematischen Spielweise leider fort, so dass die beiden einander gegenüber gestellten Fassungen des Blumenstücks op. 19 ihre melodische Blütenpracht ebenfalls nicht recht entfalten dürfen. Die drei Romanzen op. 28, deren zweite wohl Schumanns bekanntestes Stück auf dieser CD darstellt, sowie die Fantasiestücke op. 111 – ihres Zeichens nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen, 14 Jahre zuvor entstandenen Opus 12 – sind geprägt von einer eher kantigen Artikulation und weisen ebenso einen relativ stromlinienförmigen, sterilen Klang auf. Differenziertheit im Anschlag und farblich stimmungsvolle Schattierungen sind dort am ehesten in den Opera 28/3 und 111/3 vorhanden.

Zum Abschluss sind dann noch die ‘Gesänge der Frühe’ op. 133 enthalten. Gerade hier, wo dies in Anbetracht der krankheitsbedingt schon merklich geschwundenen geistigen und kreativen Kräfte Schumanns besonders schwierig ist, konzipiert Zolotarev – vor allem im ersten, vierten und letzten der fünf Stücke – dann doch noch einmal eine wahrhaftige Dramaturgie und findet zu einer inspirierten, ausdrucksstarken Linie.

Insgesamt gewinnt man beim Hören dieser Aufnahme jedoch den Eindruck, dass Zolotarev sich in den kraft- und schwungvolleren Passagen wesentlich wohler fühlt als dort, wo Einfühlungsvermögen und verinnerlichende Tiefgründigkeit gefragt sind.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Schumann, Robert: Impromptus über ein Thema von Clara Wieck op. 5

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
ARS Produktion
1
16.03.2009
Medium:
EAN:

CD
4260052384886


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Schumann, Robert
 - Impromptus über ein Thema von Clara Wieck op. 5 -
 - Exercises -
 - Variationen über ein Nocturne Chopin op. 15 Nr. 3 -
 - Klavierstück Des-Dur -
 - Blumenstück Des-Dur op. 19 -
 - Drei Romanzen op. 28 - Nr. 1 Sehr markiert
 - Drei Romanzen op. 28 - Nr. 2 einfach
 - Drei Romanzen op. 28 - Nr. 3 Sehr markiert
 - Drei Fantasiestücke op. 11 - Nr. 1 Sehr rasch, mit leidenschaftlichem Vortrag
 - Drei Fantasiestücke op. 11 - Nr. 2 Ziemlich langsam
 - Drei Fantasiestücke op. 11 - Kräftig und sehr markiert
 - ´Gesänge der Frühe´ Fünf Klavierstücke´ op. 133 - Nr. 1 Im ruhigen Tempo
 - ´Gesänge der Frühe´ Fünf Klavierstücke´ op. 133 - Nr. 2 Belebt, nicht zu rasch
 - ´Gesänge der Frühe´ Fünf Klavierstücke´ op. 133 - Nr. 3 Lebhaft
 - ´Gesänge der Frühe´ Fünf Klavierstücke´ op. 133 - Nr. 4 Bewegt
 - ´Gesänge der Frühe´ Fünf Klavierstücke´ op. 133 - Nr. 5 Im Anfange ruhiges, im Verlauf bewegteres Tempo


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Interpret(en):Zolotarev, Alexander


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ARS Produktion

Das exquisite Klassiklabel ARS Produktion wurde 1987 von Annette Schumacher mit dem Ziel gegründet, jungen, aufstrebenden Künstlern und interessanten Programmen gleichermaßen eine individuelle musikalische Heimat und entsprechende Marktchancen, u.a. durch internationalen Vertrieb und Vermarktung zu geben. Die bei Paul Meisen ausgebildete Konzertflötistin hat sich damit nach langer aktiver Musikerlaufbahn einen geschäftlichen Traum erfüllt.
Für die hervorragende Aufnahmequalität der zahlreichen ARS Produktionen ist Manfred Schumacher, Tonmeister und Aufnahmeleiter, verantwortlich.
Spezifisch für das Label und die Haltung seiner Macher/in: stets wird u.a. den klanglichen Erfordernissen der jeweiligen Werke, Musikepochen und Instrumente in größtmöglicher Weise Rechnung getragen sowie im Übrigen die neueste, beste Technik eingesetzt.
Annette und Manfred Schumacher sind ?Überzeugungstäter?. Zwei Individualisten, die Kunst, Kommerz und Können geschickt vereinbaren.
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