> > > Benatzky, Ralph: Meine Schwester und ich
Dienstag, 9. August 2022

Benatzky, Ralph - Meine Schwester und ich

‘Ach, wie beglückend’


Label/Verlag: duo-phon classic
Detailinformationen zum besprochenen Titel


‚Meine Schwester und ich’ muss sich hinter keiner klassischen Operetten-Einspielung verstecken - im Gegenteil, hier zündet so manches Feuerwerk, das man andernorts leider vermisst.

Mit Lust, Spaß, Schwung und schonungsloser Selbstironie erwecken sechs singende Schauspieler und ein brillanter Pianist Benatzkys Kammeroperette ‚Meine Schwester und ich’ zu neuem Leben. Im übermächtigen Schatten des ‚Weißen Rössl’ schlummern viele musikalische Bühnen-Schätze des vielseitigen Komponisten. Nach dem ‚Bezaubernden Fräulein’ hat die Komödie am Kurfürstendamm in Berlin nun auch eine Live-Montage der flotten ‚Schwester’ vom August 2007 für die CD freigegeben. ‚Meine Schwester und ich’ wurde 1930 in Berlin uraufgeführt und fand auch im Ausland schnell Verbreitung. Die komödien-typische Verkleidungsgeschichte um eine Pariser Prinzessin, die unbedingt den jungen Akademiker Roger Fleuriot heiraten will, hält jede Menge Situationskomik und emanzipierten Zunder bereit: Fleuriot will die Standesunterschiede nicht überwinden und so reist die entschlossene Prinzessin dem ersehnten Herrn nach Nancy hinterher, wo sie sich als Schuhverkäuferin verkleidet und sich als ihre eigene Schwester ausgibt. In dieser Identität verführt und heiratet sie Fleuriot. Es kommt, wie’s kommen muss: Er entdeckt die Maskerade, will die Scheidung ... und trotzdem gibt’s ein Happy-End. Für dieses intime Lustspiel bedient sich Benatzky bei den Modetänzen der Zeit wie Shimmy, Foxtrott, Tango und Slowfox und greift auf die Dramaturgie des gerade populären Tonfilms zurück. Die Rhythmen gehen dem Hörer unmittelbar in die Beine, während die Melodien sich hartnäckig im Gehörgang festsetzen. Die Mischung ist perfekt: Rasant und witzig – und dabei ungemein kurzweilig!

Die Produktion der Berliner Komödie am Kurfürstendamm setzt dieses Konzept gekonnt und mit der notwendigen Uneitelkeit um. Aus voller Kehle wird hier geschmettert, herzzerreißend geschmachtet, verführerischer Vokalbalz gefröhnt und selbst die schwierigsten Ensemblesätze sind von einer unbändigen Sangeslust durchdrungen, die niemanden kalt lassen kann. Mit rauer, sexy Stimme präsentiert sich Nora von Collande als Prinzessin Lilly, stets durchzogen von jener kompromisslosen Überheblichkeit des Charakters, die sich in überwältigender Präsenz und Unbefangenheit Bahn bricht. So verführerisch muss man den Tango ‘Mein Freund, in mir ist ein Gefühl erwacht’ erstmal singen können. Der Regisseur Herbert Herrmann singt und spielt auch gleichzeitig das Objekt der Begierde, nämlich den Akademiker Fleuriot. Prononciert und leichtfüßig macht er sich Benatzkys Melodien zu eigen, als flössen sie gerade in diesem Augenblick aus seinem Geist. Dass hier fast ununterbrochen gesungen wird, vergisst man ohnehin nach kurzer Zeit. Ganz selbstverständlich wird die musikalische Ausdrucksweise von allen Sängerdarstellern gehandhabt und besticht vor allem durch eine erstklassige Diktion. Da ist jeder Witz, sei er auf Textbasis oder in der musikalischen Umsetzung, perfekt platziert, das Timing stimmt – man ist einfach bestens unterhalten.

Mit unaufdringlichem Wiener Schmäh gestaltet Marcus Ganser die Partie des Grafen Lacy, dessen Walzerlied leicht befremdlich, wie aus fernen Zeiten, zwischen den rhythmisch aufwendigeren Songs, aufleuchtet. Eine wahre Charme-Offensive, gerade auch in stimmlicher Hinsicht, ist Birge Funke als Verkäuferin Irma, die in einer fulminanten Revue-Parodie brilliert. Johann Mildner als Marie und Gerd Lukas Storzer als Filosel komplettieren dieses ungemein energetische Ensemble, das von Andrew Hannan farbenreich, prägnant und jeder Zeit flexibel am Klavier begleitet wird. Er beweist, dass man Operette in Zeiten der Subventionskürzungen auch effektvoll einfach am Klavier begleiten kann.

‚Meine Schwester und ich’ muss sich hinter keiner klassischen Operetten-Einspielung verstecken – im Gegenteil, hier zündet so manches Feuerwerk, das man andernorts leider vermisst.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Benatzky, Ralph: Meine Schwester und ich

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
duo-phon classic
1
07.01.2008
Medium:
EAN:

