> > > Mozart, Wolfgang Amadeus: Davide penitente (Oratorio): KV 469
Donnerstag, 9. Dezember 2021

Mozart, Wolfgang Amadeus: Davide penitente (Oratorio) - KV 469

Nichts zu bereuen


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das große leipziger Ensemble unter der Leitung von Morten Schuldt-Jensen präsentiert eine gelungene Interpretation von einem größeren und einem kleineren Oratorium Mozarts, und zeigt dessen geniale Musikdramatik auch unter besonderen Umständen.

Das Oratorium ‘Davide penitente’, dessen italienischer Text vielleicht aus der Feder Lorenzo da Pontes stammt, komponierte Mozart 1785 im Auftrag der ‘Wiener Tonkünstler-Societät’. Bis auf zwei neue Arien und den Schluss lieh er sich das Tonmaterial bei sich selbst, und legte den neuen Text über das ‘Kyrie’ und das ‘Gloria’ seiner c-Moll-Messe, die zwei Jahre zuvor entstanden war. Obwohl unserem heutigen Kunstverständnis sowohl die Auftragsarbeit als auch das bausteinartige Recycling und die schlichte textuelle Umwidmung entgegenstehen, zeigt das Werk doch eine neu erzielte Geschlossenheit und ein Kunst, an der kein Zweifel ist. Im Wechsel- und Zusammenspiel von Orchester, Chor und Solist zeigt sich Mozarts wahrhaft geniale Klangregie, deren Feinsinnigkeit und schärfste Balance mit dem Begriff der ‘Instinktsicherheit’ wohl am unmittelbarsten verdeutlicht, aber zugleich am schlechtesten benannt ist. Dafür steht auch die schlaue Wiederverwendung. Es liegt mir näher, nicht an einen genialischen Impulsschöpfer zu glauben, sondern einen genialen Musikdramatiker zu würdigen. Wie auch immer man es halten will: in diesem Werk findet man für beide Gesten der erweiterten Kunstreligion reichlichen Anlass.

Die im Frühling des vorletzten Jahres entstandene, aber erst in diesem Jahr veröffentlichte Aufnahme mit dem Leipziger Kammerorchester und dem Immortal Bach Ensemble (formerly known as GewandhausKammerchor) unter der Leitung von Morten Schuldt-Jensen besticht durch einen schönen, vollen Orchesterklang und durch das  Zusammenspiel mit dem Chor, v.a. in einer fein beweglichen Dynamik, und einer überlegt ziselierten Verteilung der Kräfte und Akzente. Zuzeiten ist dem Oratorium ein gewisser opernhafter Gestus nicht abzusprechen.

Die zwei Soprane Kristina Wahlin und Trine Wilsberg Lund, sowie der Tenor Lothar Odinius geben die Soloparts. Kristina Wahlin, die mit blanker, klarer Stimme den zweiten Sopran singt, glänzt in der Arie ‘Lungi le cure ingrate’ und zeigt Beweglichkeit durch die teils schwindelerregenden Figuren, aber auch sehr bewusste und auch gelungene Gestaltung in lang ausgehaltenen Tönen. Der erste Sopran Trine Wilsberg Lund hingegen schlägt zuweilen ein etwas bedrückendes Vibrato an. Dies wird vor allem gegen Ende ihrer Soloarie ‘Tra l’oscure ombre funeste’ deutlich. Lothar Odinius hingegen geht in der Gesellschaft der beiden stimmgewaltigen Skandinavierinnen etwas unter. Im Abschlusschor ‘Chi in Dio sol spera’ zeigt sich noch einmal geballt die Leistung v.a. des Orchesters und des Chores: in den großen Tuttipassagen, die sich in Verbindung mit dem Text zu einiger Großartigkeit steigern, schmelzen die verschiedenen Klangfarben wunderbar zusammen, und gehen über ein bloßes Neben- oder Übereinander bis zur Synthese hinaus.

Desgleichen in der Eröffnung des beschwingten ‘Regina coeli laetare’, einem kleinen, kirchlichen Werk, das 1771 nach der Heimkehr von der Italienreise entstand. In dieser Nachwirkung des transalpinen Klimas tritt uns Marienfrömmigkeit erleichternd als ein Erhebendes, nicht als bigotteriesäuerliches Ernstes entgegen: sehr weniger lateinischer Text wird in umso mehr Musik aufgelöst und zum Klang selbst gesteigert. Die Interpretation des großen Ensembles erscheint hier lichtvoll und schlicht gelungen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Tobias Roth Kritik von Tobias Roth,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Mozart, Wolfgang Amadeus: Davide penitente (Oratorio): KV 469

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Naxos
1
04.01.2008
Medium:
EAN:

CD
747313023172


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Mozart, Wolfgang Amadeus
 - Davide penitente, KV 469 - 1. Coro
 - Davide penitente, KV 469 - Cantiam le glorie
 - Davide penitente, KV 469 - Lungi le cure ingrate
 - Davide penitente, KV 469 - Sii pur sempre benigno, oh Dio
 - Davide penitente, KV 469 - Sorgi, o Signore, e spargi
 - Davide penitente, KV 469 - A te, fra tanti affanni
 - Davide penitente, KV 469 - Se vuoi, punisciumi
 - Davide penitente, KV 469 - Tra l'oscure ombre funestre
 - Davide penitente, KV 469 - Tutte le mie speranze
 - Davide penitente, KV 469 - Chi in Dio sol spera
 - Regina coeli, KV 108 - Regina coeli, laetare
 - Regina coeli, KV 108 - Quia quem meruisti portare
 - Regina coeli, KV 108 - Ora pro nobis Deum
 - Regina coeli, KV 108 - Alleluia


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Dirigent(en):Schuldt-Jensen, Morten
Orchester/Ensemble:Leipziger Kammerorchester
Interpret(en):Wilsberg Lund, Trine
Odinius, Lothar
Wahlin, Kristina


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Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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