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Dienstag, 12. Dezember 2017

Grothe, Franz - Lieder

Zwiespältige Hommage


Label/Verlag: duo-phon classic
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Der Eindruck dieser klangvollen Hommage ist zwiespältig: Zwei durchaus kompetente Sänger verirren sich im falschen Genre und werden dabei von einem stilsicher agierenden Salonorchester brillant begleitet.

Dem großen Komponisten des deutschen Tonfilms ist diese CD zum 100. Geburtstag gewidmet: Franz Grothe. Nun mag man mit diesem Namen nicht sofort etwas verbinden können, doch spätestens das Erklingen seiner Melodien hebt den Schleier der Unwissenheit. Der nimmermüde Koloratur-Dauerbrenner ‚Postillon-Lied’, das beschwingte ‚Hoch drob’n auf dem Berg’ und das auf ewig mit Johannes Heesters verbundene ‚Jede Frau hat ein süßes Geheimnis’ haben sich einen festen Platz im kollektiven Melodiengedächtnis der Deutschen ergattert – dazu muss man oft nicht einmal die alten Filme mit Martha Eggerth, Johannes Heesters und Marika Rökk gesehen haben. Spätestens die flotten Songs aus dem jährlich auf irgendeinem Fernsehsender wiederholten ‚Wirtshaus im Spessart’ kennt fast jeder – und spätestens nach dem Kauf dieser CD weiß der Hörer, dass all diese Ohrwürmer aus der Feder Franz Grothes stammen.

Das tonkunst ensemble hannover ehrt den 1982 verstorbenen Meister des Tonfilmschlagers mit einer 75 minütigen Programmzusammenstellung, die von den Anfängen des Komponisten in den 20er Jahren bis zu den großen Erfolgen kurz vor Kriegsende 1944 reicht. Zwei weitere Lieder stehen zumindest stellvertretend für die weiterfolgende Kreativität und Rehabilitierung Grothes in den 50er Jahren. Es ist nun einmal Tatsache, dass Grothes Hauptwirken der Filmindustrie des Nazi-Regimes zugewandt war, jedoch vertont er keine ‘braunen’ Parolen, sondern ist für humoristische Ablenkung, den volkstümlichen Tonfall und blumig ausufernden Kitsch zuständig. Seine Schlager sprühen vor Charme, Ideenreichtum und grandiosen melodischen Einfällen. Diese Musik geht in die Beine und auch die Stimmbänder zucken fröhlich im mitreißenden Rhythmus. Hierfür findet das tonkunst ensemble genau den richtigen Tonfall. Die Original-Arrangements für Salonorchester sind farbenreich und effektvoll, und man muss es einfach so sagen, brillant musiziert. Jeder einzelne Instrumentalist kann solistisch auftrumpfen, sich aber auch mit großem Ensemblegeist wieder in den raffinierten Gesamtklang einfinden. Dieses Salonorchester hat alles, was man sich von einer guten Tanzband erhofft: Schwung, Leichtigkeit, Raffinesse und Stil!

Die Wahl der beiden Gesangssolisten ist da eher unglücklich. Gewiss, beide geben sich hörbar große Mühe, doch der Funke will nicht überspringen, lustvolles Musizieren stellt sich nicht ein. Vielleicht wäre das Konzept mit zwei singenden Schauspielern oder zumindest Chanson-erfahrenen Künstlern besser aufgegangen. Sowohl Carmen Fuggis als auch der Tenor Heiko Reissig können sich nicht vom klassischen Gesang trennen, und wenn sie es dennoch versuchen, verliert die Darbietung jegliche Kontur. Diese stilistische Unentschiedenheit ist hauptverantwortlich für eine schnell aufkommende Abneigung. Spätestens nach den ersten sechs Nummern wünscht man sich, der Rest würde rein instrumental fortgeführt werden. Das ist traurig, denn der redliche Versuch und das ästhetische Ziel der beiden Sänger sind deutlich erkennbar – und wenn ein Chansonnier wie Max Raabe diese Titel interpretiert, dann kann man schonmal die Anfangs- und Endkonsonanten eines Wortes weicher nehmen, aber nur weil der Sinngehalt des Liedtextes prononciert überspitzt wird. Das beste Beispiel ist der humorvolle ‚Automaten-Tango’, dessen satirischer Text vollkommen in kunstvoll gestalteten Vokalbögen des Tenors untergeht – von Spaß und Koketterie keine Spur. Auch Carmen Fuggis markiert nur scheinbare Leichtigkeit, wenn sie in ‚Komm und gib mir deine Hand’ bemüht über angetippte Koloratur-Ketten hinweg gleitet.

Der Eindruck dieser klangvollen Hommage ist zwiespältig: Zwei durchaus kompetente Sänger verirren sich im falschen Genre und werden dabei von einem stilsicher agierenden Salonorchester brillant begleitet. Was aus diesen Schlagern herauszuholen ist, das demonstriert niemand anders als der 104jährige Johannes Heesters am Ende der CD, wenn er noch einmal im Brustton der Überzeugung intoniert: ‘Jede Frau hat ein süßes Geheimnis’ – und die leichte Muse eben auch!