CD
4012772062939


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duo-phon classic

Wenn der kubanische Gitarrist Joaquín Clerch seine Gitarre streichelt, schlägt und zupft, zaubert er konzertante Töne auf höchstem Niveau. Der u.a. am Salzburger Mozarteum ausgebildete, vielfach preisgekrönte Saiten-Virtuose gilt als führender Gitarrist seiner Generation. Mit den Brandenburger Symphonikern hat er sein lineares Solo-Gitarren-Spiel und seine melodische Klarheit in einen ausdrucksstarken neuartigen Klangkörper überführt. Das Ergebnis ist jetzt erstmalig und einmalig auf einem edel rot-golden gestalteten Doppel-CD-Album zu hören, das als erste Veröffentlichung des neuen Labels duo-phon classic erscheint. Darauf brilliert Joaquín Clerch mit eigenen Kompositionen und Interpretationen von Rodrígo, de Falla, Walton, Strawinsky als Weltstar unter Weltstars. Denn die ihn begleitenden Symphoniker des Theaters Brandenburg an der Havel haben seit ihrer Ernennung zum deutschen „Orchester des Jahres“ 2002 auf Tourneen nach Amerika, Japan, Südafrika und China internationale Meriten gesammelt.

duo-phon classic bietet dem Brandenburger Symphonie Orchester und seinen 53 Mitwirkenden unter Leitung von Michael Helmrath erstmals eine Plattform, seine außergewöhnlichen Crossover-Projekte mit internationalen Solisten auf Tonträger zu veröffentlichen. Was aufgrund des enormen technischen Aufwands live nur ein- bis zweimal im Jahr zu realisieren ist, wird mit Unterstützung des Landes und der Stadt Brandenburg und aus Mitteln der Europäischen Union jetzt auf duo-phon classic einem größeren Publikum zugänglich gemacht.

Dazu gehört auch die einzigartige Zusammenarbeit der Brandenburger Symphoniker mit dem indischen Violinisten Lakshminarayana Subramaniam. Der 61-jährige Komponist und Dirigent ist weltweit bekannt für seine zwischen der südindischen Traditionsmusik Raga und europäischer Klassik changierenden Werke. Er gilt sowohl als „der Paganini klassischer indischer Musik“ wie auch als „indischer Menuhin“. Als Filmkomponist wirkte er u.a. an Bollywood-Klassikern wie „Salaam Bombay“ und dem Welterfolg „Little Buddha“ mit. Auf der zweiten Doppel-CD von duo-phon classic bringt er seine „Freedom Symphonies“ und „Global Symphonies“ in ein spannendes Wechselspiel mit den Brandenburger Symphonikern.

Weitere Veröffentlichungen unter duo-phon classic:

Chormusik von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847) „Loreley“, op. 98 (unvollendete Oper) & Die erste Walpurgisnacht, op. 60

Sinfonischer Chor der Singakademie Potsdam, Deutsches Filmorchester Babelsberg / Leitung: Thomas Henning

„Mord auf dem Säntis“ - Kammeroper von Noldi Adler und Friedrich Schenker - Libretto von Christoph Nix

Ein Auftragswerk des Theater Konstanz in Zusammenarbeit mit der Südwestdeutschen Philharmonie Konstanz und DRS2 Live-Mitschnitt im Rahmen des 23. Internationalen Bodenseefestivals 2011

duo-phon classic, viertes Sub-Label unter dem Dach des 1995 von Inhaber Alfred Wagner gegründeten duo-phon Labels mit seinen mittlerweile über 300 Veröffentlichungen!

Cantica – Musik der Ostkirchen, hat sich zum Ziel gesetzt, das nach Umfang und künstlerischem Gehalt reiche und zu großen Teilen noch nicht erschlossene Musikschaffen der orthodoxen Kirchen Osteuropas und des Nahen Ostens erschließen zu helfen. Die Edition umfasst Gesänge zu den wichtigsten orthodoxen Feiertagen, informiert über frühe Gesänge der nationalen Kirchen, zeigt die verschiedenen Stilrichtungen, macht bekannt mit den bedeutendsten Komponisten orthodoxer Musik (darunter die erste Gesamtausgabe der geistlichen Werke Rimski-Korsakows) und stellt einige der besten Chöre dieser Länder vor.

In der Edition Berliner Musenkinder werden seit dreizehn Jahren Schellack-Schätze digitalisiert für den Markt der Jetztzeit erschlossen, darunter bis dahin nicht mehr zugängliche Originale von Claire Waldoff, Otto Reutter oder Richard Tauber. Die Revitalisierung der Unterhaltungsklassiker von Weimarer Tagesschlagerkomponisten wie Mischa Spoliansky und Werner Richard Heymann durch duo-phon records hat zu einer Wiederentdeckung dieser und anderer in Vergessenheit geratenen Komponisten und Texter der leichten Muse geführt.

Ein Ohr am Puls der Zeit beweist duo-phon mit der ebenfalls fortlaufenden Edition Berliner Musenkinder Spezial, in der Chansonsänger von heute, die an die Traditionen der 20er und 30er Jahre anknüpfen und innovativ über sie hinausweisen, vorgestellt werden. Dazu gehören Künstler wie Judy Winter, die mit dem Musical „Marlene“ und der gleichnamigen CD für Furore sorgte und Travestiestar Georg Preuße alias „MARY“.

Erfolgreichstes Bindeglied zwischen historischen und heutigen Künstlern auf dem duo-phon Label sind die „Berlin Comedian Harmonists“, neu formiert nach dem Vorbild der ersten Boy Group der Weimarer Republik. Deren erste CD „Veronika, der Lenz ist da“ wurde über 40.000 Mal verkauft.

Seit vier Jahren existiert die dritte Reihe des duo-phon record Labels: Musenkinder Hörbuch. In diesem Segment werden aufwändige Hörspiele etwa zur Entstehungsgeschichte der „Dreigroschenoper“ produziert und wie auf der von Kabarettforscher Volker Kühn herausgegebenen, mit dem Deutschen Hörbuchpreis 2007 ausgezeichneten Doppel-CD „Mit den Wölfen geheult-Von leichter Muse in schwerer Zeit“, auch kritische Hinterfragungen der „Bombenstimmung“ der 30er Jahre veröffentlicht.


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