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Grothe, Franz: Lieder

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
duo-phon classic
1
07.01.2008
EAN:

4012772063035


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duo-phon classic

Wenn der kubanische Gitarrist Joaquín Clerch seine Gitarre streichelt, schlägt und zupft, zaubert er konzertante Töne auf höchstem Niveau. Der u.a. am Salzburger Mozarteum ausgebildete, vielfach preisgekrönte Saiten-Virtuose gilt als führender Gitarrist seiner Generation. Mit den Brandenburger Symphonikern hat er sein lineares Solo-Gitarren-Spiel und seine melodische Klarheit in einen ausdrucksstarken neuartigen Klangkörper überführt. Das Ergebnis ist jetzt erstmalig und einmalig auf einem edel rot-golden gestalteten Doppel-CD-Album zu hören, das als erste Veröffentlichung des neuen Labels duo-phon classic erscheint. Darauf brilliert Joaquín Clerch mit eigenen Kompositionen und Interpretationen von Rodrígo, de Falla, Walton, Strawinsky als Weltstar unter Weltstars. Denn die ihn begleitenden Symphoniker des Theaters Brandenburg an der Havel haben seit ihrer Ernennung zum deutschen „Orchester des Jahres“ 2002 auf Tourneen nach Amerika, Japan, Südafrika und China internationale Meriten gesammelt.

duo-phon classic bietet dem Brandenburger Symphonie Orchester und seinen 53 Mitwirkenden unter Leitung von Michael Helmrath erstmals eine Plattform, seine außergewöhnlichen Crossover-Projekte mit internationalen Solisten auf Tonträger zu veröffentlichen. Was aufgrund des enormen technischen Aufwands live nur ein- bis zweimal im Jahr zu realisieren ist, wird mit Unterstützung des Landes und der Stadt Brandenburg und aus Mitteln der Europäischen Union jetzt auf duo-phon classic einem größeren Publikum zugänglich gemacht.

Dazu gehört auch die einzigartige Zusammenarbeit der Brandenburger Symphoniker mit dem indischen Violinisten Lakshminarayana Subramaniam. Der 61-jährige Komponist und Dirigent ist weltweit bekannt für seine zwischen der südindischen Traditionsmusik Raga und europäischer Klassik changierenden Werke. Er gilt sowohl als „der Paganini klassischer indischer Musik“ wie auch als „indischer Menuhin“. Als Filmkomponist wirkte er u.a. an Bollywood-Klassikern wie „Salaam Bombay“ und dem Welterfolg „Little Buddha“ mit. Auf der zweiten Doppel-CD von duo-phon classic bringt er seine „Freedom Symphonies“ und „Global Symphonies“ in ein spannendes Wechselspiel mit den Brandenburger Symphonikern.

Weitere Veröffentlichungen unter duo-phon classic:

Chormusik von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847) „Loreley“, op. 98 (unvollendete Oper) & Die erste Walpurgisnacht, op. 60

Sinfonischer Chor der Singakademie Potsdam, Deutsches Filmorchester Babelsberg / Leitung: Thomas Henning

„Mord auf dem Säntis“ - Kammeroper von Noldi Adler und Friedrich Schenker - Libretto von Christoph Nix

Ein Auftragswerk des Theater Konstanz in Zusammenarbeit mit der Südwestdeutschen Philharmonie Konstanz und DRS2 Live-Mitschnitt im Rahmen des 23. Internationalen Bodenseefestivals 2011

duo-phon classic, viertes Sub-Label unter dem Dach des 1995 von Inhaber Alfred Wagner gegründeten duo-phon Labels mit seinen mittlerweile über 300 Veröffentlichungen!

Cantica – Musik der Ostkirchen, hat sich zum Ziel gesetzt, das nach Umfang und künstlerischem Gehalt reiche und zu großen Teilen noch nicht erschlossene Musikschaffen der orthodoxen Kirchen Osteuropas und des Nahen Ostens erschließen zu helfen. Die Edition umfasst Gesänge zu den wichtigsten orthodoxen Feiertagen, informiert über frühe Gesänge der nationalen Kirchen, zeigt die verschiedenen Stilrichtungen, macht bekannt mit den bedeutendsten Komponisten orthodoxer Musik (darunter die erste Gesamtausgabe der geistlichen Werke Rimski-Korsakows) und stellt einige der besten Chöre dieser Länder vor.

In der Edition Berliner Musenkinder werden seit dreizehn Jahren Schellack-Schätze digitalisiert für den Markt der Jetztzeit erschlossen, darunter bis dahin nicht mehr zugängliche Originale von Claire Waldoff, Otto Reutter oder Richard Tauber. Die Revitalisierung der Unterhaltungsklassiker von Weimarer Tagesschlagerkomponisten wie Mischa Spoliansky und Werner Richard Heymann durch duo-phon records hat zu einer Wiederentdeckung dieser und anderer in Vergessenheit geratenen Komponisten und Texter der leichten Muse geführt.

Ein Ohr am Puls der Zeit beweist duo-phon mit der ebenfalls fortlaufenden Edition Berliner Musenkinder Spezial, in der Chansonsänger von heute, die an die Traditionen der 20er und 30er Jahre anknüpfen und innovativ über sie hinausweisen, vorgestellt werden. Dazu gehören Künstler wie Judy Winter, die mit dem Musical „Marlene“ und der gleichnamigen CD für Furore sorgte und Travestiestar Georg Preuße alias „MARY“.

Erfolgreichstes Bindeglied zwischen historischen und heutigen Künstlern auf dem duo-phon Label sind die „Berlin Comedian Harmonists“, neu formiert nach dem Vorbild der ersten Boy Group der Weimarer Republik. Deren erste CD „Veronika, der Lenz ist da“ wurde über 40.000 Mal verkauft.

Seit vier Jahren existiert die dritte Reihe des duo-phon record Labels: Musenkinder Hörbuch. In diesem Segment werden aufwändige Hörspiele etwa zur Entstehungsgeschichte der „Dreigroschenoper“ produziert und wie auf der von Kabarettforscher Volker Kühn herausgegebenen, mit dem Deutschen Hörbuchpreis 2007 ausgezeichneten Doppel-CD „Mit den Wölfen geheult-Von leichter Muse in schwerer Zeit“, auch kritische Hinterfragungen der „Bombenstimmung“ der 30er Jahre veröffentlicht.


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